Die Erkenntnis im griechischen Göttermythos und der Bibel

Die Erkenntnis im griechischen Göttermythos und der Bibel

Auf dem Gemälde von Tizian im Titelbild wird der griechische Göttermythos dargestellt, das den Jäger Aktaion zeigt, wie er die Göttin Diana nackt beim Bad zusieht und dafür später von ihr in einen Hirsch verwandelt von seinen eigenen Hunden zerrissen wird.

Im antiken Griechenland werden ontische und philosophische Gedanken oft in Göttermythen übertragen und weitergegeben. Beim Jäger Aktaion trifft man auf das Motiv, dass mit der Erkenntnisfähigkeit des Menschen der Tod in Verbindung steht, wie man es auch in der Hl. Schrift der Christen und Juden nachlesen kann. Gerade dadurch wird dem Menschen deutlich gemacht, dass er nicht Gott sein kann, denn mit Erkenntnisfähigkeit verliert er sodann die Ewigkeit. Weiterlesen

Yoga: Das Wagenlenkergleichnis

Yoga: Das Wagenlenkergleichnis

In der Kaṭha-Upaniṣhad, einem vedischen Text aus Indien, der explizit vom Yoga handelt, wird die menschliche Existenz mit einem Wagen verglichen, der von fünf Pferden gezogen wird. Dabei ist der Wagenbesitzer das menschliche Selbst (ātmā), die individuelle, göttliche Seele. Der Wagen entspricht dem Körper (deha), die fünf Pferde entsprechen den fünf Sinnesorganen (indriya). Der Wagenlenker wird mit der reinen Intelligenz (buddhi), dem intuitiven unterscheiden und erkennen, und die Zügel mit dem Sinnesbewusstsein oder dem Sinnen-Mental (manah) gleichgesetzt, die Denkfunktion. Die Fahrbahn sind die Objekte und Bereiche der Sinneswahrnehmung.

Das Ziel des menschlichen Lebens ist, den Herrn der Kutsche (= ātmā) zu erkennen und seine inneren Anweisungen jeden Moment zu befolgen. Der Wagenlenker (buddhi) kann so durch bewusstes und straffes Halten der Zügel (manah), die Pferde (indriya) auf dem richtigen (Lebens-)Weg lenken.

Hier die Deutsche Übersetzung aus dem Buch  „Katha-Upanishad – die Unsterblichkeit des Selbst“ von Swami Nikhilananda (Teil 1, 3. Kapitel, Verse 1a, 5 – 9): Weiterlesen

Katholische Kirche und Freimaurer

Katholische Kirche und Freimaurer

Die Geschichte zwischen katholischer Kirche und den Freimaurern war von Anbeginn der offiziellen Gründung letzterer 1717 angespannt. Dabei spielten viele Vorurteile, Missverständnisse und persönliche Feindschaften auf beiden Seiten eine Rolle, aber auch konkrete Konfrontation, etwa wenn Freimaurer entgegen ihrer in den Statuten festgelegten Pflichten politisch agierten, besonders während der Französischen Revolution, Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich oder dem Risorgimento in Italien. Auch das oftmals als relativierend wahrgenommene Gottesbild der Freimaurerei wird von der Kirche als unvereinbar mit der christlichen Frohbotschaft erkannt, ebenso die Geheimniskrämerei, die von den Freimaurern noch gepflegt wurde, um attraktiv zu bleiben. Deshalb gilt sicherlich nicht unberechtigt bis heute das Gebot der katholischen Kirche: Ein Katholik verlässt aufgrund einer schweren Sünde die volle Gemeinschaft mit der Kirche, wenn er zugleich Freimaurer ist, kurz: er ist exkommuniziert. Dennoch sollte dieses Urteil nicht davon abhalten, stets aufs Neue die Gründe dafür zu bewerten, den Prozess gegenseitigen Verstehens und Kennenlernens fortzuführen. Weiterlesen

Im Denken wird man Mensch

Es gibt schon seit geraumer Zeit und ohne irgendwelche „Energiefelder“ zu bemühen, die Ansicht, dass das moralische Temperament (melancholisch, phlegmatisch, sanguistisch, philosophisch) jene Ideenreihe Kraft verleiht, die den Charakter bildet. Dabei gibt es eine herrschende Idee. Eine Ideenreihe ist ein Gedanke, eine Aussage, ein Gegenstand der/die Beachtung erhält, weil er/sie das Vergnügen/Missvergnügen (damit sind nicht allein sinnliche Erfahrungen gemeint) fördert oder hindert. Jede von außen zukommende Wahrheit trifft auf diese Ideenreihe und wird somit „entwahrheitet“, denn sie hat sich in die Anschauung der Begriffe einzufügen, die der Mensch sich bereits bildete. Jedes neue Ding wird in diese Ideenreihe eingefügt und festigt sie. Deshalb kann man etwa jungen Menschen besser neue Ansichten vermitteln, als älteren. Deshalb kann für jemand etwas eine Ehre sein, für den anderen nicht, obwohl es objektiv dasselbe Ding ist. Weiterlesen

