Eine Analyse des „Gutmenschen“

Es gab einmal eine Zeit, in der ein guter Mensch geschätzt wurde, weil er gutes tat. Heute jedoch wird der Begriff Gutmensch eher abschätzig verwendet. Wie konnte das geschehen? Ist gutes in der postmodernen Epoche des Relativismus und Positivismus nicht mehr gut? Schuld daran ist wohl, man muss es wieder aussprechen, der Strukturverlust des christlichen Weltbilds. Der Gutmensch ist heute der äußere Typus der mehrheitlichen Seelenlage vieler Menschen. Wie ist dieser Menschentyp zu definieren? Weiterlesen

Glauben – so tun als ob

Für die Wüstenväter ist Glauben kein Fürwahrhalten von Dogmen und Glaubenssätzen, sondern in erster Linie so-tun-als-ob. Wenn die Mönche sich ein Wort der Hl. Schrift immer wieder vorsagen, um negativen Gedanken ein positives Schriftwort entgegen zu setzen, so glauben sie, dass dieses Wort Wort Gottes ist, dass es die Wirklichkeit beschreibt, wie sie ist, dass es bewirkt, was es ausdrückt. Wenn etwa ein depressiver Gedanke einfällt, dem entgegnet wird: „Ist also einer in Christus, ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, ein Neues ist geworden.“ (2Kor 5:17), so glaubt man, dass dies auf einen konkret zutrifft, dass man wirklich in Christus neu geworden ist. Man spürt es zwar noch nicht, man weiß es nicht gewiss, man hofft und vertraut, dass es stimmt. In diesem Vertrauen tut man so, als ob es stimmt. Allein, es nützt nichts, dass man sich das Wort Jesu immer wieder vorsagt, man muss auch danach handeln. Man kann nicht warten, bis man in sich eine Kraft verspürt, bis man sicher weiß, dass man aus sich herausgehen kann. Man muss einfach auf das Wort hin tun, was es besagt.
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Steckbrief: Teresa von Avila, Lehrerin der Mystik

Am 15. Oktober ist der gebotene Gedenktag der hl. Teresa von Avila. Im Jahr 1970 verlieh Papst Paul VI. der großen Lehrerin der Mystik den Titel einer Kirchenlehrerin, und dies als erste Frau. Jedoch für ihre eigene Ordensleitung und den weltlichen Behörden zu ihrer Zeit war sie ein großes Ärgernis. Es war der päpstliche Nuntius Felipe Sega, der sie sogar ein „herumvagabundierendes Weib“ nannte. Heute gilt Teresa von Avila als große Mystikerin und Schriftstellerin des Christentums und Reformerin ihres Ordens. Weiterlesen

Ein Fastenlächeln in der Freude Gottes

In der Bergpredigt mahnt uns der Herr: „Wenn ihr fastet, so schaut nicht finster drein wie die Heuchler; denn diese entstellen ihr Antlitz, damit die Menschen sehen, daß sie fasten“ (Mt 6:16a). Sein Antlitz entstellen bedeutet auch als Ebenbild Gottes dessen Antlitz zu entstellen. Als Kinder Gottes dürfen wir jedoch an der Freude des Herrn teilhaben und diese Freude soll uns Christen stets anzusehen sein, auch, ja gerade in der Fastenzeit. Thomas von Aquin unterscheidet die Freude an Gott von der Freude darüber, dass wir ihn „besitzen und genießen“ dürfen. Doch der ersteren Freude räumt er den Vorrang ein: „So ist denn die Freude keine von der Gottesliebe unterschiedene Tugend, sondern ist Akt oder Wirkung der Gottesliebe“. (1) Es ist also die Gottesliebe, die uns freudig und lächelnd fasten lässt.

Auch ein Heiliger der Ostkirche, Seraphim von Sarow, bestätigt, dass es unsere Gottesliebe ist, welche die Freude Gottes in die Seele einpflanzt. Es ist eine Freude vom Heiligen Geist und im Heiligen Geist, die man wirklich fühlen kann, durch eine Wärme, einen Wohlgeruch und einen tiefen inneren Frieden. „Wenn der Geist Gottes in eine Seele herabsteigt und sie mit Seiner Fülle durchdringt, verspürt sie unaussprechliche Freude, denn Er bringt Freude hervor in allem, was er berührt“. (2) Gerade in der Fastenzeit kann man seine Seele durch Schärfung der Sinne und des Geistes sensibler für die Berührung Gottes gestalten, die Freude hervorruft. Diese Freude in der Berührung durch Gottes Geist lässt uns lächeln.
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„Allein die Liebe zählt“ (hl. Therese von Lisieux)

Therese_von_LisieuxEs geschieht allzu oft, dass ein Christ, aufgrund der göttlichen Inspiration in seiner Wiedergeburt, beginnt seine Tugendakte und kleinen Opfer zu zählen. Tatsächlich mag dies zu Anfang im geistlichen Leben eine hilfreiche Übung sein, jedoch muss der feine Grad beachtet werden, hinter dem es zu einer Leistungsreligion mutiert. Dies ist ein Angriff des bösen Geistes, der ein Kind Gottes in die fleischliche Haltung zurückversetzt, man müsse etwas leisten, um Gottes Liebe erhalten zu können. Doch die Liebe zählt und rechnet nicht. Vollkommenheit wird nicht durch ein „Konto“ voller Tugendakte und Opfer von Gott gewährt, sondern allein anhand des Grades der Liebe, mit denen sie vollführt wurden.

Liebe kann man nicht auf ein Konto einzahlen. Liebe verlangt sofort verschenkt zu werden. Liebe vermehrt sich, wenn man sie hergibt. Jesus Christus spricht in seiner Bergpredigt in Mt 5:3 von den Seligen, die arm im Geiste und doch im Himmelreich sind. Damit sind auch jene gemeint, die nichts sammelten in ihrem vielleicht langen Leben und deshalb am Ende nichts vorzuweisen haben, denn ihre ganzen Werke bestanden darin die Liebe weiterzugeben und andere Seelen damit zu gewinnen. Die Liebe sucht nicht den eigenen Vorteil, sie sucht den Moment an andere verschenkt zu werden. Weiterlesen