Update: Die Franziskaner in Syrien

Nachdem am Weihnachtstag 2015 der Franziskanerpater Dhiya Azziz von syrischen Rebellen entführt wurde, konnte er am 4. Januar wieder befreit werden. Allerdings musste er als Forderung der Rebellen das Land verlassen. In einer Umfrage der Kustodie unter den Brüdern wurde beschlossen, weiterhin in den Dörfern am Orontes zu bleiben, so lange es dort Pfarrkinder gibt (etwa 400 Christen in 3 Dörfern). Es meldete sich auch Bruder Louay Bhsarat freiwillig für den gefährlichen Dienst in Yacoubieh. Die drei Dörfer im Orontestal liegen im Gebiet von „gemäßigten“ Rebellen. Gemäßigt jedoch nur im Vergleich mit dem islamischen Staat. Auch im Rebellengebiet ist es Nicht-Moslems verboten, Besitz zu haben oder religiöse Symbole zu zeigen. Es sind weder Kreuze noch Statuen erlaubt, auch kein Wein für die Messfeier.

Der Kustos der Franziskaner, P. Pizzaballa, begründete den Entschluss im Orontestal präsent zu bleiben folgendermaßen: „Die Kustodie hat nie Orte und ihre Bevölkerung aufgegeben, die die Kirche ihrer Sorge anvertraut hat, auch nicht in Zeiten der Gefahr … Ein Hirte verlässt seine Herde nicht und fragt nicht, ob sie zahlreich sind oder wenige. Für den Hirten sind alle Schafe wichtig und er liebt sie alle gleich … Unsere Dörfer im Orontestal sind die einzige christliche Präsenz in dem Gebiet, das von Rebellen kontrolliert wird. Diese sind zu einer Art Symbol für alle Christen Syriens geworden. Wenn sie in ihren Dörfern bleiben, so geben sie allen anderen ein Zeichen von Stärke und Mut … Wir sind hier im hl. Land für Christus da und für Seine Kirche, und aus keinem anderen Grund … Wenn wir uns von diesen Dörfern zurückziehen, würde das bedeuten, dass wir den Sinn unserer Sendung verfehlten … Ich lade sie alle ein für ihn (Bruder Louay Bhasarat), für seine Pfarrkinder, für alle Brüder, die in Syrien tätig sind und für die gesamte Bevölkerung zu beten.“

P. Pizzaballa erklärte bei einer Tagung in Rom, dass es in Syrien immer noch zwei franziskanische Konvente in Aleppo, drei in Damaskus und einen in Latakia gibt. Es werden drei Pfarreien in Ghassanieh, Yacoubieh und Knayeh in Nordsyrien betreut. Hier einige Zitate aus seiner Rede: „Dieser Krieg … hat nicht nur die Infrastrukturen und den Staat zerstört, sondern auch das Vertrauen zwischen den verschiedenen Gemeinschaften, vor allem zwischen den Christen und der moslemischen Mehrheit“. „Mehr als zwei Drittel aller Syrer leben nicht mehr dort, wo sie vor dem Konflikt gelebt haben. Die Situation ist so dramatisch, dass wir nicht einmal mehr mitteilen, wenn unsere Ordensangehörigen entführt werden. Wir geben es nur dann bekannt, wenn sie auch nach einer Woche noch nicht zurück sind“.

P. Pizzaballa ging in seinem Bericht auch darauf ein, wie sich die islamischen Religionsführer verhalten: „Die islamischen Führer waren sehr schüchtern, wenn es darum ging, das Abscheuliche zu verurteilen, das im Gange ist … (sie sind) äüßerst zurückhaltend, wenn es um die Verbrechen geht, die von islamischen Milizen verübt werden. Es hat einige lobenswerte Ausnahmen gegeben, die hoffen lassen“. Doch bei der großen Mehrzahl herrscht Schweigen. Es wird also eine harte und schwierige Aufgabe sein, den Bruch zwischen Christen und den Moslems wieder zu kitten. Unter den Christen sind nur mehr die Armen geblieben, die keine Mittel besitzen irgendwohin gehen zu können. „Doch fast niemand von ihnen hat seinen Glauben verleugnet. Sie lassen sich Köpfe abschneiden, aber verleugnen nichts“, so P. Pizzaballa.

Die Kustodie der Franziskaner versucht in Syrien auch so etwas wie „Normalität“ zwischen Krieg, Terror und Zerstörung einkehren zu lassen. So fanden zwei Orgelkonzerte in Damaskus statt. Damit soll Hoffnung geweckt werden, denn „Hoffnung nährt sich auch von immateriellen, moralischen und spirituellen Gütern und ist mit der Erfahrung von Schönheit verbunden … Es soll ein Zeichen der Solidarität mit den Christen sein, die im Land bleiben und hier weiter in ihren Kirchen beten und Musik machen.“

Beten wir Christen mit und für die bedrängten Christen in Syrien und aller Welt. Wer die Kustodie der Franziskaner im Hl. Land bei ihrem Dienst für die Christen in Syrien finanziell unterstützen will, kann dies gerne durch eine Spende an den Verein pro Terra Sancta tun. Hier einige Beispiele, wie Spenden vom Verein verwendet werden:

  • mit 30 Euro werden Nahrung, Trinkwasser und Medikamente für Kinder gekauft
  • mit 50 Euro werden Decken für ein Aufnahmezentrum gekauft
  • mit 100 Euro wird das Schulgeld für ein Kind gezahlt, wodurch es von der Straße geholt wird
  • mit 250 Euro wird der Erwerb eines medizinischen Gerätes für das Krankenhaus in Aleppo finanziert oder die Miete für eine Familie.

 

der emmauspilger
S.D.G.

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