Sonntag – der erste Tag der Woche

Sonntag – der erste Tag der Woche

Im neuen Testament wird mehrfach im Zusammenhang mit der Auferstehung Jesu ein Ausdruck verwendet, der als „erster Tag der Woche“ übersetzt wird, was sachlich korrekt ist. Die griechischen Formulierungen sind jedoch bemerkenswert, so dass sie näher betrachtet werden sollten. Weiterlesen

Geschichtliches zum jüdischen Kalender und das Todesjahr Jesu

Geschichtliches zum jüdischen Kalender und das Todesjahr Jesu

Im NT gibt es zahlreiche allgemeine Angaben, welche das Todesjahr Jesu eingrenzen könnten. Ebenso eine Datumsangabe: Jesus wurde an einem Pascha-Fest, das auf einem Freitag fiel (lt. den Synoptikern) gekreuzigt oder am Tag davor, ebenfalls an einem Freitag nach Johannes. Allgemeine Eingrenzungen des Todesjahrs bieten auch die Amtszeit des Pontius Pilatus, der Beginn der Tätigkeit Johannes des Täufers, die Altersangabe Jesu zu Beginn seiner öffentlichen Wirksamkeit, die 46-jährige Bauzeit des Tempels sowie die Bekehrung des Paulus. Doch ein präzises Jahr lässt sich daraus auch nicht ableiten, zumal die ersten und letzten Amtsjahre des Pilatus unwahrscheinlich sind. Weiterlesen

Der Name Gottes

Der Name Gottes

Das eigentlich unverständliche Wort „Jahwe“ wird allgemein auf die Wortwurzel Haja, Sein, zurückgeführt. Doch man darf dies auch in Frage stellen, denn die Etymologie eines Wortes ist im AT immer eine theologische, nicht eine philologische. Der Gedanke des Seins als Deutung Gottes bringt gleichzeitig immer ein Gottesbild mit sich. Hier taucht der Gott der Philosophen auf, der sich gegen den Gott der Religionen richtet. Der Glaube wird mit Ontologie vermählt. Die Gleichheit des Gottes der Philosophen mit dem Gott des Glaubens verkehrt jedoch den biblischen Gottesgedanken. Anstelle des Namens wird der Begriff gesetzt, anstelle des Nicht-zu-Definierenden tritt nun eine Definition. Der Gott der Philosophen genügt demnach nicht, so wie sie ihn definieren und denken. Weiterlesen

Paulus führt Griechen in den Tempel!

Im Kapitel 21 der biblischen Apostelgeschichte erfahren wir von der Verhaftung des Paulus im Tempel. Zwei architektonische Elemente des herodianischen Tempels werden dabei erwähnt. Die Werke von Flavius Josephus und die Mischna bestätigen diese ebenso, wie archäologische Funde im 19. Jahrhundert und im frühen 20. Jahrhundert. Paulus beendete seine 3. Missionsreise und kam zu Pfingsten 56 oder 58 nach Jerusalem. Er lieferte dabei eine Kollekte ab, die unter den Christen in Mazedonien durchgeführt wurde. Dabei begleiteten ihn Männer aus der Provinz Asien, unter denen auch Trophinus war, ein Repräsentant der Gemeinde in Ephesus. Weiterlesen

Grundaussagen und Traditionsschichten der Tora

Die ersten 11 Kapitel der Genesis sind keine historischen sowie naturwissenschaftliche Berichte oder Reportagen, sondern viel mehr, nämlich theologische Grundaussagen, die sich auch im rabbinischen Schriftverständnis finden.
Die christlichen Grundaussagen sind in groben Zügen: Weiterlesen

… dass dem Schöpfer nicht sein Geschöpf fehle

Es liegt an uns, dass dem Schöpfer nicht sein Geschöpf fehle, dass dem Ganzen nicht ein Teil fehle, dass dem Ewigen nicht das Vergängliche fehle, wenn er all seine Schafe zählt, es kann seiner Liebe fehlen, es kann seine Hoffnung Lügen strafen.

Charles Péguy, kath. frz. Schriftsteller

 

Im jüdischen Talmud werden die Gedanken des Menschen als erstes und wichtigstes Mittel betrachtet, um zu verhindern, dass dem Schöpfer nicht sein Geschöpf fehle:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Worten.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Der Talmud
Die hebräische Mischna

Die hebräische Mischna

Der Talmud, eine mehrbändige Sammlung der nachbiblischen religiösen Gesetzgebung der Juden, besteht aus zwei Textsammlungen: Der hebräische Mischna und der aramäische Gemara. Die Gemara enthält die Diskussionen und Erklärungen der späteren jüdischen Gelehrten der Mischna, den Amoräern. Der Talmud löst die Tora als Gegenstand traditionellen jüdischen Lernens ab, ganz nach dem Weisheitsspruch: „Die Schrift ist endlich, aber die Auslegung ist unendlich“. Für Christen ist jedoch die Mischna interessant, weil sie neben der Sammlung religiöser Texte auch wertvolle Informationen über Leben und Glauben des jüdischen Volkes zur Zeit Jesu und der frühen Kirche beinhaltet.

