Wie kommt die Liebe in die Welt?

Liebe kann nicht materiell begründet werden. Der Mensch liebt, in dem er den ganzen anderen Menschen in dessen Wesen annimmt. Im 1. Johannesbrief wird erklärt, dass Gott die Liebe ist. Es ist nicht nur eine Eigenschaft Gottes, sondern sein ganzes Wesen. Durch Gott, den Schöpfer, kam demnach die Liebe in die Welt und den Menschen.

Liebe muss sich mitteilen, um erkennbar zu sein. Aber Worten müssen Taten folgen, um wahr zu werden. Gott offenbart seine Liebe zum Menschen auch in Wort und Tat. Was Gott ins Sein ruft, ist gut, weil es aus Liebe geschaffen. In der Schöpfung finden wir Spuren der Liebe Gottes. Gottes Wort, das erschafft, ist Auswirkung seiner Liebe. Es ist die allgemein zugängliche Offenbarung Gottes, dass er die Liebe ist, ebenso wie das Gewissen des Menschen. Auch wenn es verschüttet sein kann, ist es mit seinem Gewissen grundsätzlich möglich zu wissen, wie ein lebensfördernder Weg aussieht (siehe Buch Micha der Bibel).

Daneben gibt es eine besondere Offenbarung Gottes, in dem er sich in der Geschichte zeigt. Er erwählt Abraham, dann ein Volk, Israel, und befreit es aus Sklavenschaft, zeigt sich ihm und steht ihm zur Seite. Gott wählt dieses Volk aus und heiligt es zum Zeichen für alle anderen Völker. Es ist eine unverdiente Gnade, die Gottes Liebe offenbart, auch weil Gott immer treu bleibt. Gott tröstet, ist barmherzig, ist wie die Mutterliebe, ja noch größer. Gott vergleicht sich mit einem Bräutigam, der sich mit seiner Braut, den Menschen, vermählt, in einem ewigen Bund.

Gott offenbart auch in seinem Namen, dass er Liebe ist. Der Name im AT sagt auch etwas über das Wesen des Namensträgers aus. Gott nennt sich „Ich bin der ich bin (da)“, YHWH. Gott ist immer da, für uns Menschen da, als Beziehung. Im NT wird dies deutlich im Namen Immanuel. YHWH ist nicht nur mit uns, er ist in diesem Namen Immanuel bei uns, ganz nah, in uns, wie es Jesus auch zu seiner Himmelfahrt nochmals bestätigt: „Ich bin bei euch alle Tage“.

Liebe zielt auf Nähe und Gemeinschaft. Gott sucht deshalb auch des Menschen Nähe. Gott sehnt sich nach der liebenden Antwort des Menschen auf seine Liebe. Gott liebt jeden einzelnen Menschen, keineswegs nur abstrakt die Menschheit. Gott ist ein persönlicher Gott, nicht einzig ein über alles stehender, unnahbarer Schöpfergott, der seine Schöpfung alleine lässt.

Gott liebt besonders das Kleine, das Unscheinbare, deshalb wird er Mensch. Im Immanuel, Jesus (Gott ist Heil), wird Gott einer dieser Menschen. In Jesus wird Gott sichtbar, hörbar, greifbar, Jesus macht den Namen Gottes bekannt, sein Wesen begreifbar. Jesus lässt seinen Worten der Liebe liebevolle Taten folgen, beides gehört zusammen. In Jesus kommt Gott selbst zum Menschen, um ihn wieder Heil zu machen. Der Herr geht in seiner Liebe den Verlorenen nach, sucht sie, jeden Einzelnen.

Im Leid und Sterben Jesu zeigt sich dann die große Liebe Gottes. Denn der ersehnten Gemeinschaft Gottes mit dem Menschen steht deren Sünde entgegen. Wo Gott ist, ist kein Raum für Sünde. So räumt Gott selbst dieses Hindernis aus dem Weg. Gott nimmt in Jesus selbst des Menschen Sünden auf sich und legt damit eine Brücke über den Graben, welcher die Sünde ausmacht, hin zu Gott. Deshalb ist allein Jesus der Weg, der diesen Graben überwunden hat und mit dem der Mensch ihn überwinden kann. Gottes Liebe macht selbst den Weg frei, damit der Mensch mit ihm im Leben und in der Ewigkeit Gemeinschaft haben kann. Denn die Liebe ist ewig.

Gottes Liebe ist keine Erinnerung an Vergangenem. Gott will auch heute jedem Bruder, Schwester, Mutter und Vater sein. Darum sendet Gott den Hl. Geist in die Welt, in dem Gott weiterhin immer beim Menschen, im Menschen bleibt. Dort führt Gott ihn, liebt ihn und tröstet. Doch der Mensch ist nicht nur Geist, er ist auch Leib. Deshalb kommt Gott auch leiblich zum Menschen. In der Hl. Eucharistie kommt Gott als Nahrung in den Menschen, um ihn zu verwandeln.

Gottes Liebe hat auch Auswirkung auf den Nächsten. Die göttliche Einheit Vater-Sohn wird durch den Hl. Geist ausgedrückt, in den Menschen hinein gestiftet, aber ebenso schafft dieser Hl. Geist Gemeinschaft mit dem Nächsten. Der Hl. Geist wirkt in der Kirche. Sie ist der geheimnisvolle Leib Christi in der Zeit und der Mensch wird durch die Taufe in ihn aufgenommen. Je mehr Liebe diese Kirche wirkt, desto mehr Liebe erscheint in jedem einzelnen Menschen und umgekehrt.

Das tiefste Geheimnis der Liebe Gottes ist jedoch der ewige Liebesaustausch Gottes in sich selbst. Gott ist der Dreifaltige, im Wesen nach ungetrennt, in den drei Personen, Vater-Sohn-Hl. Geist, nach geschieden. Gott ist im Gespräch mit sich selbst, der Herr spricht zu seinem Herrn. Der Dialog zeigt das Ich und Du Gottes auf. Gott ist nicht nur Logos, das Wort, sondern auch Dia-Logos, Beziehung. Liebe ist immer bezogen auf einen Sender und Empfänger, es gehören stets zwei dazu. Dies geschieht in Gott auf einer Ebene, nicht auf ein oben nach unten. Und da Gott dem Wesen nach Geist und Liebe ist, muss ebenso die Liebe in der Dreifaltigkeit zwischen Vater und Sohn eine Person sein –  der Hl. Geist.

Gott will den Menschen an dieser Beziehung teilhaben lassen. Der Mensch und seine Liebe zum Nächsten sollen inmitten der Liebe des Vaters zum Sohn sein. Deren geliebte und gelebte Einheit wird durch die Einheit der Gott liebenden Menschen auch untereinander bezeugt.

Erinnern wir uns stets daran, wie die Liebe in die Welt kam – nicht nur an Weihnachten, als Gott Mensch wurde. Denn indem wir um das Wie und Woher wissen, öffnet sich für uns auch leichter der Weg zum Wohin. Den Sinn und den Anfang zu kennen, ermöglicht das Ziel und den Weg im Leben dorthin nicht zu verfehlen. Gottes Liebe gilt uns Menschen und durch uns unserem Nächsten. Dies ist die absolute Würde des Menschen: dass er unbedingt vom Absoluten, Gott, schon vom ersten Augenblick an im Mutterleib geliebt ist und dadurch andere lieben kann.

S.D.G.

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