Guardini: Das Verständnis der Erlösung

Guardini: Das Verständnis der Erlösung

Aus dem Munde Deines Sohnes, o Herr, vernehmen wir die Botschaft der Erlösung. Sie geht nicht aus den Erfahrungen unserer Lebensnot hervor, sondern aus Deinem freien, heiligen Ratschluss. Unser Herz kann auf sie warten, unser Verlangen kann ihr entgegengehen – aber nur, wenn Deine Liebe den ersten Schritt tut; denn schon dass wir auf sie warten und ihr entgegengehen, ist ihr Werk.

So steht es unserem Geiste auch nicht zu, darüber zu urteilen, was von Dir her Erlösung heißt, und wer Du bist, der diese Erlösung vollbringt. Tut er das, dann ist er wie ein Blinder, der über die Dinge des Lichtes redet. Nur wenn uns die Augen dafür aufgehen, wer Du bist, verstehen wir, wie Du erlösen könnest; aber nur aus Deinem heiligen Handeln geht uns das Bild Deines Wesens auf. Weiterlesen

Romano Guardini: Die Klarheit in der religiösen Erfahrung 

Romano Guardini: Die Klarheit in der religiösen Erfahrung 

O Gott, Du trägst alles Seiende über dem Abgrund des Nichts und durchströmst es mit Deiner Macht, so daß es ist, und sich regt, und lebt. Und allen Dingen hast Du einen Funken Deiner Klarheit eingegeben, denn nur von Dir, dem Vater des Lichtes, haben sie ihre Wahrheit und ihren Wert.

Alles ist von Deinem Hauch durchwaltet und von Deinem Geheimnis erfüllt. Jedes Ding weist den Geist des Menschen über sich hinaus zu einem Höheren, als es selbst ist, und läßt sein Herz eine Mächtigkeit ahnen, die nicht aus seinem Eigenen kommt.

Daraus entstehen überall unter den Völkern und im einzelnen Menschen die Bilder und Gedanken vom Göttlichen. Sie enthalten oft einen tiefen Sinn, der das Herz berührt und Heil verheißt, aber auch Verworrenes und Böses, das in die Irre führt.

So bitte ich Dich, öffne mein Herz dem Geheimnis, das sich überall bezeugt; behüte es aber auch vor der Verführung, die von ihm ausgehen kann. Mache mein Gewissen sicher, daß es allezeit das Gute gut nenne, und das Böse bös. Erleuchte meinen Geist, daß er zu unterscheiden vermöge, was zu Dir, dem wahrhaft Heiligen, hinführt, und was von Dir wegführt in Irre und Trug.

Amen.

Romano Guardini: Theologische Gebete; AD1944

Mechthild von Magdeburg: Die Wüste hat 12 Dinge

Mechthild von Magdeburg: Die Wüste hat 12 Dinge

Der 15. August ist der Gedenktag der großen deutschen Mystikerin Mechthild von Magdeburg (1208-1294?). Sie war eine Begine, eine Gemeinschaft, in der Frauen caritative Aufgaben erfüllten, sich aber ebenso selbstbewusst in der Kirche zu theologischen Fragen meldeten und gehört wurden. In ihrem Werk „Das fließende Licht der Gottheit“ fasst sie ihre mystische Gottesschau zusammen. „Die Wüste“ ist in der Tradition der Wüstenväter ab dem späten 3. Jahrhundert (Askese-Gebet-Arbeit) ein Motiv einer Geisteshaltung, welche durch Kontemplation und Meditation durch lassen seiner selbst, der Mystiker Meister Eckhart spricht von Gelassenheit, in Wahrheit, in Freiheit und im Frieden ganz Gott in einem sein und wirken kann. Dabei geht es keinesfalls um eine Flucht aus der Welt, sondern um eine Bereitung zu lieben in der Welt nach dem Willen Gottes. Mechthild definiert diese Wüste folgendenermaßen:

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Zum Kirchweihfest: Hymnen an die Kirche

Die deutsche Schriftstellerin und zur katholischen Kirche konvertierte Gertrud von le Fort verfasste 1924 den Gedichtzyklus „Hymnen an die Kirche“. Dort schreibt sie in VII:

„Wer errettet meine Seele vor den Worten der Menschen?

