Christusorte: der Ölberg

In der Apostelgeschichte 1:4-12 wird die Himmelfahrt Christi nach seiner Auferstehung von den Toten am Ölberg verortet. Auf dessen Gipfel gab es schon in alttestamtlicher Zeit ein Heiligtum (2Sam 15:30,32). Es handelte sich um ein Höhenheiligtum, eine der Kulthöhlen, die von den Propheten scharf kritisiert wurden.

Es war die vornehme Römerin Poimenia, die um das Jahr 378 auf dem südlichen Ölberggipfel (808 m ü.d.M.) die erste Kirche erbaute. Im Apsismosaik der Kirche Santa Pudenziana zu Rom, erbaut um 390, wird das Heiligtum auf dem Ölberg abgebildet: Es handelte sich um einen Bau, der in der Mitte zum Himmel offen war. Dies sollte die Worte des Engels veranschaulichen: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor“ (Apg 1:11). Weiterlesen

Christusorte: Emmaus und der hl. Kleopas

Aus Emmaus/Qubeibe stammte lt. der Hl. Schrift Kleopas, den der Auferstandene bei seinem „Emmausgang“ begleitete. Der Gedenktag des hl. Kleopas ist am 25. September. Laut dem römischen Martyrologium wurde er von Juden getötet und in Emmaus beigesetzt. Kleopas war zuvor in der Christengemeinde von Jerusalem und unter den Aposteln kein Unbekannter. Er war nach Eusebius der Bruder des hl. Josef, der Onkel von Jesus. Die Frau von Kleopas hieß Maria und wird an verschiedenen Stellen der Bibel erwähnt, so etwa bei Joh 19:25. Weiterlesen

Christusorte: Der Berg Tabor

Christusorte: Der Berg Tabor

War der Berg Tabor der Ort der Verklärung, die in den Evangelien (Mt 17:1-9; Mk 9:2-10; Lk 9:28-36) beschrieben wurde? Das Ereignis wird dort jedoch ohne konkrete Ortsangabe berichtet. Der Berg Tabor liegt mit einer Höhe von 588 m ca. 8 km Luftlinie südöstlich von Nazareth und zeigt in seiner isolierten Lage weit sichtbar seine markante Form. In Neuhebräisch und im AT wird der Berg har tavor genannt, die Araber nennen ihn Dschebel et-Tur, was einfach „der Berg“ bedeutet. Der Name scheint aus dem Phönizischen zu stammen und bezeichnet eine semitische Gottheit, die bei den Griechen als Zeus Atabyros bekannt ist. In der Septuaginta nennt man den Berg Itaburion, was sich wohl daher ableitet. Die aramäische Übersetzung des AT, die Targumim, nennt den Tabor einfach „hoher Berg“ (tor ram). Weiterlesen

Spurensuche: Sebastia und das Grab Johannes des Täufers

Das heutige Dorf Sebastia liegt außerhalb der ehemaligen römischen Stadt. Inmitten des Dorfes befindet sich die Ruine einer Kathedrale aus der Kreuzfahrerzeit, in der sich ein Heiligtum befindet (arabisch: maqam). Christen wie Moslems verehren hier das Grab Johannes des Täufers, erstere nennen ihn Hanna, letztere Saidna Yahia. Aus christlichen Quellen erfährt man, dass der Täufer in der Nähe der Gebeine der Propheten Elischa und Obadja beigesetzt wurde. Biblische Berichte und der Koran wissen von der Gefangennahme Johannes unter Herodes Antipas. Während seiner Geburtstagsfeier tanzte Salome, die Tochter seiner Gemahlin Herodias, der er versprach ihr alles zu geben, was sie sich wünsche. Sie verlangte den Kopf des Johannes und die Bibel erzählt weiter, dass dessen Jünger ihn beigesetzt haben, aber nicht wo das geschah. Weiterlesen

Dismas – Der rechte Schächer

Dismas – Der rechte Schächer

Der selige Franziskanermärtyrer Engelbert Kolland, der 1860 in Damaskus starb, berichtet in seinem Reisebericht: „Nachdem wir das Dorf, in dem der rechte Schächer Dismas geboren sein soll, passiert hatten, ging es den Gebirgen Judäas zu“. Der angebliche Herkunftsort des guten Schächers beruft sich auf eine örtliche Tradition, der zur Kreuzfahrerzeit „Castrum boni latronis“ hieß, „Ort/Kastell des guten Schächers“. Heute nennt man den Ort Latrun und er liegt 15 km westlich von Jerusalem in der Schefala im Ajalon-Tal. Dort befindet sich das einzige Trappistenkloster im Hl. Land. Oberhalb der Abtei finden sich die Reste einer mittelalterlichen Burganlage, die in der Mitte des 12. Jahrhunderts vom kastilischen Ritter Gonzales de Lara erbaut wurde und danach dem Templerorden übergeben. Die Burganlage nannte man „O Toronum Militium“, „Ritterturm“. Sie wurde später von Saladin zerstört. Weiterlesen

Spurensuche: Gaza

Der Gazastreifen liegt im südlichen Palästina am Mittelmeer und hat eine Länge von 40 Kilometer und eine Breite von 10 Kilometer. Er wird von etwa 1,8 Millionen arabischer Palästinenser bewohnt, die Hälfte davon Jugendliche. Er ist damit eine der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt. Zwei Drittel der Bevölkerung sind Flüchtlinge und ihre Nachkommen, die in den Kriegen von 1948 und 1963 ihre Heimat verlassen mussten. Sie sind auf acht Flüchtlingslager verteilt.

