Taize als Vorbild: Christen, versöhnt Euch!

„Ein Austausch der Gaben zwischen den verschiedenen christlichen Traditionen hat bereits begonnen. Wir bemerken in Taizé, dass durch das gemeinsame Gebet und in der persönlichen Begegnung sich die gegenseitige Wertschätzung vertieft und ein solcher Austausch auf ganz natürliche Weise ergibt. Bestimmte Aspekte des Geheimnisses des Glaubens wurden von der einen oder anderen christlichen Tradition stärker herausgestellt.

Die Christen der Ostkirche legten den Schwerpunkt stets auf die Auferstehung Christi, von der die Welt bereits verklärt wird. Konnten nicht deshalb in den vergangenen Jahrhunderten viele von ihnen jahrzehntelanges Leiden durchstehen? Die Ostkirche bewahrte die Lehre der Kirchenväter mit tiefer Treue. Das Mönchtum, das sie dem Westen schenkte, hauchte der ganzen Kirche kontemplatives Leben ein. Könnten sich die Christen der westlichen Welt noch weiter diesen Schätzen öffnen?

Die Christen der Reformation haben einige Wirklichkeiten des Evangeliums deutlich unterstrichen: Gott schenkt seine Liebe ohne Gegenleistung; er kommt durch sein Wort und begegnet jedem Menschen, der auf es hört und es in die Tat umsetzt; das einfache Vertrauen des Glaubens führt zur Freiheit der Kinder Gottes; gemeinsames Singen verinnerlicht Gottes Wort. Sind diese Werte nicht für alle Christen wesentlich?

Die katholische Kirche hat die Universalität der Gemeinschaft in Christus im Lauf der Geschichte sichtbar bewahrt. Sie suchte unablässig ein Gleichgewicht zwischen der Ortskirche und der Universalkirche. Die eine kann nicht ohne die andere bestehen. Ein Dienstamt der Gemeinschaft auf allen Ebenen half die Einmütigkeit im Glauben aufrechtzuerhalten. Könnten nicht alle Getauften im allmählichen Verständnis dieses Dienstamts weitergehen?

Jenseits der Konfessionen ist es dringend geboten, dass sich der Austausch der Gaben zwischen den Erdteilen vertieft. Die Christen in Europa beispielsweise haben viel von den Kirchen der anderen Erdteile zu empfangen. Als Gegengabe für all das, was diese Kirchen von Europa erhalten haben, können sie ihm heute eine Frische des Evangeliums bringen.

Die Zeugen und Märtyrer Christi nehmen uns auf den Weg zu einer einzigen Gemeinschaft mit. Sie nähren unsere Hoffnung und unsere Entschlossenheit, die sichtbare Einheit unter allen Christen zu suchen.“

Frère Alois von der Communauté von Taizé

S.D.G.

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