Sakramente als Belohnung?

Nein, Sakramente sind keine Belohnung, deshalb kann man sie auch nicht einfordern. Sakramente erhält man nicht, weil man eine zeitgeistgemäße Antwort parat hat, weil man mit unvollkommener menschlicher Barmherzigkeit argumentiert. Sakramente sind das Gegenteil von Belohnung: Sie werden gesät in all die Fragen des Lebens in Raum und Zeit.

In der Taufe ist das Sakrament ein angenommen sein in aller Gebrochenheit des Menschen. Die Taufe will Christen vereinen, wo sie sich getrennt meinen. Die Firmung will dort stärken, wo das Leben schwach erscheint, wo man selbst am Ende ist, damit der Hl. Geist weitermachen kann. Die Beichte will Zuspruch geben, wo man sich selbst nicht mehr vergeben kann oder will, damit Gottes Gnade und Liebe wieder das verhärtete Herz erweichen kann. Die Eucharistie will das Leben hochhalten über alle Abgründe hinweg, sie will sie nicht einebnen. Die Ehe will ein Ja sprechen in eine fragliche Zukunft hinein, damit Gott als Dritter im Bunde seine Ewigkeit, Sanftmut und Geduld einbringen kann. Die Priesterweihe des Mannes stärkt, um einen Dienst anzutreten, trotz aller Unzulänglichkeiten. Die Krankensalbung will dort Gewissheit schenken, wo Angst und Ungewissheit herrscht.

Nein, die Sakramente sind keine Belohnung. Sie sind keine Universalantworten auf jene Fragen, welche uns die Sünde stellen lässt. Die Sakramente sind die Möglichkeit mit all den Fragen zu leben. Und Jesus Christus stellt uns in ihnen auch die Fragen, die wir in unserer Sündhaftigkeit meinten, schon längst beantwortet zu haben. Nicht aber, um sie ungelöst zu lassen, sondern der Er-lösung zuzuführen, eine Erlösung, die eben der Herr erst ermöglicht hat.

 

S.D.G.

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Theologie und Pastoral 3.0

Hinsichtlich der Theologie und Pastoral zu Beginn des 3. christlichen Jahrtausends wurde in vielen deutschen Bistümern eine Zentralisierung und Straffung der Seelsorge angedacht oder wird bereits umgesetzt. Sowohl Gläubige als auch Amts- und Würdenträger innerhalb der Kirche vermissen an diesen Konzepten oft die notwendige Ausrichtung auf den Willen Gottes, weil man sich allzu sehr nach weltlichen und organisatorischen Bedürfnissen ausrichtet. Vieles scheint selbst ausgedacht, und im falschen Bewusstsein der „Nabel der Welt“ zu sein, verweigert man sich von dem Guten, das in anderen Nationen bereits umgesetzt wird, lernen zu wollen. Zu dieser Trägheit mag wohl auch die Sicherheit entsprechender Kirchensteuermittel beitragen. Weiterlesen

Protestantismus als Vorstufe des Nihilismus?

Der Philosoph Rüdiger Safranski schreibt in einem Artikel in der NZZ vom 08.11.2015: „Die zeitgemäße Form des Nihilismus ist der Konsumismus. Auch wenn man keinen Gott mehr hat, kann man sich immer noch etwas kaufen“.

Im Buch der Weisheit in der Hl. Schrift, entstanden wenige Jahrzehnte vor Christi Geburt, wird diese „moderne“ Mentalität bereits festgehalten (Weish 2:1-6): Weiterlesen

Wege zur Eucharistie bei Sünden wider der Ehe

Kardinal Ennio Antonelli ging sehr positiv auf das nachsynodale Schreiben „Amoris laetitia“ von Papst Franziskus ein. Der Kardinal betont die Unauflöslichkeit der Ehe, nimmt aber ebenso die Anregungen des Papstes auf, überkommene Lehren der Kirche abzulegen oder in die Zeit zu übersetzen. In einem Büchlein (Per vivere l‘ „Amoris laetitia“. Spunti di discernimento pratico), das im Juni 2016 in Mailand erschienen ist, bietet er grundlegende Hilfestellungen zur Umsetzung des päpstlichen Dokuments an, die sowohl im Pastoral als auch für die Gläubigen dienlich sind. Das Büchlein ist inzwischen in der Erzdiözese Florenz, Triest und Moskau als offizielle Richtlinie anerkannt. Es beinhaltet 7 Schritte, mit denen Gläubige, die sich in einer objektiv ungeordneten Situation in ihrer Ehe befinden, ihr Gewissen schulen und zur Eucharistie zugelassen werden können. Weiterlesen

Yoga und Zen vs. christliche Spiritualität

Mystik, Ritual, Kult, das sind Begriffe und Lebenswirklichkeiten, die heute im Westen trotz der Säkularisierung der Welt immer mehr geschätzt werden. Allerdings meint man damit mehr östliche Spiritualität, eigene christliche Wurzeln sind verpönt und aus dem kritischen Rationalismus der Moderne entwickelt sich immer mehr ein abergläubischer Irrationalismus der Postmoderne. Deshalb ist es wichtig den Unterschied zu erkennen zwischen dem, was außerchristlich an „religiösem“, „transzendentalem“, „mystischem“ und „spirituellem“ läuft und dem, was das Christentum unter Spiritualität versteht. Dies vor allen deswegen, weil auch im innerkirchlichen Bereich immer mehr eine Vermischung stattfindet, man denke nur an die zahlreichen Yoga- und Zen-Kurse in katholischen Bildungseinrichtungen.
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Protestanten und die Beichte

Die Beichte war bei den Reformatoren umstritten, weil es für sie zwar einen Auftrag Christi gab, aber keine Materie. Denn als Sakrament erkannten sie nur an, was im Neuen Testament auf Befehl Jesu zu wiederholen ist und ein materielles Zeichen und ein deutendes Wort vorhanden. So kann nach diesem Verständnis allein Taufe und Eucharistie Sakrament sein, denn nur hier spricht Jesus: „Tut dies“. Dennoch galt die Beichte in der ersten Zeit der Reformation bei machen lutherischen Theologen, z. B. Melanchthon, als Sakrament und blieb es bis in das 18. Jahrhundert, wo es vor dem Empfang des Abendmahls vorgeschrieben war. Während der „Aufklärung“ verlor sich die Beichte im Protestantismus völlig. Außer in einigen kleinen Gruppen, gibt es sie nicht mehr. Das Sakrament wurde vergessen, aber nicht abgeschafft. Weiterlesen

Protestanten und ihr Verhältnis zur politischen Obrigkeit

Martin Luther schuf mit seiner neuen Lehre ein völlig anderes Verhältnis zwischen Staat und Kirche, zwischen Christ und Gesellschaft. Negative politische Entwicklungen der Neuzeit werden deshalb oftmals den Kirchen der Reformation zur Last gelegt. Andererseits kann man das moderne protestantische Synodalsystem als Vorbote der Demokratisierung betrachten. Die Veränderung der Verhältnisse zwischen Christen und ihrer Obrigkeit im Protestantismus kann in drei Bereichen besonders erkannt werden: im sogenannten Landesherrlichen Kirchenregiment, in der Zwei-Reiche-Lehre und in der Bewertung des gottgeweihten Lebens.
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