Sakramente als Belohnung?

Nein, Sakramente sind keine Belohnung, deshalb kann man sie auch nicht einfordern. Sakramente erhält man nicht, weil man eine zeitgeistgemäße Antwort parat hat, weil man mit unvollkommener menschlicher Barmherzigkeit argumentiert. Sakramente sind das Gegenteil von Belohnung: Sie werden gesät in all die Fragen des Lebens in Raum und Zeit.

In der Taufe ist das Sakrament ein angenommen sein in aller Gebrochenheit des Menschen. Die Taufe will Christen vereinen, wo sie sich getrennt meinen. Die Firmung will dort stärken, wo das Leben schwach erscheint, wo man selbst am Ende ist, damit der Hl. Geist weitermachen kann. Die Beichte will Zuspruch geben, wo man sich selbst nicht mehr vergeben kann oder will, damit Gottes Gnade und Liebe wieder das verhärtete Herz erweichen kann. Die Eucharistie will das Leben hochhalten über alle Abgründe hinweg, sie will sie nicht einebnen. Die Ehe will ein Ja sprechen in eine fragliche Zukunft hinein, damit Gott als Dritter im Bunde seine Ewigkeit, Sanftmut und Geduld einbringen kann. Die Priesterweihe des Mannes stärkt, um einen Dienst anzutreten, trotz aller Unzulänglichkeiten. Die Krankensalbung will dort Gewissheit schenken, wo Angst und Ungewissheit herrscht.

Nein, die Sakramente sind keine Belohnung. Sie sind keine Universalantworten auf jene Fragen, welche uns die Sünde stellen lässt. Die Sakramente sind die Möglichkeit mit all den Fragen zu leben. Und Jesus Christus stellt uns in ihnen auch die Fragen, die wir in unserer Sündhaftigkeit meinten, schon längst beantwortet zu haben. Nicht aber, um sie ungelöst zu lassen, sondern der Er-lösung zuzuführen, eine Erlösung, die eben der Herr erst ermöglicht hat.

 

S.D.G.

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Wir sind eine lebendige Opfergabe

Bei den Urchristen gab es von Anfang an keinen Zweifel, dass das Tempelopfer, der kultische Dreh- und Angelpunkt der Tora, durch den Tod des Herrn ausgedient hatte. Der Tempel wurde zu einem würdigen Ort des Gebets, aber seine Opfer galten für Christen nicht mehr. War also nun das Kreuz Christi der neue Kult der Menschen für eine wahre Reinigung und Sühne in der sündhaften Welt? Weiterlesen

„Felix culpa“, die glückliche Schuld

Tatsächlich kann kein Mensch etwas tun, dass Gott ihn mehr liebt oder dass er ihn weniger liebt. Insofern ist man immer ein geliebtes Geschöpf Gottes. Aber die Liebe Gottes will mehr: Sie legt offen, wo wir unser gottgewolltes Sein verlassen haben, wo wir nicht mehr sind, wer wir sind, sondern der, den unsere Sünde aus uns gemacht hat. Es nützt niemanden den Menschen als perfekt und damit nicht erlösungsbedürftig darzustellen, die Realität zeigt etwas anderes. Verdrängt man sie, dann bleibt der Mensch verkrümmt in seinem Ich und lässt keine Entwicklung mehr zu, die Gott ihm schenken will. Der Widersacher tut ganze Arbeit, wenn er uns das Sündenverständnis nimmt.

Wenn nun manche sich aufgrund ihrer Sünde hassen, traurig, depressiv werden, dann ist das ebenso ein Werk des Widersachers. Als Christ erhält man in der Taufe das Betriebssystem von Gott Sünde zu erkennen und in seiner Liebe anzunehmen, damit sie verwandelt wird und damit man selbst in der Kraft des Herrn. Gleichfalls erhält man eine überall mögliche und kostenlose „WLAN-Verbindung“, einen Kanal zu Gott, mit dem man ihm im Gebet sein Herz ausschütten, es ihm geben kann, damit es verwandelt wird in seine Liebe (Katherina von Siena erlebte diese Erfahrung auf eindrückliche Weise).

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„Allezeit habt ihr die Armen bei Euch“. Betrachtung zu Mt 26:6-16.

