Christusorte: Die Grabeskirche in Jerusalem

Am 13. Juni 313 wurde das „Mailänder Edikt“ verkündet, welches das Christentum als „religio licita“ einstufte, als erlaubte Religion, gleichberechtigt neben anderen Religionen. Diese Religionsfreiheit sollte ein Garant für das Wohlergehen des Staates sein, so jedenfalls hofften die römischen Kaiser Licinius und Konstantin. Auch für das Hl. Land war das Mailänder Edikt von Bedeutung, Palästina ist Teil des römischen Weltreichs. Hier wurden Christen bisher vom Staat verfolgt, viele Märtyrer gingen aus dieser Verfolgung hervor. Kaiser Diokletian wütete Anfang des 4. Jahrhunderts besonders grausam gegen Christen auf palästinensischen Boden. Jedoch unterstand das Hl. Land 313 noch nicht Konstantin, sondern seinem Mitkaiser Licinius, der im Osten des Reiches regierte. Als er mit Konstantin in Konflikt geriet, begann Licinius wieder mit Verfolgung und Unterdrückung von Christen. So wurden um das Jahr 320 vierzig christliche Soldaten der Legio Fulminata getötet, weil sie sich den Opfern an heidnischen Gottheiten verweigerten. Weiterlesen

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Christusorte – Nazareth

In Betlehem wurde Jesus geboren, aber seine Heimat war Nazareth. Sein Beiname „der Nazarener“ kann auf seine Herkunft und Heimat hinweisen. Als Erwachsener ist Jesus nicht mehr nach Betlehem zurückgekehrt. Nazareth war damals allerdings nur ein kleiner, unbedeutender Ort in Galiläa und wohl nicht sehr anerkannt, wie der Ausspruch von Nathanael in Joh 1:46 bezeugt: „Aus Nazareth? Kann von dort etwas Gutes kommen?“

Im Alten Testament erfährt man nichts über Nazareth. Auch der jüdische Schriftsteller Josephus Flavius erwähnt es nicht. Aus den synoptischen Evangelien jedoch werden uns zwei Dinge überliefert: Der Ort hatte eine Synagoge, die Jesus am Sabbat besuchte, um aus der Jesaia-Rolle vorzulesen, die sich auf seine Sendung bezog (Lk 4:16-17). Der Standort einer Synagoge in Nazareth lässt dann doch einen etwas größeren Ort vermuten. Und weiter wird überliefert, dass am Rand der Stadt ein Bergabhang lag, über den das zornige Volk Jesus nach seiner Rede hinabstürzen wollte (Lk 4:28-30). Weiterlesen

Der Klosterort Bet Jamal

Meine Rubrik „Spurensuche“ im Hl. Land führt uns an den Fuß der judäischen Bergkette zum 30 km von Jerusalem entfernt liegenden christlichen Ort Bet Jamal. Dort befindet sich 377 m ü. M. das Landgut der Salesianer auf einem Bergrücken. Der Konvent mit angeschlossenem landwirtschaftlichem Betrieb wurde 1868 gegründet. Später kam auch noch eine landwirtschaftliche Schule hinzu, die bis in die Achtzigerjahre Bestand hatte. Am Eingang des Geländes ist ein Geschäft, welches das einheimische Olivenöl und die verschiedenen Weine aus Cremisan, ein Weinbaubetrieb der Salesianer in der Nähe von Betlehem, angeboten werden. Neben den landwirtschaftlichen Tätigkeiten und der Berufsausbildung Jugendlicher kümmern sich die Salesianerbrüder auch um die Aufzeichnung von Wetterdaten in einer 1919 eingerichteten meteorologischen Station, die erste des jetzigen Staates Israel. Weiterlesen

Christi Himmelfahrt – und jetzt? Vom dreifachen Advent

Mit der Geburt des Herrn Jesus Christus, seiner Menschwerdung, erfahren wir das Heil. Diese Erfahrung ist nicht etwas, was sich in der Vergangenheit zugetragen, es ist eine Erfahrung des „Heute“, der Gegenwart, des neuen Augenblicks. Das Kommen des Herrn kennen wir in zweifacher Form: Als erstes in der Ankunft in Demut, als kleines Kind in der Krippe, welches unser Retter ist, der in Schwachheit verschied und durch seine lebendige Himmelfahrt als Auferstandener siegte sowie als zweites in der Wiederkunft des Königs und Richters Jesus Christus in Herrlichkeit am Ende aller Zeiten. Und in der Zeit dazwischen? Sind wir Christen nach der Himmelfahrt des Herrn denn verlassen, nur auf „stand-by“? Bernhard von Clairvaux spricht hier von einer weiteren Ankunft Jesu. Er nennt sie den „mittleren Advent“, es ist die „Gottesgeburt im Menschen“.

