Wie Covid19 die Debattenkultur dauerhaft verändert

Neun Phänomene sind bisher erkennbar:

1. Man weiß nun darum, ohne belangt zu werden, ungeniert Unsinn und Lügen verbreiten zu können. Scheinkritikaster sind woke. Die Zukunft von Demagogen ist gesichert.

2. Begriffe verlieren schnell ihren Inhalt und werden unbrauchbar. Absichtliche Verwirrer, jene, die eigentlich nichts Sinnvolles zu sagen haben und das aneinander vorbei Reden, finden dadurch ihren sicheren Raum. Ideologien wollen Begriffe ihres Inhalts berauben, bis Sprache keine Information mehr transportieren kann, nur mehr Ideologie.

3. Nicht mehr der Inhalt einer Aussage, sondern deren Rahmen ist wichtig. Wer sich als kritischer Denker bezeichnet, lässt die Anderen als unkritisch zurück.

4. Argumentativ und intellektuell basierte Ansichten sind benachteiligt, weil gegenteilig basierte Ansichten stets lauter sein werden. Wahrheit kann oft komplex sein und nicht auf 200 Zeichen reduzierbar.

5. Wer im Rückblick die Deutungshoheit über ein Geschehen erlangt hat, hat gewonnen. Ob die Deutung der Wahrheit entspricht, wird unwichtig.

6. Moralismus hat Tod und Gesundheit zur neuen Messgröße für ein destruktives Gespräch erkoren. Wurde früher z.B. eine gegenteilige Meinung als rechtsradikal oder als nazimäßig degradiert, werden heute die Anzahl von Toten und Leidenden gegengerechnet, um die eigene Erzählung zu plausibilisieren. Diese schlägt jedes andere Argument, wie etwa das der Freiheit.

7. Wer Schwäche zeigt, Fehler eingesteht, hat im Moralismus verloren. Dort gibt es keine Vergebung. Wissenschaft mit neuen Erkenntnissen, welche alte ersetzt, wird daher als unbrauchbar denunziert. Die „einfache Lösung“ und Pseudowissenschaft erlangen Gehör. Man bleibt deshalb immer mehr im Schlachtfeld der Filterblasen bei seiner Meinung, auch wenn man sie schon als falsch ahnt.

8. „Die Öffentlichkeit“ verliert ihre Bedeutung, denn private Meinungskriege in sozialen Medien werden als „Öffentlichkeit“ wahrgenommen. Demokratische gesellschaftliche Diskussionen werden in virtuellen, privaten und gewinnorientierten deregulierten Räumen geführt. Nicht ein gewähltes Parlament soll Entscheidungen treffen, sondern möglichst schnell das Meinungsbild des Zeitgeists virtueller deregulierter Räume in Gesetze fassen.

9. Auch Nichtreden wird in einer Dauerempörung skandalisiert. Jeder muss eine Meinung haben, und zwar die vorherrschende. Es droht eine Meinungsdiktatur, welche die ruhigen und empfindsamen Stimmen ins Private verdrängt.

 

S.D.G.

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