„Allezeit habt ihr die Armen bei Euch“. Betrachtung zu Mt 26:6-16.

Der Kontext darf nicht übersehen werden, um allzu einseitige Auslegung, etwa einer Sozialcharta oder eines Gottesstaats auf Erden, zu vermeiden. Im Kontext verweist das Ereignis darauf hin, dass ehrfürchtiger Glaube und Liebe, wie der Frau, etwas Stürmisches, Überschwängliches, ja Unpraktisches hat. Liebe fragt nicht nach Grenzen. Sie kümmert sich nicht um Gedanken und Worte von Menschen. Hingabe ruft nach Ganzheit. Krämerisches Rechnen und Zählen ist dem Herrn gegenüber unwürdig.

Im Gespräch mit den Jüngern wird der Kleingeist von uns Menschen offenbar. Man misst ihn am eigenen Maßstab und zeigt Unverständnis, wenn das Große nicht in den kleinen Kopf und das kleine Herz passt. So gibt es Menschen, die Nächte durchbeten können, große Summen geben und andere finden es übertrieben. Dabei treibt vielleicht deren Großzügigkeit und Opferbereitschaft nur das Wissen um die eigene Sündhaftigkeit an, die einen selbst noch fehlt. Spießer können die Größe der Liebe nur schwer verstehen. Es ist für sie Verschwendung. So etwa auch die Kathedralen und goldenen Kelche in den Kirchen. Weiterlesen

Steckbrief: Teresa von Avila, Lehrerin der Mystik

Am 15. Oktober ist der gebotene Gedenktag der hl. Teresa von Avila. Im Jahr 1970 verlieh Papst Paul VI. der großen Lehrerin der Mystik den Titel einer Kirchenlehrerin, und dies als erste Frau. Jedoch für ihre eigene Ordensleitung und den weltlichen Behörden zu ihrer Zeit war sie ein großes Ärgernis. Es war der päpstliche Nuntius Felipe Sega, der sie sogar ein „herumvagabundierendes Weib“ nannte. Heute gilt Teresa von Avila als große Mystikerin und Schriftstellerin des Christentums und Reformerin ihres Ordens. Weiterlesen

Protestanten und ihr Verhältnis zur politischen Obrigkeit

Martin Luther schuf mit seiner neuen Lehre ein völlig anderes Verhältnis zwischen Staat und Kirche, zwischen Christ und Gesellschaft. Negative politische Entwicklungen der Neuzeit werden deshalb oftmals den Kirchen der Reformation zur Last gelegt. Andererseits kann man das moderne protestantische Synodalsystem als Vorbote der Demokratisierung betrachten. Die Veränderung der Verhältnisse zwischen Christen und ihrer Obrigkeit im Protestantismus kann in drei Bereichen besonders erkannt werden: im sogenannten Landesherrlichen Kirchenregiment, in der Zwei-Reiche-Lehre und in der Bewertung des gottgeweihten Lebens.
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Eine „neue“ palästinensische Heilige: Marie Alphonsine Danil Ghattas

Papst Franziskus hat am 17. Mai 2015 vier Ordensfrauen heiliggesprochen. Zwei von ihnen stammten aus Palästina: Die Ordensgründerin sowie Mystikerin Marie Alphonsine Danil Ghattas und Mariam Baouardy (über sie berichtete ich bereits ausführlich). Die über 2000 Pilger aus dem hl. Land zu der Feierlichkeit bezeugen die große Bedeutung dieser Palästinenserinnen für die Christen dort. Selbst der muslimische Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas nahm am Gottesdienst auf dem Petersplatz in Rom teil. In einer Privataudienz forderte Papst Franziskus Mahmut Abbas auf: „Sei Du ein Friedensengel“ und schenkte ihm eine Medaille, auf der ein Friedensengel abgebildet ist.

