Yoga: Das Wagenlenkergleichnis

Yoga: Das Wagenlenkergleichnis

In der Kaṭha-Upaniṣhad, einem vedischen Text aus Indien, der explizit vom Yoga handelt, wird die menschliche Existenz mit einem Wagen verglichen, der von fünf Pferden gezogen wird. Dabei ist der Wagenbesitzer das menschliche Selbst (ātmā), die individuelle, göttliche Seele. Der Wagen entspricht dem Körper (deha), die fünf Pferde entsprechen den fünf Sinnesorganen (indriya). Der Wagenlenker wird mit der reinen Intelligenz (buddhi), dem intuitiven unterscheiden und erkennen, und die Zügel mit dem Sinnesbewusstsein oder dem Sinnen-Mental (manah) gleichgesetzt, die Denkfunktion. Die Fahrbahn sind die Objekte und Bereiche der Sinneswahrnehmung.

Das Ziel des menschlichen Lebens ist, den Herrn der Kutsche (= ātmā) zu erkennen und seine inneren Anweisungen jeden Moment zu befolgen. Der Wagenlenker (buddhi) kann so durch bewusstes und straffes Halten der Zügel (manah), die Pferde (indriya) auf dem richtigen (Lebens-)Weg lenken.

Hier die Deutsche Übersetzung aus dem Buch  „Katha-Upanishad – die Unsterblichkeit des Selbst“ von Swami Nikhilananda (Teil 1, 3. Kapitel, Verse 1a, 5 – 9): Weiterlesen

Guardini: Das Verständnis der Erlösung

Guardini: Das Verständnis der Erlösung

Aus dem Munde Deines Sohnes, o Herr, vernehmen wir die Botschaft der Erlösung. Sie geht nicht aus den Erfahrungen unserer Lebensnot hervor, sondern aus Deinem freien, heiligen Ratschluss. Unser Herz kann auf sie warten, unser Verlangen kann ihr entgegengehen – aber nur, wenn Deine Liebe den ersten Schritt tut; denn schon dass wir auf sie warten und ihr entgegengehen, ist ihr Werk.

So steht es unserem Geiste auch nicht zu, darüber zu urteilen, was von Dir her Erlösung heißt, und wer Du bist, der diese Erlösung vollbringt. Tut er das, dann ist er wie ein Blinder, der über die Dinge des Lichtes redet. Nur wenn uns die Augen dafür aufgehen, wer Du bist, verstehen wir, wie Du erlösen könnest; aber nur aus Deinem heiligen Handeln geht uns das Bild Deines Wesens auf. Weiterlesen

Ethik – Moral – Recht

Ethik – Moral – Recht

Der englische Philosoph und Vordenker der Aufklärung John Locke (1632-1704) stellt die Notwendigkeit der Unterscheidung zwischen Ding- und Werteeigenschaft fest. Gut und schlecht sind Werteausdrücke, Objekt menschlicher Affektzustände. Der eigentliche Handlungstrieb ist das Unbehagen, nicht die Lusterwartung. Dieses Unbehagen kann körperlich, aber auch geistig sein. Es entsteht Gier nach Ehre, Reichtum, Macht, etc. Ob etwas gut, schlecht ist, entscheidet der Bezug auf eine Regel, mit der eine Handlung übereinstimmt oder nicht. Hier ist die Scham wichtig, die Korrektur in der Gesellschaft durch deren Moral. Wille und Begehren können verschiedene Richtungen ausweisen. Das wertende Ego muss mit dem wertenden Alter Ego rechnen und dem wertenden Dritten, dem Nächsten.

Nach Locke soll Moralität und Sittenlehre in ihrer Wechselbeziehung nicht im Individuum, sondern in der Gemeinschaft gestiftet werden. Für ihn gibt es: Weiterlesen

Männer, habt ihr ein Problem?

bei weiten nicht alle, aber doch einige, denn: Was ist da los bei den ständigen Aggressionen gegen Frauen, heißen sie Merkel, Baerbock, Greta, Künast, Dunja Hayali etc.? Besonders Männer, besonders in den sozialen Medien, posten gegen diese Frauen Mordgedanken, Folterandrohungen, übelste Beschimpfungen, Vergewaltigungsfantasien. Frauen, die nicht mit deren Aussagen und Taten übereinstimmen, zeigen bei weitem nicht diese Aggressionen wie die Männer. Liegt es daran, dass es nicht deren „übliches“ Frauenbild entspricht? Da zeigt sich ein Muster, denn Männer, wie Trump, Höcke oder andere Populisten werden vielleicht mit Spott und Kopfschütteln belegt, aber nicht mit solchen Hasstiraden. Weiterlesen

Mechthild von Magdeburg: Die Wüste hat 12 Dinge

Mechthild von Magdeburg: Die Wüste hat 12 Dinge

Der 15. August ist der Gedenktag der großen deutschen Mystikerin Mechthild von Magdeburg (1208-1294?). Sie war eine Begine, eine Gemeinschaft, in der Frauen caritative Aufgaben erfüllten, sich aber ebenso selbstbewusst in der Kirche zu theologischen Fragen meldeten und gehört wurden. In ihrem Werk „Das fließende Licht der Gottheit“ fasst sie ihre mystische Gottesschau zusammen. „Die Wüste“ ist in der Tradition der Wüstenväter ab dem späten 3. Jahrhundert (Askese-Gebet-Arbeit) ein Motiv einer Geisteshaltung, welche durch Kontemplation und Meditation durch lassen seiner selbst, der Mystiker Meister Eckhart spricht von Gelassenheit, in Wahrheit, in Freiheit und im Frieden ganz Gott in einem sein und wirken kann. Dabei geht es keinesfalls um eine Flucht aus der Welt, sondern um eine Bereitung zu lieben in der Welt nach dem Willen Gottes. Mechthild definiert diese Wüste folgendenermaßen:

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Luther: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“

Luther: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“

Eigentlich eines seltsame Frage, die der Reformator Martin Luther hier stellt. Was ist, wenn Gott bereits und immer schon gnädig ist und es allein an mir liegt, ihn zu „bekommen“? Luther war ohne Zweifel ein großer Gottsucher mit allergrößter Ernsthaftigkeit. Er begann seine Suche immer wieder von seinem Gottesbild aus, das jedoch missgestaltet war. Denn es verkennt den gütigen Vater, den uns sein Sohn Jesus Christus verbindlich geoffenbart hat. Luther hatte zeitlebens eine große Furcht vor dem zornigen Gott. Es begann schon während der Gewitterangst 1505, die Luther ins Kloster trieb, und 1534 deutete er als Lehrer den Psalm 90 immer noch: „Mitten in dem Leben sind wir vom Tod umfangen“. Eine tiefe Düsternis des Gemüts liegt in diesen Worten. Dem Tod kann niemand entfliehen und die eigene Verderbtheit bleibt stets vor Augen. Dies erfüllt mit lähmendem Grauen und Luther muss nach Glaubensaussagen suchen, die wenigstens ihm persönlich den Weg zum Heil ebnen. Und so stellt er jene Frage, die zum Grundimpuls seiner Existenz wurde: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Weiterlesen

Epiktet: Macht und Freiheit

Epiktet: Macht und Freiheit

„Einige Dinge stehen in unserer Macht, andere hingegen nicht. In unserer Macht sind Urteil, Bestrebung, Begier und Abneigung, mit einem Wort alles das, was Produkt unseres Willens ist. Nicht in unserer Macht sind unser Leib, Besitz, Ehre, Amt, und alles was nicht unser Werk ist. Was in unserer Macht ist, ist seiner Natur gemäß frei, kann nicht verboten oder verhindert werden; was aber nicht in unserer Macht steht, ist knechtisch, kann verwehrt werden, gehört einem anderen zu. Deshalb bedenke, dass du Hinderung erfahren, in Trauer und Unruhe geraten, ja sogar Götter und Menschen anklagen wirst, wenn du das von Natur Dienstbare für frei und das Fremde für dein eigen ansiehst. Hältst du dagegen für dein Eigentum nur, was wirklich dein eigen ist, und betrachtest das Fremde als fremd, so wird dich niemand jemals zwingen oder hindern; du wirst niemanden anklagen oder beschimpfen, und nicht das Geringste mit Widerwillen tun; niemand kann dir schaden; du wirst keinen Feind haben, und nichts, was dir nachteilig sein könnte, wird dir begegnen.“

Eine Gottesschau im Alten und Neuen Testament

Eine Gottesschau im Alten und Neuen Testament

Eine Schriftbetrachtung.

Im AT findet sich jene Vorschattung, wie wir Menschen Gott schauen werden, was Offenbarung bedeutet. Gott hat sich Moses in Zeichen offenbart, in einer Feuersäule, im Rauch. Moses wollte Gott aber ebenso von Angesicht sehen. Hier der Text (Ex 33:18-23 NHTS): „Da sprach Mose: «Laß mich doch deine Herrlichkeit schauen!» Und er sprach: «Ich werde alle meine Schöne an deinem Angesicht vorüberziehn lassen und werde den Namen ,Ewiger‘ vor dir ausrufen: Ich begnade, den ich begnaden will, und erbarme mich, dessen ich mich erbarmen will.» Und er sprach: «Du kannst mein Angesicht nicht schauen, denn nicht schaut mich ein Mensch und lebt.» Und der Ewige sprach: «Sieh, es ist Raum bei mir, stell dich auf den Felsen. Und es wird sein, wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, da bringe ich dich in die Kluft des Felsens und halte meine Hand vor über dir, bis ich vorübergezogen bin. Wenn ich dann meine Hand entferne, so wirst du meine Rückseite schauen, aber mein Angesicht kann nicht gesehen werden.»“

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Die wahre Freiheit: lieben zu können

Jesus Christus hat uns zur Freiheit ge- und berufen, jener Mensch zu sein, zu dem ER uns geschaffen. Es ist keine Freiheit von, denn das setzt eine Gebundenheit voraus, es ist eine Freiheit für, das setzt eine angenommene Erlösung voraus. Wer diese Freiheit annimmt, wird nicht ins Leere entlassen, sondern in die Wahrheit. Was bedeutet das?

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Gnade und Werke

Die Gnade darf nicht gegen die Werke und das Wollen dazu ausgespielt werden. Im Gegenteil: Man muss sie aufeinander beziehen und es ist natürlich die richtige Reihenfolge zu beachten. Die Gnade setzt die Natur (den Willen des Menschen) voraus. Doch von der Natur als Natur (Geschöpf) führt kein Weg zur Gnade, ein Geschenk kann man sich nicht selbst und eigenmächtig nehmen, wohl aber von der Gnade zur Natur. Denn nicht die Früchte machen den Baum gut, sondern ein guter Baum bringt gute Früchte.

Gottes Liebe verurteilt den Menschen nicht zur Passivität, sondern sie ermöglicht aus Gnade gerade eine gewisse Mitwirkung des Menschen. Der Mensch darf Verantwortung übernehmen und das nur, weil er entscheiden kann. Der Mensch ist aufgerufen die Gnade anzunehmen. Hier wird diese Verschränkung, der Bezug aufeinander von eigenem Willen, Werke und Gnade eindrücklich beschrieben (Phil 2:12-13 MNT): Weiterlesen