„Allezeit habt ihr die Armen bei Euch“. Betrachtung zu Mt 26:6-16.

Der Kontext darf nicht übersehen werden, um allzu einseitige Auslegung, etwa einer Sozialcharta oder eines Gottesstaats auf Erden, zu vermeiden. Im Kontext verweist das Ereignis darauf hin, dass ehrfürchtiger Glaube und Liebe, wie der Frau, etwas Stürmisches, Überschwängliches, ja Unpraktisches hat. Liebe fragt nicht nach Grenzen. Sie kümmert sich nicht um Gedanken und Worte von Menschen. Hingabe ruft nach Ganzheit. Krämerisches Rechnen und Zählen ist dem Herrn gegenüber unwürdig.

Im Gespräch mit den Jüngern wird der Kleingeist von uns Menschen offenbar. Man misst ihn am eigenen Maßstab und zeigt Unverständnis, wenn das Große nicht in den kleinen Kopf und das kleine Herz passt. So gibt es Menschen, die Nächte durchbeten können, große Summen geben und andere finden es übertrieben. Dabei treibt vielleicht deren Großzügigkeit und Opferbereitschaft nur das Wissen um die eigene Sündhaftigkeit an, die einen selbst noch fehlt. Spießer können die Größe der Liebe nur schwer verstehen. Es ist für sie Verschwendung. So etwa auch die Kathedralen und goldenen Kelche in den Kirchen. Weiterlesen

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Buddha light vs. christliche Mystik

Seit das westliche Christentum ihren mystischen Kern schwächt, wenden sich spirituell Interessierte heute zunehmend an östliche Religionen. Zwischen Buddhismus und Hinduismus gibt es wichtige Parallelen. Aus ihnen schöpfen populäre „Light-Varianten“, wie sie auch Arthur Schopenhauer (1788-1860) favorisierte. Ihre Popularität erlangen sie auch dadurch, dass sie den allgemeinen Zeitgeist bedienen, den Positivismus und den Relativismus.

Von was spricht nun überwiegend dieser „Vulgär-Buddhismus“? Weiterlesen

Die Auferstehung des Herrn – eine historisch-kritische Betrachtung

Die Auferstehung des Herrn – eine historisch-kritische Betrachtung

Die Auferstehung des Herrn wird von manchen Bibelinterpretationen als oftmals rein psychogene Projektion der damaligen Menschen gedeutet. Dabei wird übersehen, dass die Texte eben gerade nicht aussagen, dass in den Seelen der enttäuschten Jünger ein Glaube an die Auferstehung entsteht und dieser dann Visionen hervorbringt, sondern dass erst die Erscheinung des Auferstandenen den Glauben an seine Auferstehung hervorbrachte. Eine rein psychogene Projektion bedarf bestimmter Voraussetzungen und Verständnisvorgaben. Wer also damals die Gewissheit erlangte, Jesus sei auferstanden, musste in irgendeiner Form mit einer Auferstehung rechnen können.

Die Jünger kannten in ihrem jüdischen Denken nur einen Platz der Auferstehung von den Toten: am Ende der Geschichte, am Ende der Welt, wenn Gott sie aus den Gräbern holt. Doch dies war nicht im vollen Umfang geschehen und die Welt war immer noch die alte. Aber dennoch predigen die Apostel von der Auferstehung Jesu, denn sie gehen aufgrund ihrer eigenen Auferstehungserfahrung des Herrn davon aus, dass die Neugestaltung der Dinge, der Welt bereits begonnen hat. Rein religionsgeschichtlich ist die Entstehung einer solchen Auffassung aus einer lediglich nur psychogenen Projektion äußerst unwahrscheinlich und wäre einzigartig. Das wirft auch einen völlig anderen Blick auf die Interpretationen der Naherwartung in der Hl. Schrift.
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Protestanten und die letzten Dinge

Dieser Beitrag gehört zu einer kleinen Serie über den Protestantismus im Vergleich zur katholischen Kirche. Weitere Beiträge finden sich hier , hier , hier , hier und hier

