Selfie-Journalismus

In einem Artikel eines Nachrichtenmagazins las ich kürzlich einen mit Adjektiven überladenen Bericht, der mehr wie ein Krimiauszug wirkte, als eine seriöse Nachricht. Null Information, nur eine Wolke romanhafter Atmosphäre, die den Rechtsextremisten, um den es ging, was aber in diesem Zusammenhang egal ist, umhüllte. Und mitten drin ein wackerer und tapferer Detektiv: der Verfasser des Artikels.

Zunehmend erkenne ich, dass journalistische Berichte wie Fiktionen verfasst werden und Romane immer öfter persönliche Erfahrungsberichte sind. Hier ist ein Doppeltrend zu beobachten, wenn sowohl journalistische Berichterstattung als auch imaginäre Charaktere an Glaubwürdigkeit verlieren. Stattdessen stellt sich der Verfasser in den Mittelpunkt. Nun werden nicht mehr Fakten von Kriegsschauplätzen berichtet, sondern man erfährt, wie sich der Reporter gerade fühlt, wie er bei Recherchen durch dunkle Korridore wandert oder welche Meinung sein Jüngster vor dem Fernseher am Abend zu Hause zu diesen oder jenen Thema hatte. Dort, wo früher in einer Reportage stand: „Es ist kalt“, erfährt man nun vom Journalisten: „Ich friere“.
Weiterlesen

Feindesliebe und Dreieinigkeit

Seinen Feind zu lieben ist Jesu Forderung in der Bergpredigt. Das ist kein Gefühl, sondern eine Entscheidung. Es ist auch die Entscheidung die wunderbare Erkenntnis der Dreieinigkeit praktisch im Leben umzusetzen. Gerade die Dreieinigkeit lässt die wahre Tiefe der Liebe Gottes erst recht erahnen, weil Gott in sich Beziehung ist. Auch Gott liebte uns bereits, als wir noch seine Feinde waren (Rö 5:10). Diese Liebe fordert nicht vom anderen, dass er etwas besitzt, das ich lieben könnte, sondern sie ist eine Quelle, die zum anderen strömt.
Ja, man muss nicht einmal selbst lieben. Man kann Jesus in sich den Feind lieben lassen. Man kann aus der Quelle, die Jesus ist, trinken (Joh 4:10) und sich so stärken den Feind zu lieben, auch wenn die Gefühle dagegen sprechen.
Jesus sagt: Nehmt mein Joch auf euch und lernt an mir, wie ich von Herzen sanft und voll Demut bin. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen“ (Mt 11:29; GB). Gütig sein und demütig, das ist das Wesen des Sohnes Gottes und damit von Gott. Diese Ruhe unserer Seele ist der Frieden, den Jesus uns geben will (Joh 14:27). Es ist die Kraft verzeihen zu können. Das Innerste der Dreieinigkeit wirkt sodann durch den Herrn Jesus Christus in uns im Leben besonders eindrücklich.

der emmauspilger

S.D.G.

Thomas von Aquin. Über Erkenntnis, Anthropologie, Ethik, Moral und Kunst

Der Dominikanermönch Thomas war in Köln Schüler von Albertus Magnus (siehe meinen Beitrag) und lebte von 1224 bis 1274. Der Mönch galt als schweigsam und war recht beleibt. Sein Charakter wird als gütig, demütig, rein und sensibel beschrieben. Er ist einer der bedeutendsten philosophischen Vertreter der spätmittelalterlichen Scholastik und dennoch sagte er an seinem Lebensende: „Alles, worüber ich nachsann ist Stroh gegenüber der Größe Gottes“. Er entwickelte ein umfassendes und ausgewogenes System des christlichen Lebens und etablierte einen dauernden Maßstab. Alle seine Lehren der Theologie und Philosophie stellt er auf den Boden der Heiligkeit. Hier der erste Teil einer kurzen Zusammenfassung seiner umfangreichen Lehren. Weiterlesen

Wie Gott die Schöpfung liebt

Gott hat allein die Welt erschaffen. In ihr ist seine Überfülle und seine Liebe angelegt. So ist die Welt groß und kostbar vor Gott.