Eine hohe Besiedlungsdichte und das israelische Embargo machen den Gazastreifen zu einem unruhigen Gebiet. Der israelisch-palästinensische Konflikt erschwert die Lebensbedingungen, insbesondere seit die Hamas die Herrschaft in Gaza übernommen hat. Die meisten Menschen verfügen über weniger als zwei Dollar pro Tag, 80% sind auf humanitäre Hilfe internationaler Organisationen angewiesen. Es herrschen Armut und Arbeitslosigkeit, es mangelt an medizinischer Versorgung und es fehlt Trinkwasser. Christen bilden eine Minderheit von etwa 1300 Personen (davon 130 Katholiken) und obwohl sie das gleiche Schicksal mit ihren muslimischen Mitbürgern teilen, werden sie oft wegen ihres Glaubens als Kollaborateure des Westens beschuldigt, benachteiligt und verfolgt. Weiterlesen

Christusorte: Die Grabeskirche in Jerusalem

Am 13. Juni 313 wurde das „Mailänder Edikt“ verkündet, welches das Christentum als „religio licita“ einstufte, als erlaubte Religion, gleichberechtigt neben anderen Religionen. Diese Religionsfreiheit sollte ein Garant für das Wohlergehen des Staates sein, so jedenfalls hofften die römischen Kaiser Licinius und Konstantin. Auch für das Hl. Land war das Mailänder Edikt von Bedeutung, Palästina ist Teil des römischen Weltreichs. Hier wurden Christen bisher vom Staat verfolgt, viele Märtyrer gingen aus dieser Verfolgung hervor. Kaiser Diokletian wütete Anfang des 4. Jahrhunderts besonders grausam gegen Christen auf palästinensischen Boden. Jedoch unterstand das Hl. Land 313 noch nicht Konstantin, sondern seinem Mitkaiser Licinius, der im Osten des Reiches regierte. Als er mit Konstantin in Konflikt geriet, begann Licinius wieder mit Verfolgung und Unterdrückung von Christen. So wurden um das Jahr 320 vierzig christliche Soldaten der Legio Fulminata getötet, weil sie sich den Opfern an heidnischen Gottheiten verweigerten. Weiterlesen

Spurensuche: Lazarus – Der Mann, der zweimal starb

Seit alters her wird in Betanien ein Lazarusgrab verehrt. Der Ort liegt an der Straße von Jerusalem über den Ölberg hin zur Jordansenke. Heute ist dieser Weg durch eine hohe Mauer versperrt, die Israel von Palästina trennt. So ist es in Betanien ruhig geworden, kaum ein Pilger nimmt die Strapazen eines weiten Umwegs in Kauf. Nur die Franziskaner und einige einheimische Christen pilgern jedes Jahr am Passionssonntag nach Betanien.

Betanien war die Heimat von Marta, Maria und Lazarus. Jesus und seine Jünger hielten sich dort gerne zu Besuch auf. Hier ist auch der Ort, wo Jesus ein spektakuläres Wunder wirkte: Die Auferweckung des toten Lazarus (Joh 11:1-45). Auch die Salbung der Füße Jesu durch Maria mit kostbaren Nardenöl (Joh 12:1-8) fand hier statt. An diese Geschehnisse erinnern heute die Lazaruskirche der Franziskaner und das sich in muslimischen Besitz befindliche Lazarusgrab in unmittelbarer Nähe. Von dieser Kirche schreibt schon Eusebius: „Bis jetzt wird noch die Stelle des Lazarus gezeigt …“.   Weiterlesen

Christusorte – Betanien

Seit die Schutzmauer steht, welche Israel von den palästinensischen Gebieten trennt, führt der Weg von Jerusalem nach Jericho nicht mehr über den östlichen Abhang des Ölbergs. Die biblische Heimat von Maria, Marta und Lazarus und dessen Grab ist heute nur mehr über lange Umwege und Grenzkontrollen zu erreichen. Weiterlesen

Christusorte – Nazareth

In Betlehem wurde Jesus geboren, aber seine Heimat war Nazareth. Sein Beiname „der Nazarener“ kann auf seine Herkunft und Heimat hinweisen. Als Erwachsener ist Jesus nicht mehr nach Betlehem zurückgekehrt. Nazareth war damals allerdings nur ein kleiner, unbedeutender Ort in Galiläa und wohl nicht sehr anerkannt, wie der Ausspruch von Nathanael in Joh 1:46 bezeugt: „Aus Nazareth? Kann von dort etwas Gutes kommen?“

Im Alten Testament erfährt man nichts über Nazareth. Auch der jüdische Schriftsteller Josephus Flavius erwähnt es nicht. Aus den synoptischen Evangelien jedoch werden uns zwei Dinge überliefert: Der Ort hatte eine Synagoge, die Jesus am Sabbat besuchte, um aus der Jesaia-Rolle vorzulesen, die sich auf seine Sendung bezog (Lk 4:16-17). Der Standort einer Synagoge in Nazareth lässt dann doch einen etwas größeren Ort vermuten. Und weiter wird überliefert, dass am Rand der Stadt ein Bergabhang lag, über den das zornige Volk Jesus nach seiner Rede hinabstürzen wollte (Lk 4:28-30). Weiterlesen