Heilig sein – Wie geht das?

In meiner Rubrik „Basics“ stelle Ich die Frage: Heilig sein und werden, wie geht das eigentlich? Zunächst eine Begriffsdefinition: Heilig zu sein bedeutet abgesondert sein von etwas oder jemanden und abgesondert sein für etwas oder jemanden.

Heilig zu sein für Gott verursacht zwei Dinge: Die Gesinnung, die Haltung eines Menschen ändert sich und daraus resultierend ändert sich auch sein Leben. Jeder Christ, der den Herrn in sich aufnimmt und seinen Willen tun will, ist wiedergeboren und heilig, weil er sich absondert von der Welt für Gott. Der Zustand des Menschen, seine Haltung ändert sich, dies ist der Wille Gottes. Paulus bestätigt es im Hebräerbrief (10:10): „In diesem Willen sind wir geheiligt durch das Opfer des Leibes Jesu Christi ein für allemal.“ Doch allein dieser Gesinnungswandel vollendet nicht die Heiligkeit des Menschen. Es muss der Lebenswandel folgen, wie Petrus erklärt (1Petr 1:14-15): „Gestaltet als gehorsame Kinder euer Leben nicht mehr nach den Gelüsten wie in eurer früheren Unwissenheit, sondern seid gemäß eurer Berufung durch den Heiligen auch selber heilig in all eurem Wandel.“ 

Der moderne Mensch sieht seine Heiligkeit in der Kirche oftmals darin, dass er glücklich ist, geliebt wird, dazu gehört und durch den Glauben psychologische Hilfe oder Entscheidungshilfen in jeder Lebenslage erhält. Jedoch dieser Weg ist falsch, denn das eigene Wohl steht im Mittelpunkt und nicht Gott. Als Christ erhält man durch die Gnade Gottes kein leichteres Leben, aber ein erfülltes. Gott ist keine Segensmaschine und des Menschen letztes Ziel ist nicht Glück und Gesundheit, sondern seine Heiligkeit, die Gemeinschaft mit Gott in Ewigkeit.

Die Kirchenlehrerin Therese von Lisieux drückt es so aus: „… ich habe verstanden, dass man, um eine Heilige zu werden, viel leiden, stets das Vollkommenere anstreben und sich selbst vergessen muss. Ich sah ein, dass es viele Grade der Vollkommenheit gibt, und dass jede Seele frei ist, den Angeboten des Herrn zu entsprechen, wenig oder viel für ihn zu tun, kurz unter den Opfern, die er verlangt, zu wählen. Da rief ich aus … : Mein Gott, ich wähle alles! Ich will keine halbe Heilige sein, mir bangt nicht davor für dich zu leiden; nur eines fürchte ich, meinen Willen zu behalten; nimm ihn, denn ich wähle alles, was du willst.“ (SS 23)

So darf die Lösung eines Problems nicht wichtiger werden, als Gott, denn in Gott liegt ja gerade die Lösung. Der Weg, einem anstehenden Leid auszuweichen, mag oft der bequemere sein, aber ist dies nicht der Wille Gottes, führt er geradewegs in noch größeres Leid und in größere Probleme. Petrus schritt über das Wasser, so lange er auf den Herrn blickte. Als er aber seine Aufmerksamkeit in Furcht den Wellen und dem starken Wind zu wandte, seinem Problem, ging er unter (Mt 14:29-30): „Jesus sagte: »Komm!« Und Petrus stieg aus dem Schiff, ging über das Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, fürchtete er sich, und da er anfing zu sinken, rief er: »Herr, hilf mir!«

Aber Petrus tat auch dann wieder das einzig richtige in einer Situation der Furcht, der Gefahr, des Kleinglaubens: Er sieht seine Unfähigkeit allein etwas tun zu können und seinen einzigen Retter, mit dem alles gelingen kann, Jesus, den er um Hilfe bittet. Wer seine Probleme stets allein lösen will, ist unheilig. Heilig zu sein bedeutet nämlich ebenso Gott kennen lernen zu wollen und den eigenen Willen Gott gleich zu machen. So wird der geheiligte Leib zum Werkzeug Gottes. Paulus weist uns den Weg dazu (Rö 12:1-2): „Ich ermahne euch nun, Brüder, um der Erbarmungen Gottes willen: Bringt eure Leiber dar als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, als euren sinnvoll entsprechenden Gottesdienst. Macht euch nicht die Art dieser Welt zu eigen, sondern wandelt euch um durch Erneuerung eures Denkens, um zu prüfen, was der Wille Gottes ist, was gut, wohlgefällig und vollkommen.“