Der Kontext darf nicht übersehen werden, um allzu einseitige Auslegung, etwa einer Sozialcharta oder eines Gottesstaats auf Erden, zu vermeiden. Im Kontext verweist das Ereignis darauf hin, dass ehrfürchtiger Glaube und Liebe, wie der Frau, etwas Stürmisches, Überschwängliches, ja Unpraktisches hat. Liebe fragt nicht nach Grenzen. Sie kümmert sich nicht um Gedanken und Worte von Menschen. Hingabe ruft nach Ganzheit. Krämerisches Rechnen und Zählen ist dem Herrn gegenüber unwürdig.

Im Gespräch mit den Jüngern wird der Kleingeist von uns Menschen offenbar. Man misst ihn am eigenen Maßstab und zeigt Unverständnis, wenn das Große nicht in den kleinen Kopf und das kleine Herz passt. So gibt es Menschen, die Nächte durchbeten können, große Summen geben und andere finden es übertrieben. Dabei treibt vielleicht deren Großzügigkeit und Opferbereitschaft nur das Wissen um die eigene Sündhaftigkeit an, die einen selbst noch fehlt. Spießer können die Größe der Liebe nur schwer verstehen. Es ist für sie Verschwendung. So etwa auch die Kathedralen und goldenen Kelche in den Kirchen. Weiterlesen

Der Heilsplan Gottes für uns Menschen

Jesu Botschaft richtet sich an alle Menschen; der Menschheit als Ganzem und an jedem einzelnen. Die Heilsgeschichte Gottes für die Menschheit wurde von einem einzigen Volk, einzelnen Menschen abhängig gemacht. Das Heil haftet nicht an der Ebene der Natur, nicht an einer bestimmten, idealen Person, sondern im Raum und nach Art der Geschichte. Das Heil wird durch die Geschichte begründet. Diese geschieht in Entscheidungen, in den Handlungen einzelner, welche für die Existenz der Gesamtheit und der Folgezeit bestimmend sein wird. Die Tat eines einzelnen kann in der allgemeinen Geschichte zum Anfang oder zur Wende des Geschehens für viele oder alle werden.
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Wege zur Eucharistie bei Sünden wider der Ehe

Kardinal Ennio Antonelli ging sehr positiv auf das nachsynodale Schreiben „Amoris laetitia“ von Papst Franziskus ein. Der Kardinal betont die Unauflöslichkeit der Ehe, nimmt aber ebenso die Anregungen des Papstes auf, überkommene Lehren der Kirche abzulegen oder in die Zeit zu übersetzen. In einem Büchlein (Per vivere l‘ „Amoris laetitia“. Spunti di discernimento pratico), das im Juni 2016 in Mailand erschienen ist, bietet er grundlegende Hilfestellungen zur Umsetzung des päpstlichen Dokuments an, die sowohl im Pastoral als auch für die Gläubigen dienlich sind. Das Büchlein ist inzwischen in der Erzdiözese Florenz, Triest und Moskau als offizielle Richtlinie anerkannt. Es beinhaltet 7 Schritte, mit denen Gläubige, die sich in einer objektiv ungeordneten Situation in ihrer Ehe befinden, ihr Gewissen schulen und zur Eucharistie zugelassen werden können. Weiterlesen

Ethik ohne Lohn? Ein Denkfehler der Postmoderne

Die Ethik der Postmoderne ordnet das Lohnmotiv in eine niedere sittliche Stufe ein; eine fortgeschrittene, gar eine christliche Gesinnung kann damit nichts mehr anfangen. Irgendwie stimmt diese Behauptung ja auch. Etwas zu tun, um ein Ziel zu erreichen, lässt mich in den notwendigen Zusammenhang von Zweck und Mittel treten. Diese praktische Notwendigkeit bindet mich. Etwas zu tun, weil es recht ist, hebt diesen Zusammenhang auf, es ist kein Zweck und kein Mittel mehr vorhanden, nur mehr der sittliche Sinn, die Erfüllung der Pflicht. Nun bin ich nur mehr meinem Gewissen in Freiheit gebunden. Einen Zweck kann man auch unfrei erfüllen, den Sinn nicht. Diese Freiheit hat etwas Großes, Großmütiges, das sich durch den Hinweis auf einen Lohn erniedrigt fühlt. Etwas Gutes zu tun, soll seinen Sinn in sich selbst besitzen, nichts darf mehr hinzutreten, schon gar nicht ein Lohngedanke. Etwas abfällig wählt die Neuzeit für einen solchen Menschen den Begriff „Gutmensch“. Weiterlesen