Steckbrief: Teresa von Avila, Lehrerin der Mystik

Am 15. Oktober ist der gebotene Gedenktag der hl. Teresa von Avila. Im Jahr 1970 verlieh Papst Paul VI. der großen Lehrerin der Mystik den Titel einer Kirchenlehrerin, und dies als erste Frau. Jedoch für ihre eigene Ordensleitung und den weltlichen Behörden zu ihrer Zeit war sie ein großes Ärgernis. Es war der päpstliche Nuntius Felipe Sega, der sie sogar ein „herumvagabundierendes Weib“ nannte. Heute gilt Teresa von Avila als große Mystikerin und Schriftstellerin des Christentums und Reformerin ihres Ordens.

Sie wurde am 28. März 1515 in Spanien geboren und zeigte sich bereits sehr früh als glaubensstarkes Kind. Nach dem Tod ihrer Mutter widmete Teresa ihr Herz im Alter von zwölf Jahren der Gottesmutter Maria. Teresa war wissbegierig, sehr temperamentvoll und fröhlich. Zudem lernte sie Lesen und Schreiben, für ein Mädchen in ihrer Zeit etwas besonderes. Als sie 21 Jahre alt war, verließ sie heimlich ihr Elternhaus und trat in das Karmelitinnenkloster ihrer Vaterstadt ein. Später schrieb sie, dass sie dies mehr aus Angst vor der Hölle tat, als aus Liebe zum Herrn.

Das Ordensleben begann sie dennoch mit einigem Eifer, allerdings fiel es ihr in dem Damenstift, das ohne Klausur war, nicht besonders leicht. Es gab keine angemessenen Fastenvorschriften und viele der Mitschwestern hatten Dienerinnen und Besucher gingen ein und aus. Teresa war dies zuviel, nach einem Jahr im Kloster brach sie zusammen. Man vermutet heute als Krankheit Epilepsie, eine Infektion oder eine Depression. Einige Tage lag Teresa sogar im Koma, vier Tage in einer Art Starre, so dass man sie für tot hielt und man sie beinahe lebendig begraben hätte. Nach ihrer Genesung blieb sie noch lange gelähmt, auch drei Jahre danach konnte sie noch nicht selbst gehen. Teresa verspürte seither jedoch eine tatsächliche innere Berufung zur Braut des Herrn. Doch sie versuchte sich noch abzulenken, indem sie am regen gesellschaftlichen Leben des Klosters teilnahm.

Es war im Jahr 1539, als es vor einem Bild des leidenden Christus zu ihrer endgültigen radikalen Bekehrung kam. Es folgten erste tiefe Visionen und Gebetserfahrungen, die Teresa in Angst und Schrecken versetzten. In Franz de Borja fand sie jedoch einen verständigen Förderer ihrer Berufung. So konnte sie 1556 ihre geistige Verlobung mit Christus feiern. 1557 wurde Balthasar Álvarez SJ ihr Seelenführer.

Die folgenden Jahre verstärkten Teresas Berufung. Sie begann innige Gespräche mit den Engeln und erlangte damit ihre Kraft, Weisheit und vor allem Liebe. Zusammen mit einigen Freundinnen und Verwandten fasste sie im Jahr 1560 in ihrer Klosterzelle den Entschluss den Karmeliterorden nach dem Vorbild der „Unbeschuhten“ zu reformieren. Dabei stieß sie auf große Schwierigkeiten und musste unter den Anfeindungen ihrer Ordensschwestern leiden, doch sie setzte sich durch. Papst Pius IV. genehmigte die Gründung ihres Reformklosters San José in Avila, wo wieder die ursprüngliche Ordensregel befolgt wurde: die der unbeschuhten Karmelitinnen mit strengster Klosterzucht, ganz nach dem Vorbild der Wüstenheiligen. Allerdings setzte Teresa mehr auf eine Liebeserfahrung mit Gott, auf Sanftheit in der Führung, als auf schwere Bußübungen und Selbstgeißelung.

Aus den Schriften von Teresa von Avila leuchtet dem Leser ein tiefes mystisches Erleben Gottes entgegen, das vor oder nachher kaum mehr erreicht wurde. Eine besondere mystische Erfahrung war die Transverberation, die erlebte Durchbohrung des Herzens, wie es der Herr am Kreuz erfahren hat. Gerade in ihrer „Seelenburg“ schreibt Teresa in feinfühliger Weise ein wertvolles Werk zur Unterscheidung der Geister und zum Wachstum der Seele.

Teresa war auf der Rückreise von ihrer letzten Klostergründung in Burgos, als sie zur Herzogin von Alba nach Alba de Tormes geschickt wurde, um ihr dort bei der Geburt ihres Kindes beizustehen. Als Teresa dort ankam, war sie schon schwer erkrankt, nach zwei Wochen starb sie. Man bestattete ihren Leib in der Erde, nach der Erhebung ihrer Gebeine nach zwei Jahren war er noch völlig unverwest. Im Jahr 1614, nur 32 Jahre nach ihrem Tod, wurde Teresa seliggesprochen, 1622 heiliggesprochen. 1627 ernannte man sie zur Patronin von Spanien.

Die Persönlichkeit von Teresa von Avila zeugte von psychologischem Feingefühl, einer tiefen Spiritualität, verbunden mit sprühender Intelligenz. So wurde sie zu einer klugen Reformerin ihres Ordens. Und selbst nach 500 Jahren wirkt diese heilige Persönlichkeit modern, kann ein geistiges Vorbild sein. Gott sei gedankt für diese Heilige!

 

der emmauspilger

S.D.G.

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