Ein Christ wandelt durch seine Heiligkeit sein Denken und kann so erkennen, prüfen, was Gottes Wille für ihn ist: gut, wohlgefällig und vollkommen. So kann der Mensch getrost in allen Lebenslagen seinen eigenen Willen Gott überantworten, damit dessen Wille geschehe; das ist Glaube, das ist unbedingtes Vertrauen in Gott! Damit erfüllt ein Christ auch die Vaterunser-Bitte und das Reich Gottes auf Erden bricht an. Gott ist immer gut, weil er gut ist. Daher ist Gott auch gut, wenn es mir schlecht geht, denn Gott wirkt gerade im Elend und schenkt neues Leben, so auch geistiger Art. Der Psalmist hat dies erkannt (Ps 119:50): „Dies ist mein Trost in meinem Elend, daß deine Verheißung mich belebt.“ Und im Leid hilft Gott aus dem Leid, durch sein Wort (Ps 119:67): „Bevor ich mich beugte, ging ich irre; doch jetzt beobachte ich dein Wort.“

Dem Leid gibt Gott oftmals einen Sinn, den man zu Anfang nicht erkennt. Durch das Leid kann der Mensch seine Bestimmung, die Heiligkeit, oft schneller erreichen, siehe Ps 119:71,75: „Es war gut für mich, daß ich gebeugt wurde, damit ich deine Satzungen lernte. Ich weiß, Herr, daß gerecht deine Urteile sind und daß du mit Recht mich beugtest.“ Christen geht es nicht immer gut oder sogar besser als Nichtchristen. Gott ist nicht allein dazu da ihre Bedürfnisse zu erfüllen oder ihre Nöte zu lösen. In der Heiligkeit eines Christen jedoch liegt die Chance eines erfüllten Lebens in allen Lebenssituationen, weil sie Gott erkennen möchten und all seine Gnaden zulassen in ihrem Leben. Und schließlich bedeutet heilig sein zu wollen, sich schön zu machen als Braut für den Bräutigam, Jesus Christus, der in Ewigkeit Gemeinschaft haben will mit jeder von ihm geschaffenen und deshalb wertvollen Seele.

Damit dieses „sich heilig machen“ aber nicht zu einer Leistungsreligion führt, einem ständigen „tun müssen“, das aufgrund der eigenen Unzulänglichkeit vielleicht irgendwann zur Entmutigung führt, gibt uns abschließend erneut die kleine Kirchenlehrerin Therese von Lisieux einen wichtigen Gedanken auf den Weg: „Ich hege immer noch dasselbe Vertrauen, eine große Heilige zu werden, denn ich zähle nicht auf meine Verdienste, da ich gar keine besitze, sondern hoffe auf Den, der die Tugend, die Heiligkeit selbst ist. Er allein, der sich mit meinem schwachen Bemühen begnügt, wird mich bis zu sich erheben, wird mich heilig machen, indem er mich mit seinen unendlichen Verdiensten bedeckt.“ (SS 66)

 

der emmauspilger

S.D.G.

Ein Kommentar zu “Heilig sein – Wie geht das?

  1. „Petrus schritt über das Wasser, so lange er auf den Herrn blickte. Als er aber seine Aufmerksamkeit in Furcht den Wellen und dem starken Wind zu wandte, seinem Problem, ging er unter (Mt 14:29-30): „Jesus sagte: »Komm!« Und Petrus stieg aus dem Schiff, ging über das Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, fürchtete er sich, und da er anfing zu sinken, rief er: »Herr, hilf mir!«“

    Das ist eine meiner Lieblingsszenen, ein sehr tiefes und wahres Bild, welches auf zahllosen Ebenen betrachtet werden kann.

    Gefällt 1 Person

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