Wie Gott die Schöpfung liebt

Gott hat allein die Welt erschaffen. In ihr ist seine Überfülle und seine Liebe angelegt. So ist die Welt groß und kostbar vor Gott.

Gott hat gewollt, dass die Welt nicht nur ist, sondern dass sie in lebendigem Bewusstsein ersteht. Die Welt als seine Schöpfung soll erkannt sein, nicht nur von Gott, sondern vom Geschöpf selbst. So hat er den Menschen erschaffen und ihm die Fähigkeit gegeben Dinge anzuschauen und ihr Wesen zu verstehen. Sie sollen die Gesetze begreifen, nach denen die Schöpfung gebaut sind und das Geschehen, welches sich aus deren Wirken ergibt. Die Dinge tauchen dadurch im Geist des Menschen auf, sie werden noch einmal geschaffen, nun in der Form der Wahrheit. Und Gott wollte noch mehr:

Er hat dem Menschen die Fähigkeit geschenkt zu erleben. Er fühlt beim Blick in das Weltall eine Größe und Herrlichkeit, er erkennt in einer Blume Formen der Schönheit und erlangt Freude. Im anderen Menschen kann er solche Freude ebenso erkennen, aber auch Zorn, und er antwortet darauf mit eigenem Gefühl. Die Mannigfaltigkeit der Dinge erstehen somit erneut im Herzen des Menschen, sie gewinnen Innerlichkeit und eine neue Dimension, in dem sie Inhalt von Leben werden.

Der Mensch kann auch urteilen, weil Gott es so will. Er kann Dinge als gut, schön, hässlich, böse oder nützlich erkennen, er kann sie bewerten. In dem man das bessere vom guten unterscheiden kann, kehren die Dinge im Menschen in seiner (Wert-)Schätzung, seinem Gefühl für Geltung wieder, sie erlangen Wert und Sinn.

Der Mensch kann durch lebendiges Empfinden erkennen. Das Erkennen wird weise gemacht durch sein Urteil und dessen Folgen. Der Mensch kann deshalb in der Welt zugreifen und handeln. Er kann die Dinge in Besitz nehmen, seinen Zwecken anpassen, sie in das Gefüge seines Lebens einordnen. Er kann sie zum Stoff machen, um innerlich angeschautes sichtbar darzustellen. Selbstempfundenes kann er so für Andere ausdrücken. All das bedeutet: Der Mensch begegnet lebendig der Wirklichkeit der Dinge und aus dieser Begegnung heraus entsteht ein neues Ganzes, eine Welt neuer Art.

Gott gab dem Menschen genau diesen Auftrag – weiter an seiner Schöpfung zu arbeiten und aus einer ersten Welt eine zweite Welt zu schaffen, indem er sie bebaut und bewahrt. Aus Natur ersteht Kultur, aus Kult Kunst, die Schönheit und das Gute von Gott ersteht aus der Innerlichkeit des Menschen heraus neu, wird bewusst erkannt und lebendig.

Diese zweite Welt sollte groß und schön werden. Der biblische Ausdruck dafür lautet „Paradies“. Gemeint ist damit jener Zustand des Daseins, der wurde, als der erste reine Mensch im Einvernehmen des Glaubens und eines liebenden Gehorsams mit Gott lebte, den Dingen begegnete. Das Paradies ist kein Kinderreich oder Schlaraffenland, sondern eine Welt, wie Gott sie wollte. Seine erste Schöpfung sollte vom Menschen zu einer zweiten Schöpfung werden, die er gestaltet, schuldlos und lebend von Gottes Gnade her.

Als der Mensch Gott den Gehorsam aufsagte, verneinte er nicht nur die Existenz Gottes, sondern ebenso seine eigene. Aus einem Ebenbild wollte der Mensch zu einem Urbild werden. Da er das aber nicht vermochte, entstand eine leere Form, die er seither mit sich selbst, der Welt und anderen füllen möchte. Die Sehnsucht blieb: nach der Schönheit, der Wahrheit und dem Guten.

Das gott-förmige Loch in der Seele des Menschen kann nur mit Gott gefüllt werden. Einem Gott, der nicht nur der „Ich bin der Ich-bin“ (Ex 3:14) ist, sondern waltend und schaffend in freier Souveränität auch der „liebend bin ich der Ich-bin … ich liebe, der Ich-liebe … meine Liebe ist, die sie ist … die Liebe ist Ich“. Gottes Liebe ist jene Gesinnung, aus der heraus Gott ist, „der Da ist“, aus der er das Ungeheure der Menschwerdung tut, ja, nur es allein tun kann.

Diese Offenbarung Gottes in der Menschwerdung überschreitet einen nur philosophisch-religiösen Begriff eines höchsten Wesens. In der Menschwerdung ist seine Absolutheit der Liebe mit eingeschlossen und findet somit eine echte Beziehung zum Endlichen, der Welt und den Menschen. Aus einem Gedanken Gottes wurde echte Geschichte, eine Liebesgeschichte in der Welt und für die Welt.

Weil Gott so liebt, hat er die Schuldigen nicht ihren Willen überlassen, sondern den Ratschluss der Erlösung gefasst. Weil Gott so liebt, ist er in seinem Sohn Mensch geworden in der Welt. Einfach alles hängt davon ab, dass wir das verstehen. Denn erlöst zu werden bedeutet, in diese Liebe einzutreten.

 

der emmauspilger

S.D.G.

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