Sie tönen aus der Ferne wie Posaunen, aber wenn sie nahe kommen, tragen sie nur Schellen.

Sie drängen sich hervor mit Fahnen und Wimpeln, aber wenn der Wind aufsteht, zerflattert ihr Gepränge.

Höret, ihr Lauten und Vermessnen, ihr Wetterflücht’gen des Geistes und ihr Kinder eurer Willkür:

Wir sind verdurstet bei euren Quellen, wir sind verhungert bei eurer Speise, wir sind blind geworden bei euren Lampen!

Ihr seid wie eine Straße, die nie ankommt, ihr seid wie lauter kleine Schritte um euch selber!

Ihr seid wie ein treibendes Gewässer, immer ist in eurem Munde euer eignes Rauschen!

Ihr seid heute eurer Wahrheit Wiege, und morgen seid ihr auch ihr Grab!

Wehe euch, die ihr uns mit Händen greifet: eine Seele kann man nur mit Gott fangen!

Wehe euch, die ihr uns mit Bechern tränket: einer Seele soll man die Ewigkeit geben!

Wehe, die ihr euer eitles Herz lehrt! Ein Priester am Altar hat kein Antlitz, und die Arme, die den Herrn erheben, sind ohne Schmuck noch Staub.

Denn wen Gott reden heißt, den heißt er schweigen, und wen sein Geist entzündet, der erlischt.

VIII

Du allein suchtest meine Seele! Wer will das Recht deiner Treue schmälern?

Meine Seele war wie ein Kind, das man im Verborgnen aussetzt.

Sie war eine Waise an allen Tischen des Lebens und eine Witwe im Arme des Geliebten.

Meine Brüder haben sie verachtet, und meine Schwestern haben ihr fremd getan.

Die Klugen der Welt haben sie verraten.

Wenn sie dürstete, gaben sie ihr Vergängnis, und wenn sie sich ängstigte, sprachen sie: du bist ja gar nicht!

Sie haben sie zu meinem Herzen geschickt, als wäre sie ein Tropfen seines Blutes.

Sie haben sie zu meinem Verstand geschickt, als wäre sie ein Gedanke.

Sie war wie ein Wild in den Wäldern dunkler Triebe und wie ein gescheuchter Vogel im toten All.

Sie war wie eine, die lebenslang stirbt. Du aber hast für sie gebetet, das hat sie errettet.

Du hast für sie geopfert, davon hat sie gezehrt.

Du hast sie wie ein Kleinod beweint, darum jauchzt sie deinen Namen.

Du hast sie wie eine Königin erhoben, darum liegt sie dir zu Füßen.

Wer will das Recht deiner Treue schmälern?“

(Gertrud von le Fort, Hymnen an die Kirche)

Mystik und Asketentum des hl. Franz von Assisi

Mystik und Asketentum des hl. Franz von Assisi

Entsprechend der Zeit, in der er lebte, war Franz ein romantischer Troubadour. Er war der Troubadour Gottes und will man ihm abstrakte Leidenschaften unterstellen, so waren es dennoch leidenschaftliche Leidenschaften. Es gibt Menschen, die sogar Allegorien und Abstraktionen gegenüber wie Liebende empfinden. So sprach Franziskus die Sprache des Troubadours, wenn er sagt, er habe eine wundervolle und höchst gnadenreiche Dame, die Armut sei.

Es ist nicht wahrheitsgetreu, nennt man Franziskus einfach einen romantischen Vorläufer der Renaissance oder eines Wiederauflebens natürlicher Freuden. Für ihn lag das Geheimnis der Zurückgewinnung natürlicher Freuden darin, sie im Lichte der übernatürlichen Freude zu sehen. Diese Freude schenkt eine Offenheit, die Mitmenschen niemals verachten lässt, weder ihre Meinung noch ihre Bewunderung. Weiterlesen

Carlo Mierendorff: Vom Atheist zum Christ

Der deutsche Widerstandskämpfer zur Zeit der Nationalsozialisten schreibt:

„Wissen Sie, als Atheist bin ich in das Konzentrationslager gekommen, und nach dem, was ich dort erlebt habe, verließ ich es als gläubiger Christ. Es ist mir klar geworden, dass ein Volk ohne metaphysische Bindung, ohne Bindung an Gott, weder regiert werden noch auf Dauer blühen kann“.