Protestanten kennen ein immerwährendes Thema: Das nahe Weltende. Bereits Luther rechnete mit der bald bevorstehenden Wiederkunft des Herrn und hielt den Papst deswegen für den vorhergesagten „Antichristen“ der letzten Tage. Auch der Ansturm der Türken auf das christliche Abendland deutete Luther als endzeitliches Strafgericht. Der führende Denker des aufkommenden Pietismus und Vorreiter der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Hl. Schrift Johann Albrecht Bengel (1687 – 1752) errechnete aus der Bibel das Jahr 1836 als Zeitpunkt der Wiederkunft Christi. Immer wieder gab es seither Gruppen, welche aufgrund solcher Berechnungen neue Gemeinschaften gründeten, so z. B. die Adventisten 1844, die neuapostolische Gemeinschaft oder die Zeugen Jehovas, die letztmals 1975 die Schlacht um Harmagedon vorhersagten. Trotz der Fehlberechnungen gelang es diesen Gruppen ihre Anhänger an sich zu binden.

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Protestanten und ihr Verhältnis zur politischen Obrigkeit

Martin Luther schuf mit seiner neuen Lehre ein völlig anderes Verhältnis zwischen Staat und Kirche, zwischen Christ und Gesellschaft. Negative politische Entwicklungen der Neuzeit werden deshalb oftmals den Kirchen der Reformation zur Last gelegt. Andererseits kann man das moderne protestantische Synodalsystem als Vorbote der Demokratisierung betrachten. Die Veränderung der Verhältnisse zwischen Christen und ihrer Obrigkeit im Protestantismus kann in drei Bereichen besonders erkannt werden: im sogenannten Landesherrlichen Kirchenregiment, in der Zwei-Reiche-Lehre und in der Bewertung des gottgeweihten Lebens.
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Protestanten und Katholiken: „Allein die Schrift“ – ein falsches Prinzip?

„Allein die Schrift“ – dies ist ein Haupthindernis in der Verständigung zwischen den Protestanten und den traditionellen Kirchen. Für den Protestantismus ist das Prinzip „Sola scriptura“ schlechthin ein Dogma. Ohne dieses Verständnis führt jedes ökumenisches Gespräch zwangsläufig zu Missverständnissen und früher oder später wird bei theologischen Diskussionen dieses protestantische Denken die Frage aufwerfen: „Wo steht das in der Bibel?“. Wird keine entsprechende Bibelstelle genannt oder widerspricht die Auslegung der Interpretationspraxis seiner Gemeinde, weiß der Protestant, dass der Gesprächspartner unrecht hat. Aufgrund fehlender Schriftbelege  fallen deshalb für einen Protestanten Marien- und Heiligenverehrung, das Papstamt, die Apostolische Sukzession, das Fegefeuer sowie fünf der sieben Sakramente weg. Weiterlesen

Protestanten und Katholiken: Die Rechtfertigungslehre

Zwischen der Kirche und den evangelischen Gemeinschaften ist immer noch ungeklärt, wie die Mitwirkung des Menschen an seiner Erlösung zu verstehen ist. Luther sieht den Menschen durch die Erbsünde von Grund auf verdorben und somit nicht mehr fähig offen das Evangelium anzunehmen, für die katholische Kirche verblieb im Menschen nach dem Sündenfall ein Funken der Sehnsucht nach Gott. Deshalb hat er auch die Möglichkeit einen kleinen Schritt auf Gott zuzugehen. Gott und Mensch können demnach zusammenwirken, damit der Mensch erlöst wird. Gott würdigt auf diese Weise den Menschen. Nach Luther kann der Mensch dazu jedoch nichts beitragen. Augustinus fasste die katholische Rechtfertigungslehre folgendermaßen zusammen: „Gott, der uns ohne uns erschaffen hat, wollte uns nicht ohne uns erlösen“.
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