Die Apotheke der Franziskaner in Jerusalem

Es war das Jahr 1342, als Papst Clemens VI. die Franziskaner damit beauftragte die Heiligen Stätten im Hl. Land zu betreuen. Doch bereits 1335 entstand in Jerusalem das erste Pilgerhospiz, das Einheimischen und Pilgern Gastfreundschaft und Hilfe anbot. Zunächst funktionierte das Hospiz meist sehr gut, jedoch ab Mitte des 15. Jahrhunderts rissen die Pilgerströme aufgrund muslimischer Repressalien immer wieder ab, so dass das Hospiz bald nicht mehr seine Aufgaben erfüllen konnte. Nun waren die Franziskaner darum bemüht für die Nöte der Bevölkerung eine Lösung zu finden. Ihr Kloster Sankt Salvator besaß eine Apotheke und eine Krankenabteilung, welches in einem Haus untergebracht war, das auch für Pilger offen stand. Jeder Bedürftige konnte sich in der Apotheke mit medizinischen Kräutern versorgen. Die mangelnde medizinische Versorgung der Stadtbewohner, egal welcher Religion er angehörte, glichen die Brüder ebenso aus. Weiterlesen

Steckbrief: Roger Bacon

Steckbrief: Roger Bacon

Der englische Philosoph wurde nicht vor 1214 in Ilchester geboren. Er war Franziskaner und studierte in Oxford und Paris. Bekannt wurde er vor allen durch seine naturwissenschaftlichen Experimente, bei denen er die empirische Methode einführte. Später vollzog er auch magische und okkulte Praktiken und beschäftigte sich mit Astronomie und Astrologie, was im Widerspruch zur christlichen Lehre stand. Weiterlesen

Steckbrief: Johannes Duns Scotus

Steckbrief: Johannes Duns Scotus

Am 8. November ist der gebotene katholische Gedenktag für Johannes Duns Scotus. Der Schotte wurde 1270 geboren und war Franziskaner. Er studierte in Oxford und kam 1307 nach Köln, wo er ein Jahr später starb. Er kam zu der Erkenntnis, dass Philosophie und Theologie sich mit zwei völlig unterschiedlichen Bereichen beschäftigen. Die Philosophie betrachtet die natürlichen Bereiche, die Theologie die übernatürlichen Bereiche. Mit wissenschaftlichen Methoden kann deshalb in der Theologie nicht gearbeitet werden. Man kann sogar behaupten, dass die Theologie keine Wissenschaft ist. Damit verloren für Johannes die Philosophie und die Theologie ihre Bindung, die im gesamten Mittelalter Bestand hatte. Weiterlesen

Spurensuche: Lazarus – Der Mann, der zweimal starb

Seit alters her wird in Betanien ein Lazarusgrab verehrt. Der Ort liegt an der Straße von Jerusalem über den Ölberg hin zur Jordansenke. Heute ist dieser Weg durch eine hohe Mauer versperrt, die Israel von Palästina trennt. So ist es in Betanien ruhig geworden, kaum ein Pilger nimmt die Strapazen eines weiten Umwegs in Kauf. Nur die Franziskaner und einige einheimische Christen pilgern jedes Jahr am Passionssonntag nach Betanien.

Betanien war die Heimat von Marta, Maria und Lazarus. Jesus und seine Jünger hielten sich dort gerne zu Besuch auf. Hier ist auch der Ort, wo Jesus ein spektakuläres Wunder wirkte: Die Auferweckung des toten Lazarus (Joh 11:1-45). Auch die Salbung der Füße Jesu durch Maria mit kostbaren Nardenöl (Joh 12:1-8) fand hier statt. An diese Geschehnisse erinnern heute die Lazaruskirche der Franziskaner und das sich in muslimischen Besitz befindliche Lazarusgrab in unmittelbarer Nähe. Von dieser Kirche schreibt schon Eusebius: „Bis jetzt wird noch die Stelle des Lazarus gezeigt …“.   Weiterlesen

