„Sagt Dank bei allem“. Aber warum und wie?

Ich lese in der Hl. Schrift bei Paulus (1Thess 5:18): „Sagt Dank bei allem! Denn das ist Gottes Wille in Christus Jesus für euch.“ Nun gibt es Unglücke, Situationen, Menschen, bei denen sich alles in mir sträubt Gott dafür zu danken. Anderseits spricht Gott in der Hl. Schrift klar davon, dass Dankbarkeit für alles sogar Gottes Wille für mich ist. Und wenn ich das Vaterunser bete: „Dein Wille geschehe“, dann würde ich lügen, wenn ich undankbar bin. Warum und wie soll also diese Dankbarkeit in allem funktionieren? Hier ein paar Gedanken dazu:

Betrachtet man das warum, dann entdeckt man, dass man sich zwar für einen Weg entscheiden kann, aber nicht für das Ziel dieses Weges. Entscheide ich mich also stets nur für die Undankbarkeit, dann wird dieses Denken irgendwann zu einer Herzenshaltung, einer Bestimmung, und Zorn und Verbitterung wird mein Leben bestimmen. Unweigerlich wird das Ziel von permanenter Undankbarkeit ein Rückzug von Menschen und von Gott sein, weil man niemanden mehr vertraut. Undankbarkeit ist zutiefst destruktiv. Man trifft also zuerst Entscheidungen, dann aber werden diese Entscheidungen uns formen.

Trifft mich ein Unglück, tritt eine ärgerliche Situation ein und es gelingt mir nicht Gott auch dafür zu danken, dann bedeutet diese Haltung zweierlei: 1. Gott, Du liebst mich nicht, darum passiert mir dies; 2. Gott, Du hast einen Fehler gemacht, darum vertraue ich Dir nicht mehr. Und das ist nichts anderes als Sünde, eine Absonderung von Gott, der Abbruch der Beziehung zu ihm. Dietrich Bonhoeffer jedoch sagt: „Dankbarkeit öffnet den Weg zu Gott“. Undankbarkeit ist also Sünde und gegen den Willen Gottes. Dies mag zwar nun die Antwort auf die Frage nach dem warum sein, aber sie ist eigentlich eher beunruhigend, als hilfreich. Denn zu dem Umstand, dass mein Gefühl mich davon abhält für alles zu danken, kommt nun auch noch die Erkenntnis, dass es zudem Sünde ist.

Doch Gott sei gedankt, denn er spricht auch davon, dass Dankbarkeit in allem Gottes Wille in Jesus Christus ist. Der Herr gibt uns also den Willen zu dieser Dankbarkeit, weil wir selbst es nicht können, wenn wir in ihm sind und er in uns wirkt. Das bedeutet auch, dass kein Christ seinen Zorn und seinen Hader unterdrücken muss, wenn ihm etwas schlimmes geschieht. Als Kinder Gottes können wir unser Leid, unseren Zorn, unsere Verbitterung, unsere Unfähigkeit zu danken dem Herrn entgegenhalten. Ja, wir sollen es sogar nur Gott entgegenhalten, denn er kann mit diesem Zorn, dem Hader und der Verbitterung umgehen, Menschen um uns herum nicht. Jesus Christus hat in seinem Leben all das Unheil, das Leid, die Enttäuschungen als wahrer Mensch ebenso ertragen, er weiß also, von was wir sprechen, wie uns das alles niederdrückt. Aber dann müssen wir ihm dafür danken, zunächst weniger aus dem Gefühl heraus, aber aus unserem Willen, denn er hat alles ans Kreuz getan, womit er uns zeigt, dass aus den schlimmsten Übeln Gott Erlösung, Errettung, Sinn und Gutes wirken kann, auch wenn wir Menschen dies nicht im Leben erkennen.