Dieses mittlere Kommen des Herrn, der „mittlere Advent“, ist keine Erfindung des hl. Bernhard. Es wird bestätigt durch Jesu Wort in Joh 14:23: „Jesus antwortete ihm: »Wenn einer mich liebt, wird er mein Wort bewahren, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen …“. Es ist eine wunderbare Verheißung: der Vater und der Sohn nehmen im „heute“ in uns Menschen Wohnung, weil wir die göttliche Liebe in uns tragen, eine Liebe, die uns zuvor geschenkt ist. Weiterlesen

Die christliche und muslimische Maria

Im Koran wird die Mutter des Propheten Jesus als vollkommenste Frau dargestellt, die je lebte. Diese hohe Achtung vor Maria verbindet in Palästina und dem Libanon Christen und Muslime. Man erfährt im Koran sogar weitaus mehr von Maria, als in der Hl. Schrift. Nur Maria wird im Koran mit ihrem Namen genannt, alle anderen Frauen werden nur als Mutter, Schwester oder Gattin erwähnt. Jesus (Aissa) gilt im Koran nur als Prophet und nicht als Messias.

Zwei ganze Suren im Koran (3 und 19) sind Maria gewidmet. Dort erfährt man von ihrer Geburt, den ersten Lebensjahren und dann von der Verkündigung durch den Engel Gabriel sowie der jungfräulichen Geburt ihres Sohnes. Man erkennt dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Hl. Schrift, doch Maria ist zweifelsohne jene Gestalt, in der sich Islam und Christentum begegnen können. Sie beweist, dass Gott oder Allah in jeden Menschen wirkt und er das göttliche Geheimnis erspüren kann. Weiterlesen

Die Milchgrotte in Betlehem

Südlich vom Zentralplatz in Betlehem aus tritt man in einen kleinen Vorhof und vor eine barockisierte Fassade einer Kirche des Jahres 1935. Sie ist über der Milchgrotte, arabisch Magharet es Sitti Mariam, am Rande eines Ostabhangs gebaut. Hier soll sich die Gottesmutter vor den Gerichtsdienern des Herodes in Sicherheit gebracht haben, wie eine Legende aus dem 6. Jahrhundert erzählt. Diese wurde bald mit Details aus dem Matthäusevangelium ausgeschmückt. So soll hier der Ort gewesen sein, wo Joseph vom Engel im nächtlichen Traum von der Gefahr erfahren hat, die dem göttlichen Kind drohte, und den Auftrag erhalten haben nach Ägypten zu fliehen. Joseph drängte die gerade stillende Maria zur Eile und dabei fielen ein paar Tropfen ihrer Muttermilch auf den Boden. Sogleich färbte dieser sich vom üblichen rot des hiesigen Gesteins in strahlendes weiß. Der Felsen nahm nun heilende Eigenschaften an und vermochte jeden Müttern Milch zu geben, die ihr Kind nicht stillen konnten. Dieser Volksglaube wurde 850 vom Pilger Perdicca aus Ephesus bezeugt. Weiterlesen

Eine „neue“ palästinensische Heilige: Marie Alphonsine Danil Ghattas

Papst Franziskus hat am 17. Mai 2015 vier Ordensfrauen heiliggesprochen. Zwei von ihnen stammten aus Palästina: Die Ordensgründerin sowie Mystikerin Marie Alphonsine Danil Ghattas und Mariam Baouardy (über sie berichtete ich bereits ausführlich). Die über 2000 Pilger aus dem hl. Land zu der Feierlichkeit bezeugen die große Bedeutung dieser Palästinenserinnen für die Christen dort. Selbst der muslimische Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas nahm am Gottesdienst auf dem Petersplatz in Rom teil. In einer Privataudienz forderte Papst Franziskus Mahmut Abbas auf: „Sei Du ein Friedensengel“ und schenkte ihm eine Medaille, auf der ein Friedensengel abgebildet ist.

Marie Alphonsine Danil Ghattas wurde am 4. Oktober 1843 im christlichen Viertel der Altstadt von Jerusalem geboren. Ihre Eltern waren Palästinenser. Marie besuchte in Jerusalem die katholische Schule, die von den „Schwestern des Hl. Joseph von der Erscheinung“ gegründet wurde. Es zeigte sich schnell ihre große Intelligenz und sie galt als eine der besten Schülerinnen. Noch in jungen Jahren trat sie als erste Schwester mit arabischer Muttersprache in den katholischen Orden der Schwestern des Hl. Josephs ein. Im Jahr 1860 legte sie in der Grabeskirche in Jerusalem ihr Ordensgelübde ab. Weiterlesen