Marie Alphonsine Danil Ghattas wurde am 4. Oktober 1843 im christlichen Viertel der Altstadt von Jerusalem geboren. Ihre Eltern waren Palästinenser. Marie besuchte in Jerusalem die katholische Schule, die von den „Schwestern des Hl. Joseph von der Erscheinung“ gegründet wurde. Es zeigte sich schnell ihre große Intelligenz und sie galt als eine der besten Schülerinnen. Noch in jungen Jahren trat sie als erste Schwester mit arabischer Muttersprache in den katholischen Orden der Schwestern des Hl. Josephs ein. Im Jahr 1860 legte sie in der Grabeskirche in Jerusalem ihr Ordensgelübde ab. Weiterlesen

Kleine Vita von Mariam Baouardy, die hl. Mirjam von Abellin. 1/3

Die palästinensische Heilige, „die kleine Araberin“, wie sie oft liebevoll genannt wird, wurde in Galiläa geboren, in der Ortschaft Abellin (Iblin/Cheffa-Amar). Das Dorf liegt auf derselben Hügelkette wie Nazareth (25 km entfernt). Von Abellin aus kann man auf das Karmelgebiet und bis zum Mittelmeer blicken. Am 26. August ist ihr Heiligenfest, weshalb ich bis dahin eine kleine Vita von ihr in drei Teile veröffentliche.

Die Familie Baouardy stammte aus dem Libanon. Mirjam’s Vater Georg wuchs bereits in Horfesch bei Akko, also in Galiläa auf. Er heiratete seine Frau Mirjam und beide waren arabische Christen, die dem melkitischen Ritus (griechisch-katholisch und mit Rom uniert) angehörten. Georg war Handwerker und Pulvermüller, seine Frau Mirjam eine vorbildliche Gattin und Mutter, beider Frömmigkeit war schlicht und tief. Zwölf Knaben hatte Mirjam bereits das Leben geschenkt, aber alle starben unmittelbar nach der Geburt. Ihre Sehnsucht nach einem Kind ließ das Ehepaar nach Betlehem pilgern, um vor der Krippe des Herrn um ein Kind zu bitten. Dafür wollten sie es als Dankbarkeit Maria weihen und ihm ihren Namen geben. Die Bitte wurde erhört und am 5. Januar 1846 kam Mirjam auf die Welt. Sie wurde zehn Tage darauf in der Georgskirche von Abellin getauft und gleich gefirmt, wie der orientalische Ritus es vorsah. Weiterlesen

Mariam Baouardy, „Die neue Heilige“

Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon

Quelle: Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon

Mirjam von Abellin, Mariam Baouardy, ist „die Neue“ unter den Heiligen. Die kleine Araberin, wie sie manchmal auch genannt wird, ist eine palästinensische Heilige. Sie wurde 1846 in Abellin geboren, einem kleinen Ort in der Nähe von Nazareth, und starb in Betlehem. Die christlich-arabischen Eltern verlor Mariam sehr früh uns so wuchs sie als Waise bei Verwandten auf, die sie zu einer Hochzeit zwingen wollten. Doch Mariam stellte sich gegen diese Zwangsverheiratung, sie wollte Ordensfrau werden. Bei einem Zwischenfall wurde sie so schwer verletzt, dass sie eigentlich hätte sterben müssen, doch die Gottesmutter Maria heilte sie auf wunderbare Weise. Weiterlesen

Steckbrief: Die Franziskaner im Libanon

Papst Benedikt XVI. besuchte vom 14. bis 16.09.2012 den Libanon. Das Land hatte vor dem syrischen Bürgerkrieg 4,5 Millionen Einwohner, dann kamen etwa 1 Million Flüchtlinge hinzu. Der christliche Bevölkerungsanteil beträgt 41% bei absteigender Tendenz. Zum einen, weil Christen während des libanesischen Bürgerkriegs 1975-1990 aus dem Land flohen, zum anderen, weil die Geburtenrate bei den Muslimen höher ist. Christen sind jedoch in der Regierung des Landes stark vertreten und haben keinerlei Nachteile. Das Staatsoberhaupt muss immer ein maronitischer Christ, der Parlamentspräsident ein muslimischer Schiit und der Regierungschef ein muslimischer Sunnit sein. Der Oberbefehlshaber der Armee ist ein griechisch-orthodoxer Christ.

Ein erheblicher Anteil der Kirchengeschichte des Libanon gebührt dem Franziskanerorden. Er wirkte dort bereits seit Mitte des 13. Jahrhunderts in den Konventen von Saida, Tyrus und Tripolis. 1255 fand dort das Kapitel der Kustodie des Hl. Landes statt. Die Geschichte des Apostolates des Ordens begann auf dem Gebiet der Seelsorge für europäische Seeleute, Händler und Diplomaten. Von den zahlreichen Pfarreien verblieben heute Tyrus und Deir Mimas an der israelischen Grenze, die von den Franziskanern betreut werden. Diese Gemeinden bestehen nur mehr aus einigen Familien, meist Emigranten.

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