Jesus Christus in uns und sein Wort in der Hl. Schrift kann unser Denken durch das Danken verändern. Nicht umsonst sind die Wörter denken und danken miteinander verbunden, doch das Denken können wir Menschen nicht selbst leiten. Paulus schreibt in Rö 1:21: „denn obwohl sie Gott erkannten, erwiesen sie ihm nicht als Gott Verehrung und Dank, sondern verfielen in ihren Gedanken auf eitlen Wahn, und verdunkelt wurde ihr einsichtsloses Herz.“ Und in Phil 4:8: „Im übrigen, Brüder, was wahr ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was ansprechend, was es an Tugend und löblichen Dingen gibt, darauf richtet euren Sinn!“. Wer kann schon immer an wahres, ehrbares, gerechtes, reines, liebenswertes, löbliches und ansprechendes denken? Wir Menschen sind Sünder und können dies aus uns heraus nicht tun, wir müssen dies erkennen und anerkennen. Dann können wir umkehren, Buße tun, im Griechischen: Metanoia, das Denken ändern. Das Ändern des Denkens wird Gott in uns durch seinen Lehrer erwirken, den Hl. Geist, der uns Dankbarkeit lehrt. Wenn wir zunächst nur in unserem Willen danken, öffnen wir die Pforten für den Hl. Geist, damit die Liebe Gottes in uns wirken kann. Das Denken wird geleitet, indem man lernt zu danken. Die Dankbarkeit ist das Vertrauen in Gott, dass er es gut mit mir meint. Es ist der kindliche Glaube.

Der biblische Joseph im Alten Testament war eine Gestalt, welche im Leben viel Übles und Unglück widerfahren ist. Joseph wurde von seinen eigenen Brüdern in einen Brunnen geworfen, damit er darin sterbe, dann doch an Sklavenhändler verkauft, in Ägypten zu Unrecht beschuldigt, jahrelang ins Gefängnis gesperrt, bis er dann durch Gott zum zweiten Mann in Ägypten nach dem Pharao aufstieg. Wir können dies im Buch Genesis in den Kapiteln 37-45 nachlesen. Nie wurde Josephs Vertrauen in Gott erschüttert und nach all dem Unglück, das ihm zustieß, sagte er zu seinen Brüdern, als sich alles zum Guten wandelte: „»Kommt näher zu mir heran!« Sie kamen näher. Er sprach: »Ich bin euer Bruder Joseph, den ihr nach Ägypten verkauft habt. Nun aber grämt euch nicht und regt euch nicht auf, daß ihr mich hierher verkauft habt; denn um Leben zu retten, hat Gott mich vor euch hergesandt. Zwei Jahre wütet schon die Hungersnot im Lande, und noch fünf Jahre wird es weder Pflügen noch Ernten geben. Da hat Gott mich vor euch hergesandt, um euch ein Fortbestehen im Lande zu sichern und euer Leben zu erhalten für ein großes Rettungswerk. Nicht ihr habt mich also hierher gesandt, sondern Gott. Er selbst hat mich zum Vater für den Pharao gemacht, zum Herrn über sein ganzes Haus und zum Gebieter über ganz Ägypten“ (Gen 45:4-8). Aus den bösen Taten und dem Unglück vermag also Gott etwas Gutes zu gestalten, manchmal können wir dies rückblickend in unserem Leben auch erkennen, aber sicherlich nach unserem Tod im Reich Gottes, wo uns alles erkennen gegeben ist.

Keinem Menschen wird es leicht fallen, für alles zu danken. Auch hier wird unser Glaube gefordert. Doch Gott lässt uns nicht allein, er will, dass wir zufrieden und glücklich leben. Jeder Tag, für den wir danken, wird zu einem glücklichen und zufriedenen Tag. Weder Zukunft noch Vergangenheit, sondern der geschenkte Augenblick ist Chance zum gelebten von Gott gewollten wahren Sein. Gott führt für die Seinen alles zum Guten, diesem Wort darf man vertrauen (Rö 8:28). Christen wird nicht Leid erspart, aber sie werden im Leid gestärkt. Dies erwirkt Gott mit dem Hl. Geist, seiner Liebe. Dankbarkeit zieht den Hl. Geist an, Undankbarkeit löscht ihn aus, wenn wir Paulus im Thessalonicherbrief beim Vers zu Anfang weiter folgen (1Thess 5:18-19): „Sagt Dank bei allem! Denn das ist Gottes Wille in Christus Jesus für euch. Löscht den Geist nicht aus!“. Im griechischen Original trennt kein Punkt die beiden Verse.

der emmauspilger

S.D.G.

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