Betrachtung zum Buch Job

Das Buch Job ist keine einfache Kost. Für Sinn und Wert des Buches Job, das zur Weisheitsliteratur gehört, also weder Legende, noch Geschichtsbuch ist, ist die Geschichtlichkeit der Hauptpersonen zunächst nicht entscheidend. Das Buch Job will dem Menschen sagen: Der Mensch ist nur Hauch. Aber zugleich ist es ein Buch der Menschenwürde, denn es sagt nämlich ebenso: Unsere Menschenwürde ist das Erkennen der Berufung Gottes Ebenbild zu sein, vor allen in seiner Liebe. Wir erlangen diese Menschenwürde, wenn wir uns selbst besiegen, im Glauben und in der Liebe zu Gott. Satan hingegen bezweifelt unsere Fähigkeit dies zu vollbringen und will uns darum auch unserer Menschenwürde berauben. Das Buch lehrt also: Gotteserkenntnis setzt Selbsterkenntnis voraus. Die Selbsterkenntnis, uns im Elend wahrzunehmen und demütig vor Gott zu werden, wie Job es auch tat. In dieser Phase fragt der Mensch die grundsätzliche Gottesfrage: Warum lässt der allmächtige Gott das zu?


Job ist ein Sieger, denn ihm gelingt es seine Leidenschaften, Wünsche und Begierden hintan zu stellen und stets auf Gott zu blicken. Job fragt sich dabei stellvertretend für uns Menschen: Warum schweigt dieser verborgene Gott? Verbliebe man als Christ oder Nichtchrist in diesem Zustand des Elends, so wäre tiefe Verzweiflung die Folge. Doch der stete Blick in Demut auf Gott schenkt Gotteserkenntnis und somit Hoffnung.

Denn der Weg aus dem Elend für Job und uns alle zum Heil bedeutet:

  1. Man schreit nach einem Vermittler (9:33: „0 daß es doch zwischen uns einen Schiedsrichter gäbe, der seine Hand auf uns beide legte!“).
  2. Man erkennt: ein Freund ist im Himmel (16:19: „Nun aber, seht, im Himmel ist mein Zeuge und in den Höhen mein Verteidiger!„)
  3. und schließlich: der Erlöser lebt! (19:25: „Ich selber weiß: Mein Verteidiger lebt, und als letzter wird er über dem Erdenstaub auftreten.“).

Hier wird der gnädige Gott offenbar, der mit den Menschen leidet. Wie wichtig diese Selbsterkenntnis ist, sich in Demut im Elend wahrzunehmen, zeigen die Freunde Jobs, die ohne diese Selbsterkenntnis keine Gotteserkenntnis erlangen und sich mit ihrem weltlichen Wissen nur aufblähen. Denn auch Gott geht sehr wohl auf die Probleme Jobs ein, allerdings anders, als die „Freunde“ es taten und Menschen es tun würden. Gott gibt dem Menschen keine fertigen Problemlösungen, sondern er stellt erst einmal Fragen, die Job Demut lehren, die Schöpfung als Trost vermitteln und die Allmacht Gottes feststellen (Kap. 38, 39). Jobs Perspektive soll sich dadurch ändern. Und somit wird das letztliche „kleinlaut beigeben“ von Job tatsächlich zur eigentlichen Botschaft, die Gott vermittelt: Mensch, erkenne deine Nichtigkeit, dann wirst du Gott erkennen. Gott gibt das Gute und lässt das Böse zu.
Job nimmt diese Lehre an. Im Kap. 42 wird er erlöst von seiner Furcht und vom Leid, weil er in Demut seine Nichtigkeit erkennt, umkehrt und seine Schuld bekennt. Job löst sich ganz vom Irdischen, vom Fleisch und erhält den Himmel. Sein geistiges Glaubensauge erkennt Gott (42:5: „Nur nach dem Hörensagen hatte ich von dir gehört, nun aber hat mein Auge dich geschaut“). Für uns heute lautet die Botschaft: Jeder muss selbst durch den Glauben Gott erkennen. Es gibt einen transzendenten Heilsbegriff, den Job schemenhaft erkennt.

Warum Gott Job Reichtum im Dasein gibt, erklärt sich aus der Rolle der Gestalt Jobs im biblischen Gesamtkontext: Er ist in Ansätzen der Prototyp des Messias, von Jesus Christus:

  1. Wie Jesus ist Job ein Gerechter ohne Sünde.
  2. Wie Jesus wird Job von Satan bedrängt (15 Kapitel lang redet er durch die „Freunde“ auf Job ein).
  3. Wie Jesus wird Job seiner Herrlichkeit beraubt, erniedrigt.
  4. Wie Jesus muss Job Leid ertragen, wird von seinen Verwandten verlassen, aber wie bei Jesus bleibt Jobs Wille im Willen Gottes.
  5. Beide demonstrieren die geheimnisvolle Verbindung, die Liebe und Gehorsam zu Gott eingehen.

Jesus wird seine Herrlichkeit und nach der Auferstehung noch weitaus mehr zurückgegeben, Job erhält seine Herrlichkeit, seinen Reichtum symbolisch bereits im Dasein vermehrt zurück. Dies war für die damaligen Leser des Buches aussagekräftiger, denn sie kannten die Botschaft vom Reich Gottes, die erst Jesus Christus verkündete, noch nicht. Es ist aber unbedingt zu beachten, wann Job seinen Reichtum doppelt zurück erhielt: Nämlich nachdem er für seine Freunde, eigentlich seine Feinde, im Auftrag Gottes betete (42:10: „Auch wendete der Herr das Geschick Jobs, da er für seinen Nächsten Fürsprache einlegte, und der Herr vermehrte alles, was Job besessen hatte, auf das Doppelte“). Dieser Akt der Nächsten- und Feindesliebe im Glauben an Gott schenkt Gottes Gnade, genauso wie später Jesus lehrt!

Zum Abschluss noch ein paar hebräische Zahlenspielchen am Ende des Buches, wie sie sich mir erschließen: Job wurden noch 140 Lebensjahre geschenkt. 7 ist die Zahl der Vollendung, 10 ist die Zahl der von Gott in die Welt hineingestifteten Gnade, 70 ist demnach die vollendete Gnade Gottes in der Welt, die mit 140 verdoppelt wird, ganz nach dem Wesen Gottes, alles in Fülle zu schenken. Ist dies nicht eine wunderbare Umschreibung dessen, was unser Herr Jesus Christus für uns Sünder am Kreuz erbrachte?

der emmauspilger
S.D.G.

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