Gott hat gewollt, dass die Welt nicht nur ist, sondern dass sie in lebendigem Bewusstsein ersteht. Die Welt als seine Schöpfung soll erkannt sein, nicht nur von Gott, sondern vom Geschöpf selbst. So hat er den Menschen erschaffen und ihm die Fähigkeit gegeben Dinge anzuschauen und ihr Wesen zu verstehen. Sie sollen die Gesetze begreifen, nach denen die Schöpfung gebaut sind und das Geschehen, welches sich aus deren Wirken ergibt. Die Dinge tauchen dadurch im Geist des Menschen auf, sie werden noch einmal geschaffen, nun in der Form der Wahrheit. Und Gott wollte noch mehr: Weiterlesen

„Sagt Dank bei allem“. Aber warum und wie?

Ich lese in der Hl. Schrift bei Paulus (1Thess 5:18): „Sagt Dank bei allem! Denn das ist Gottes Wille in Christus Jesus für euch.“ Nun gibt es Unglücke, Situationen, Menschen, bei denen sich alles in mir sträubt Gott dafür zu danken. Anderseits spricht Gott in der Hl. Schrift klar davon, dass Dankbarkeit für alles sogar Gottes Wille für mich ist. Und wenn ich das Vaterunser bete: „Dein Wille geschehe“, dann würde ich lügen, wenn ich undankbar bin. Warum und wie soll also diese Dankbarkeit in allem funktionieren? Hier ein paar Gedanken dazu: Weiterlesen

Wenn Agnostiker beten und glauben wollen

Ich las in einer Zeitung den Artikel eines Agnostikers, der plötzlich das innere Bedürfnis verspürte, beten zu müssen. Doch wie und zu wem, war seine Frage. Die Sehnsucht zu dieser Hinwendung an jemanden oder etwas, das über ihn hinaus weist, war so präsent, dass es ihn durch die Straßen der Stadt trieb auf der Suche nach einem Ort und einer Form zur Befriedigung seines Bedürfnisses. Erst jetzt fiel ihm auf, dass es überall Religion in dieser Stadt gab, Kreuze über Hauseingänge, Kirchen, Moscheen. Es gab also Menschen, die einen Weg kennen diese Sehnsucht zu befriedigen. Der Agnostiker kannte und wusste, was Leid, was Liebe ist, aber was ist und wie geht Gebet und Glaube? Weiterlesen

Basics: Warum und wie Vergebung?

Die einfachste Antwort auf das Warum lautet: Weil es Beziehungen aufrecht erhält. Als Christ ersehne ich mir eine gute Beziehung zu Gott, meinen Nächsten und zu mir selbst. Gelingt mir dies nicht ausreichend, dann verändert dies zwar nicht meine Position Christ zu sein, aber meine Beziehungen. Wer sich in der Ehe streitet, ist ja in dieser Zeit plötzlich nicht mehr verheiratet, aber die Beziehung zum Partner ist gestört. Da sich also meine Position als Christ nicht ändert, ist es mir darum möglich, all die Gnaden anzunehmen, die Jesus mir gerade in der Vergebung schenken will. Er ist die Kraft in mir, er ist die Liebe in mir, er verbrennt den Stolz in mir, weil auch er der Vergebende ist. Jedoch, wenn es nur so einfach wäre. „Du weißt ja nicht, was der mir alles angetan hat! Und dem soll ich vergeben?“ So denkt man manchmal und das ist zutiefst menschlich.

Wenn aber der Herr die Vergebung als Pflicht eines Christen verkündet, dann muss sie wichtig sein, dann muss sie mir zum Guten gereichen, dann muss sie mich dem Herrn näher bringen und damit seinem Reich Gottes der Liebe in Frieden und Freiheit. Deshalb ist das Ausmaß der Vergebung gewaltig, wie der Herr sie uns in Mt 5:43-46 aufträgt: Sie hat keine Grenzen! „Ihr habt gehört, dass gesagt wurde: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde [, tut Gutes denen, die euch hassen,] und betet für sie, die euch verfolgen [und verleumden], auf dass ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“. Weiterlesen