In Bezug auf die Mischna sind die Soferim die ältesten Traditionsvermittler. Der sofer (Schreiber, Plural soferim) ist im AT ursprünglich ein schriftkundiger Beamter, ein Gelehrter und Kenner des Gesetzes. In der hellenistischen Zeit wandte sich ein Teil der höheren Priesterschaft der griechischen Kultur zu und Traditionen wurden vernachlässigt. Die Soferim stellten sich dabei dieser Entwicklung entgegen. Sie wurden zu den Hütern der Tora und lösten die Priester ab, womit sie sich folgerichtig auch zu Lehrern des Volkes etablierten und das religiöse Leben kontrollierten. Während der Zeit des NT war diese Entwicklung schon abgeschlossen. Hier werden die Führer des Volkes bereits als grammateis (Schriftgelehrte) bezeichnet, es entspricht dem hebräischen soferim. Flavius Josephus nennt sie „Ausleger des Gesetzes“ (Ant XVII 6.2; XVIII 3.5). In der Mischna jedoch wird der Ausdruck sofer nur für Gelehrte und Autoritäten der früheren Zeit benützt.
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War Jesus Analphabet?

Die Einwohner Nazareths staunten über die Weisheit des Herrn, sagten aber abschätzig von ihm, er sei nur der Sohn des Zimmermanns. Damals war ein Zimmermann nicht das, was er heute ist. Jesus ging bei Josef in die Lehre und hat einfache Handwerkerarbeit erlernt. Dazu gehörte sicherlich auch das Anfertigen von Gebäudeteilen als Baumeister. Die sich gerade im Aufbau befindliche nahe Stadt Sepphoris wird ausreichend Arbeitsaufträge geliefert haben. Sieht man auf den Bildungsstand einfacher Handwerker in Mitteleuropa vor wenigen Generationen, so ist es nicht selbstverständlich, dass Jesus lesen und schreiben konnte. Was sagen die Evangelien darüber aus? Weiterlesen

Christusorte: Sepphoris

Ganz in der Nähe von Nazareth, dem Wohnort von Jesus, liegt Sepphoris im Unterland von Galiläa, am Rande des Beit-Netofa-Tals. In der Hl. Schrift findet sich die Stadt nicht, doch könnte sie eine große Rolle während der „verborgenen Jahre“ Jesu gespielt haben. Sepphoris lag damals an zwei wichtigen Verkehrswegen: an der Via Maris, eine nach Nordosten laufende Verbindung, und an der Straße zwischen dem See Gennesaret und der Hafenstadt Ptolemais (Akko) am Mittelmeer. Schon der Talmud rühmt das Umland der Stadt als sehr fruchtbar. Auf Hebräisch heißt die Stadt „tzippori“, d. h. „Vogel“, weil sie auf einen Berg liegt, wie ein Vogel auf einen Ast sitzt. Die griechische Form des Namens lautet Sepphoris, die vor allen der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus benützt. Weiterlesen

Welche Sprache(n) spricht Jesus?

Alle Quellen, die über Jesus berichten, sind in griechisch verfasst, müssen deshalb ursprünglich aber nicht in griechisch geschrieben worden sein. Nur wenige Worte Jesu sind im originalen Wortlaut erhalten. So „Abba“ oder „Eli, Eli, lema sabachtani“. Das Hl. Land war zur Zeit Jesu mehrsprachig (siehe Inschrift des Pilatus an Jesu Kreuz). Man sprach aramäisch, hebräisch, griechisch und lateinisch. Die meisten Bewohner sprachen tatsächlich mehrere Sprachen, wenn auch unterschiedlich gut und in verschiedenen Situationen. Es gab verschiedene Bevölkerungsgruppen und Religionen und diese ethnischen und religiösen Unterschiede spiegelten sich auch in der Sprache wider. Der bedeutende Teil der Bevölkerung waren Juden, aber auch jene waren sprachlich nicht einheitlich. Das Hl. Land gehörte damals zum Römischen Reich, die Sprache der herrschenden Klasse, der Verwaltung, war die der Osthälfte des Römischen Reiches: griechisch. Lateinisch war die Sprache des Zentrums, Rom, die vor allem im zentralisierten Militär wichtig war. Als Unruheherd hatte in der Provinz Palästina das Militär und damit Latein einen höheren Stellenwert. Welche Sprache(n) spricht Jesus also? Hier ein kleiner Überblick und vielleicht eine Antwort auf diese Frage:

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