Christusorte – Betanien

Seit die Schutzmauer steht, welche Israel von den palästinensischen Gebieten trennt, führt der Weg von Jerusalem nach Jericho nicht mehr über den östlichen Abhang des Ölbergs. Die biblische Heimat von Maria, Marta und Lazarus und dessen Grab ist heute nur mehr über lange Umwege und Grenzkontrollen zu erreichen. Weiterlesen

Christusorte – Nazareth

In Betlehem wurde Jesus geboren, aber seine Heimat war Nazareth. Sein Beiname „der Nazarener“ kann auf seine Herkunft und Heimat hinweisen. Als Erwachsener ist Jesus nicht mehr nach Betlehem zurückgekehrt. Nazareth war damals allerdings nur ein kleiner, unbedeutender Ort in Galiläa und wohl nicht sehr anerkannt, wie der Ausspruch von Nathanael in Joh 1:46 bezeugt: „Aus Nazareth? Kann von dort etwas Gutes kommen?“

Im Alten Testament erfährt man nichts über Nazareth. Auch der jüdische Schriftsteller Josephus Flavius erwähnt es nicht. Aus den synoptischen Evangelien jedoch werden uns zwei Dinge überliefert: Der Ort hatte eine Synagoge, die Jesus am Sabbat besuchte, um aus der Jesaia-Rolle vorzulesen, die sich auf seine Sendung bezog (Lk 4:16-17). Der Standort einer Synagoge in Nazareth lässt dann doch einen etwas größeren Ort vermuten. Und weiter wird überliefert, dass am Rand der Stadt ein Bergabhang lag, über den das zornige Volk Jesus nach seiner Rede hinabstürzen wollte (Lk 4:28-30). Weiterlesen

Update: Die Lage in Aleppo

Nur wenige Menschen sind in der eingekesselten Stadt geblieben, es sind meist jene, die nicht fliehen konnten und jene, die ihnen helfen und dienen. Darunter sind auch die Franziskaner unter Bischof Georges Abou Khazan, Pfarrer Ibrahim al Sabagh, Pater Firas Lutfi und noch einige andere Brüder. Sie leben seit Juni 2016 eigentlich in einer bereits toten Stadt. Diese lässt nur die Liebe noch lebendig bleiben. Weite Teile der einst blühenden Großstadt liegen in Trümmern.  90 % der ausharrenden Familien leben unterhalb der Armutsgrenze, 80 % sind ohne Arbeit. Es fehlt an Wasser und aufgrund der hohen Preise können sich die Menschen nicht mehr ausreichend gut ernähren. Weiterlesen

Steckbrief: Der hl. Bonaventura

Der Heilige wurde 1217 geboren und absolvierte ein Studium an der Sorbonne in Paris. Er trat dem Franziskanerorden bei und wurde Theologieprofessor in Paris. Später wählte man ihn zum General seines Ordens und er erlangte die Kardinalswürde. Er nahm am 2. Konzil von Lyon teil, starb aber gleich zu Anfang im Jahr 1274.

In seiner Einschätzung der Philosophie betrachtet Bonaventura die menschliche Erkenntnis wegen des Sündenfalls als unzulänglich, weshalb der Mensch niemals die letzten Wahrheiten erfassen kann. Seine kritische Haltung zur Philosophie begründet er auch damit, dass sie oft zu Hochmut führt. Die Philosophie kann ihre Aufgabe nur erfüllen, wenn sie sich der Theologie unterordnet und alle Aussagen von Gott her betrachtet. Die letzten Wahrheiten können nur von Gott kommen, womit die Philosophie zur Dienerin der Theologie wird. Ohne diese Unterordnung wird sie sonst zur Ideologie.

