Amoris laetitia und das Gesetz der Gradualität

Betrachten wir eine Ideologie als Bestreben, die Logik einer Idee aufrecht zu halten, die keinen Bezug zur Realität besitzt. Gerne wird heute die Kirche als ideologisch bezeichnet, weil sie sich anscheinend der Realität, eigentlich ist damit der Zeitgeist gemeint, nicht zu stellen vermag. Für die Gegner der Kirche ist es deshalb wichtig, die Wahrnehmung der Menschen auf die Realität zu verändern, sie zu bestimmen. Dabei geht es auch um die Deutungshoheit über Definitionen. Hinsichtlich des Familienbegriffs wird darum eine pansexualisierte Kultur vermittelt, welche angeblich die Wirklichkeit abbildet. Aber ist es tatsächlich Wirklichkeit, dass

  • Sex nichts mit der Zeugung von Kindern zu tun hat?
  • zwei Männer, zwei Frauen, ebenso mehrere Männer und mehrere Frauen, auch gemischt, „heiraten“ können, weil die Grundlage einer Ehe allein die gegenseitige Zuneigung ist?
  • jeder, der sich wünscht ein Kind zu haben auch das Recht auf ein Kind hat, weil Wünsche als Grundlage der Rechte angesehen werden?

Die Kirche jedoch vermittelt, dass sich Sexualität auf die Zeugung hin ordnet, damit der Mensch in der Berufung zur Liebe über sich hinausgehen kann, weshalb auch nur zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts tatsächlich Heirat möglich machen. Liebe wird nicht einer menschlich schwankenden Gefühlswelt unterstellt, sondern der Tatsache, dass man zuerst geliebt ist – von Gott. Somit kann sich die Liebe, indem sie sich ihrem Ursprung zuwendet, über die Eigenliebe empor entwickeln. Ebenso lehrt die Kirche, dass die höchste Frucht der ehelichen Liebe zwar das Kind ist, es aber Geschenk bleibt und kein Recht ist, denn als Person kann sich deren Sein nicht auf die Funktion einer Wunscherfüllung anderer beschränken.

Das Familienbild der Kirche wird heute als viel zu idealisiert bezeichnet, kein Mensch könne mehr diesem Ideal gerecht werden. Dieser Blick wird möglich, weil man die Möglichkeit der Sünde und deren Aufarbeitung mit Jesus Christus verleugnet. Deshalb wird der Kirche auch ein romantisches Bild von Liebe vorgeworfen, weil man ausblendet, dass sie auch von falschen Begierden, von einer Schwächung des Willens und der Härte des Herzens aufgrund der Sündhaftigkeit des Menschen spricht. Es wird niemals ein Liebesdienst sein, Handlungen, die uns verletzen oder töten und deshalb von Gott verboten wurden, gut zu heißen, gar zu fördern. Eine legalistische Vorstellung von Moral sieht nur das Verbot und wird danach streben Sittengesetze den menschlichen Fähigkeiten anzupassen, damit Sünde nicht mehr vorkommt. Ein Sittengesetz beinhaltet jedoch das, was für Menschen gut oder schlecht ist in den Handlungen, die sie tun. So liegt in jeder Sünde auch ihre eigene Strafe und in jeder geübten Tugend ihre eigene Belohnung. Die Strafe und Belohnung wird dabei im Menschen wirken, aber auch von Gott oder menschlichen Autoritäten kommen.

Indem man postuliert, dass der Mensch nur schrittweise fähig wird dem moralischen Gesetz zu folgen, führt man das Gesetz der Gradualität ein. Man kann sich demnach den Geboten Gottes gar nicht fügen, weil man dafür noch nicht reif genug ist. Wer also unverheiratet zusammenlebt, ist ohne Sünde, weil er noch nicht reif genug ist diesen Zustand zu ändern. Dabei wird ignoriert, dass durch ein Leben mit Jesus das Bewusstsein des Trennenden hin zu Gott wächst und ebenso die Kraft dies zu verändern. Jeder Moment kann ein Moment weiterer Umkehr sein, die immer tiefer wirkt. Das Gebot Gottes kann nicht graduiert werden und an Menschen oder Situationen angepasst, es bleibt ewig und absolut. Deshalb ist es wichtig jedem Menschen die Möglichkeit zu geben die Stärkungen der Kirche, welche die Liebe des Herrn ist, erfahren zu dürfen, gerade auch durch die Glieder dieser Kirche – den Christen. Nur so kann eine bessere Erkenntnis der Sünde, der Unterscheidung der Geister gelingen.

Hinsichtlich der von Gott eingesetzten und von seiner Kirche verwalteten Sakramente ist aber Vorsicht geboten: Eine Relativierung der moralischen göttlichen Gebote will die Wahrheit gegen die Barmherzigkeit Gottes ausspielen. Dabei können diese Wahrheit und Barmherzigkeit nur gemeinsam existieren. Fehlt die Wahrheit, wird die Sünde verschleiert, fehlt die Barmherzigkeit, wird der Weg zur Wahrheit versperrt. Nur der Hl. Geist findet das Maß, damit im Menschen eine gerechte Einheit entsteht. In Wort und Tat des Herrn wird sie in der Hl. Schrift stets offenbar und ein Priester ist Hilfe, sie in jedem Einzelfall zu finden. Der Mensch kann so das Geliebtsein durch die Wahrheit erfahren.

Dieses Wort wird von der Kirche durch das Petrusamt gelehrt, es ist das Licht, das uns leitet. Gott weiß um unsere Schwächen und er liebt uns trotzdem, ja, vielleicht sogar deswegen, denn wir brauchen ihn jeden Schritt unseres Wegs. Gott holt uns bei jedem Schritt ab, nimmt uns mit. Jeder Augenblick kann zum Neuanfang werden. Alle Schuld ist bereits am Kreuz getilgt, nehmen wir dies nur an; Gott ist schon längst mit uns versöhnt, nehmen wir es nur an, auch in jeder Beichte. Gottes Barmherzigkeit erstrahlt in diesem Licht und es ist keine menschliche Barmherzigkeit, wenn wir dieses Licht dimmen, damit man die Sünde nicht mehr erkennt. Nicht die ewigen und absoluten Gebote hindern uns an einer fruchtbaren, lebendigen Beziehung zum barmherzigen Gott, sondern unser Mangel und Unwillen an Selbsterkenntnis sowie fehlende Demut.

der emmauspilger
S.D.G.

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