Demokratie, Wahlen und Dankbarkeit

Viele Menschen definieren heute selbständiges Denken, ja Freiheit, darin, nur auf sich selbst zu „hören“, womit meist nur ein Bauchgefühl gemeint ist und dazu keine vernunftbegabte Überlegung. Gerne wird dabei auch von Förderung der Vielfalt gesprochen, was aber oft genug nur als Vorwand verwendet wird, um eigene Erkenntnisse und Meinungen, mögen sie noch so unvernünftig sein, eine Geltung für die Allgemeinheit zu geben. Und wenn man auf andere Meinungen und Lebensmodelle trifft, die nicht innerhalb der eigenen Filterblase vertreten werden, hat die Förderung der Vielfalt schnell ein Ende. Oft werden dann keine Argumente eines Spezialisten, Fachmanns, nicht einmal mehr Lebenserfahrung anderer angenommen. Dabei bietet ein „Bauchgefühl“ ebenso keine Grundlage ein tieferes Verständnis über einen Sachverhalt oder andere Motivlagen zu gewinnen. So wird man zum Unbelehrbaren, der in der Selbstzentriertheit seinen Fortschritt erkennen will, ein Merkmal des Egoisten. Weiterlesen

Ezechiel und falsche Propheten – eine Hilfestellung für heute

In der Hl. Schrift werden falsche Propheten erstmals in Mi 2:6-11 erwähnt, also etwa im 8. Jh. v. Chr., und dort (in Vers 11) findet man auch eine Beschreibung eines „idealen“ falschen Propheten: „Ja, wenn einer käme und Dunst und Trug vorlöge: »Ich predige euch von Wein und Bier!«, das wäre ein Prediger für dieses Volk!“ In Mi 3:5-11 wird die Weissagung gegen Bezahlung angeprangert. Dtn 13:2-6 erklärt, dass falsche Propheten auch Wunder wirken können.

Das Problem der falschen Propheten wird in der Hl. Schrift in älterer Zeit jedoch erstaunlich wenig angesprochen. Das ändert sich allerdings in der Zeit von Jeremia und Ezechiel, also vor und während des babylonischen Exils (597-539 v. Chr.). Es ist eine Zeit des Zusammenbruchs des Alten und der Unsicherheit, was kommen wird. Im NT trifft man auf eine solche Zeit ab der Auferstehung Christi bis zu seiner Wiederkunft, also gerade für jene Zeit, in der wir heute leben. Auch dort wird vor falschen Propheten gewarnt und die Erfahrung zeigt, dass sie immer wieder auftreten. Deshalb hat uns Gott auch mit Ezechiel heute viel zu sagen, gibt uns Hilfestellung gegen einen lebensfeindlichen Zeitgeist oder die Herrschaft des Vaters der Lüge, Satan, die beide oft als prophetisches Wort den Menschen manipulieren wollen. Weiterlesen

Humanität ist nicht gleich Humanismus

Humanität ist nicht gleich Humanismus. „Humanität“, also „Menschenliebe“ findet sich als Basis in verschiedenen geistigen Strömungen. Etwa im Christentum, bei dem Menschenliebe vor allem als Nächstenliebe übersetzt wird. Es ist Gottes Sohn, Jesus Christus, der mit der Botschaft der Liebe, der Menschenliebe, der Nächstenliebe, die Menschen auffordert, an dieser Liebe durch ihn teilzuhaben, sie zu wirken. Den Begriff des „Humanismus“ gibt es jedoch in seinen unterschiedlichen historischen und philosophischen Ausformungen, die sich teilweise diametral gegenüberstehen. Häufig werden die Begriffe „Humanität“ und „Humanismus“ synonym gebraucht. Das ist aber nicht richtig. Weiterlesen

Die wahre Freiheit: lieben zu können

Jesus Christus hat uns zur Freiheit ge- und berufen, jener Mensch zu sein, zu dem ER uns geschaffen. Es ist keine Freiheit von, denn das setzt eine Gebundenheit voraus, es ist eine Freiheit für, das setzt eine angenommene Erlösung voraus. Wer diese Freiheit annimmt, wird nicht ins Leere entlassen, sondern in die Wahrheit. Was bedeutet das?

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Österliche Gedanken über die Freude

Österliche Gedanken über die Freude

Das Wesen der Freude ist eine konstruktive Gefühlsbewegung, die dem Kern des Menschen, den positiven und kreativen Tiefenschichten seiner Seele entstammt. Jesus Christus fordert die Menschen aufgrund der von ihm erwirkten Erlösung auf, sich jeden Tag zu freuen und zu tanzen (Lk 6:23). Denn die menschliche Seele sehnt sich nach Freude. Freude bringt Vollbringen, bringt innere Bereicherung zum Ausdruck.

Man darf diese Freude nicht mit andere aus dem Alltag herausgehobene, von ihr abgesetzte Gefühle und Stimmungen verwechseln:

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Wir sind eine lebendige Opfergabe

Bei den Urchristen gab es von Anfang an keinen Zweifel, dass das Tempelopfer, der kultische Dreh- und Angelpunkt der Tora, durch den Tod des Herrn ausgedient hatte. Der Tempel wurde zu einem würdigen Ort des Gebets, aber seine Opfer galten für Christen nicht mehr. War also nun das Kreuz Christi der neue Kult der Menschen für eine wahre Reinigung und Sühne in der sündhaften Welt? Weiterlesen