Der hl. Bonaventura versuchte die Erkenntnisfrage zu beantworten. Er nennt zwei Bereiche: Weiterlesen

Update: Die Franziskaner in Syrien

Nachdem am Weihnachtstag 2015 der Franziskanerpater Dhiya Azziz von syrischen Rebellen entführt wurde, konnte er am 4. Januar wieder befreit werden. Allerdings musste er als Forderung der Rebellen das Land verlassen. In einer Umfrage der Kustodie unter den Brüdern wurde beschlossen, weiterhin in den Dörfern am Orontes zu bleiben, so lange es dort Pfarrkinder gibt (etwa 400 Christen in 3 Dörfern). Es meldete sich auch Bruder Louay Bhsarat freiwillig für den gefährlichen Dienst in Yacoubieh. Die drei Dörfer im Orontestal liegen im Gebiet von „gemäßigten“ Rebellen. Gemäßigt jedoch nur im Vergleich mit dem islamischen Staat. Auch im Rebellengebiet ist es Nicht-Moslems verboten, Besitz zu haben oder religiöse Symbole zu zeigen. Es sind weder Kreuze noch Statuen erlaubt, auch kein Wein für die Messfeier.

Der Kustos der Franziskaner, P. Pizzaballa, begründete den Entschluss im Orontestal präsent zu bleiben folgendermaßen: „Die Kustodie hat nie Orte und ihre Bevölkerung aufgegeben, die die Kirche ihrer Sorge anvertraut hat, auch nicht in Zeiten der Gefahr … Ein Hirte verlässt seine Herde nicht und fragt nicht, ob sie zahlreich sind oder wenige. Für den Hirten sind alle Schafe wichtig und er liebt sie alle gleich … Unsere Dörfer im Orontestal sind die einzige christliche Präsenz in dem Gebiet, das von Rebellen kontrolliert wird. Diese sind zu einer Art Symbol für alle Christen Syriens geworden. Wenn sie in ihren Dörfern bleiben, so geben sie allen anderen ein Zeichen von Stärke und Mut … Wir sind hier im hl. Land für Christus da und für Seine Kirche, und aus keinem anderen Grund … Wenn wir uns von diesen Dörfern zurückziehen, würde das bedeuten, dass wir den Sinn unserer Sendung verfehlten … Ich lade sie alle ein für ihn (Bruder Louay Bhasarat), für seine Pfarrkinder, für alle Brüder, die in Syrien tätig sind und für die gesamte Bevölkerung zu beten.“ Weiterlesen

Spurensuche – Der Abendmahlsaal

In Mk 14:12-15 lesen wir: Am ersten Tag der Ungesäuerten Brote, da man das Paschalamm schlachtete, sagten seine Jünger zu ihm: »Wo willst du, daß wir hingehen und für dich das Essen des Paschamahles bereiten?« Er schickte zwei seiner Jünger weg und sagte zu ihnen: «Geht in die Stadt und es wird euch einer begegnen, der einen Wasserkrug trägt; dem folgt, und wo er hineingeht, da sagt zu dem Herrn des Hauses: Der Meister läßt sagen: Wo ist meine Herberge, darin ich das Pascha esse mit meinen Jüngern? Er wird euch ein großes Obergemach zeigen, das, mit Polstern versehen, bereitsteht. Dort bereitet es für uns!« Über die Lage dieses Hauses sprechen die Evangelien nicht zu uns. Dies kann aber auch dafür sprechen, dass dieses Haus in der Zeit der Evangelisten allen bekannt war. Ebenso muss Jesus dem Besitzer des Saales bekannt gewesen sein, dahin weist die Selbstverständlichkeit der Anfrage. Wir erfahren also nur die Tatsache, dass der Abendmahlsaal ein Raum im Obergeschoss war, was auf eine begüterte Familie als Besitzer hinweist.

Auch nach Jesu Tod kann es nur dieses Obergemach gewesen sein, wo sich die Jünger „am Abend des ersten Tages der Woche“ versammelten und wo Thomas seine Finger in die Seite des Herrn legen durfte. Der Evangelist Lukas lokalisiert wie selbstverständlich in seiner Apostelgeschichte das feste Zuhause der Apostel nach der Himmelfahrt des Herrn im Obergemach (Apg 1:12-14). So wird dieses Obergemach zum Ort des Letzten Abendmahls sowie zum Versammlungsort der Christen in Jerusalem, die erste Urkirche. Letztlich geschah hier auch das Pfingstereignis, als sich der Hl. Geist mit Feuerzungen auf die Versammelten niederließ. Weiterlesen