Der Klosterort Bet Jamal

Meine Rubrik „Spurensuche“ im Hl. Land führt uns an den Fuß der judäischen Bergkette zum 30 km von Jerusalem entfernt liegenden christlichen Ort Bet Jamal. Dort befindet sich 377 m ü. M. das Landgut der Salesianer auf einem Bergrücken. Der Konvent mit angeschlossenem landwirtschaftlichem Betrieb wurde 1868 gegründet. Später kam auch noch eine landwirtschaftliche Schule hinzu, die bis in die Achtzigerjahre Bestand hatte. Am Eingang des Geländes ist ein Geschäft, welches das einheimische Olivenöl und die verschiedenen Weine aus Cremisan, ein Weinbaubetrieb der Salesianer in der Nähe von Betlehem, angeboten werden. Neben den landwirtschaftlichen Tätigkeiten und der Berufsausbildung Jugendlicher kümmern sich die Salesianerbrüder auch um die Aufzeichnung von Wetterdaten in einer 1919 eingerichteten meteorologischen Station, die erste des jetzigen Staates Israel.

Im nördlichen Teil des Geländes kamen 1916 bei Bauarbeiten Reste einer byzantinischen Kirche zu Tage. Unter der Kirche stieß man zudem auf zwei Gräber. Die Ausgräber verbanden diesen Fund mit dem Grab des hl. Märtyrers Stephanus. Im Ortsnamen „bet-el-schemal“ erkannten sie einen Anklang an das „Kefar-Gamala“, von dem der Priester Lukian spricht, als er als Augenzeuge der Überführung der Gebeine des hl. Stefan beiwohnte. Dies geschah am 26. Dezember 415 von Kefar-Gamala nach dem 12 Meilen (30 km) entfernten Jerusalem (Revelatio Sancti Stephani). Es gibt aber auch nördlich von Jerusalem einen Ort Dschemmala, der für sich in Anspruch nimmt dieses Kefar-Gemala zu sein. So gibt es momentan keine letzte Sicherheit für ein Grab des hl. Stefan in Bet Jamal. Allerdings bietet die kleine Kirche über den Ausgrabungen mit ihren Fresken einen geeigneten Ort, um an den Erzmärtyrer zu gedenken.

Bet Jamal ist ein beliebter Ausflugsort von Israelis geworden. Im Sommer treffen zahlreiche christliche Pfadfinder- und Jugendgruppen ein, die hier ihre „Sommer-Camps“ abhalten. Noch bedeutender wurde der Ort durch die beiden benachbarten Klöster. Hier sind die „Ordensfamilie von Betlehem, der Aufnahme Mariens und des heiligen Bruno“ (Betlehemschwestern und Betlehembrüder) in einem Männer- und Frauenkloster beheimatet. Der relativ neue Orden wurde 1951 in Frankreich gegründet. Im deutschsprachigen Raum ist er in Waldkappel im Bistum Fulda und in Sankt Veit/Pongau im Erzbistum Salzburg ansässig. Die Gemeinschaft ist geprägt durch Schweigen, Gebet, Handarbeit und eremitisches Leben in der Tradition des Kartäuserordens.

Die Niederlassung der Schwestern in Bet Jamal wurde 1980 gegründet, weitere sind in Galiläa, Deir Rafat und auf Zypern. Die 40 Schwestern sind eine zurückgezogene, kontemplative Gemeinschaft und nur drei „Ausgehschwestern“ ermöglichen einen Kontakt mit Besuchern in einem kleinen Geschäft neben der Klosterpforte. Im Eingangsbereich des Klosters kann man in einem Film Facetten des strengen Klosterlebens kennenlernen. Im Geschäft werden äußerst kunstvolle Erzeugnisse der Schwestern angeboten, so auch Keramik. Alles ist hier Handarbeit und die Motive lehnen sich sorgfältig an philistäische Vorbilder an. Denn man befindet sich hier am Rand der Schefala und die ehemaligen Städte der Philister Gat und Ekron sind nur wenige Kilometer entfernt. Zum Verkauf werden zudem noch Kleinmöbel, Seifen, Figuren, Konfitüren oder Ikonen ausgestellt, natürlich alles aus eigener Herstellung. Die Verkaufserlöse dienen dem Unterhalt der Gemeinschaft. Die Kirche selbst wurde 1980 erbaut und ist schlicht und einfach ausgeführt. Von einer Empore aus kann den eindrucksvollen Gottesdiensten beigewohnt werden, in denen ostkirchliche Traditionselemente aufgenommen wurden, weshalb sie ziemlich lange dauern.

Auf dem benachbarten Hügel steht das 1988 für den männlichen Zweig erbaute Kloster. Die wenigen Besucher treffen eine erholsame Stille an. Hier sind weder ein Geschäft noch eine eindrucksvolle Kirche anzutreffen. Allerdings findet man hier eine Möglichkeit zu einem „Kloster auf Zeit“, in der man am einsamen Leben der Mönche teilnehmen kann und die Begegnung mit Gott suchen. Doch von „Klosterromantik“ ist keine Spur, denn die meisten Zellen und Einsiedeleien sind lediglich Container. Aus Stein bestehen nur eine kleine Kapelle und der Kapitelsaal samt „Parlatorium“, das Sprechzimmer. Von den einst 20 Brüdern sind heute nur mehr 5 ansässig, die anderen wurden zur Verstärkung in weitere Konvente versetzt. Die „Brüder von Bet Jamal“, wie sie im Hl. Land genannt werden, sind bekannt für ihre Osterkerzen aus echten Wachs, die sie selbst ziehen und verzieren, und ihren Weihrauch sowie Metallarbeiten. Im Jahr 2013 kam Bet Jamal in die Schlagzeilen, weil ultra-orthodoxe Juden das Kloster schändeten. Neben Schmierereien an den Wänden wurde auch eine Brandbombe in das Atrium der Kirche geworfen.

 

der emmauspilger

S.D.G.

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