Der Bayerische Verfassungsgerichtshofs führte deshalb zurecht in einem Urteil aus: „Das Neutralitätsgebot ist nicht das Gebot zur Eliminierung des Religiösen aus dem öffentlichen Bereich zu verstehen“.

Dieses Urteil nimmt den Beginn der Präambel der Bayerischen Verfassung ernst: „Angesichts des Trümmerfelds, zu dem eine Staats- und Gesellschaftsordnung ohne Gott, ohne Gewissen und ohne Achtung vor der Würde des Menschen die Überlebenden des 2. Weltkriegs geführt hat …“

S.D.G.

Gertrud von le Fort: Te Deum

Großer Gott meines Lebens, ich will dir lobsingen
an allen drei Ufern deines einigen Lichts!
Ich will mit meinem Lied ins Meer deiner Herrlichkeit springen:
unterjauchzen will ich in den Wogen deiner Kraft!
 
Du goldener Gott deiner Sterne, du rauschender Gott deiner Stürme,
du flammender Gott deiner feuerspeienden Berge,
Du Gott deiner Ströme und deiner Meere, du Gott aller deiner Tiere,
du Gott deiner Ähren und deiner wilden Rosen;
Ich danke dir, dass du uns erweckt hast, Herr,
ich danke dir bis an die Chöre deiner Engel, Sei gelobt für alles, was da lebt!

Du Gott deines Sohnes, großer Gott deines ewigen Erbarmens,
großer Gott deiner verirrten Menschen,
Du Gott aller, die da leiden,
du Gott aller, die da sterben, brüderlicher Gott auf unsrer dunklen Spur:
Ich danke dir, dass du uns erlöst hast, Herr,
ich danke dir bis an die Chöre deiner Engel, Sei gelobt für unsre Seligkeit!

Du Gott deines Geistes, flutender Gott in deinen Tiefen von Liebe zu Liebe,
Brausender bis hinab in meine Seele,
Wehender durch alle meine Räume,
Zündender durch alle meine Herzen,
Heil’ger Schöpfer deiner neuen Erde:
Ich danke dir, dass ich dir danke, Herr,
ich danke dir bis an die Chöre deiner Engel:

Gott meiner Psalmen, Gott meiner Harfen,
großer Gott meiner Orgeln und Posaunen,
Ich will dir lobsingen an allen drei Ufern deines einigen Lichts!
Ich will mit meinem Lied ins Meer deiner Herrlichkeit springen:
unterjauchzen will ich in den Wogen deiner Kraft!

Dismas – Der rechte Schächer

Dismas – Der rechte Schächer

Der selige Franziskanermärtyrer Engelbert Kolland, der 1860 in Damaskus starb, berichtet in seinem Reisebericht: „Nachdem wir das Dorf, in dem der rechte Schächer Dismas geboren sein soll, passiert hatten, ging es den Gebirgen Judäas zu“. Der angebliche Herkunftsort des guten Schächers beruft sich auf eine örtliche Tradition, der zur Kreuzfahrerzeit „Castrum boni latronis“ hieß, „Ort/Kastell des guten Schächers“. Heute nennt man den Ort Latrun und er liegt 15 km westlich von Jerusalem in der Schefala im Ajalon-Tal. Dort befindet sich das einzige Trappistenkloster im Hl. Land. Oberhalb der Abtei finden sich die Reste einer mittelalterlichen Burganlage, die in der Mitte des 12. Jahrhunderts vom kastilischen Ritter Gonzales de Lara erbaut wurde und danach dem Templerorden übergeben. Die Burganlage nannte man „O Toronum Militium“, „Ritterturm“. Sie wurde später von Saladin zerstört. Weiterlesen