Spurensuche: Lazarus – Der Mann, der zweimal starb

Seit alters her wird in Betanien ein Lazarusgrab verehrt. Der Ort liegt an der Straße von Jerusalem über den Ölberg hin zur Jordansenke. Heute ist dieser Weg durch eine hohe Mauer versperrt, die Israel von Palästina trennt. So ist es in Betanien ruhig geworden, kaum ein Pilger nimmt die Strapazen eines weiten Umwegs in Kauf. Nur die Franziskaner und einige einheimische Christen pilgern jedes Jahr am Passionssonntag nach Betanien.

Betanien war die Heimat von Marta, Maria und Lazarus. Jesus und seine Jünger hielten sich dort gerne zu Besuch auf. Hier ist auch der Ort, wo Jesus ein spektakuläres Wunder wirkte: Die Auferweckung des toten Lazarus (Joh 11:1-45). Auch die Salbung der Füße Jesu durch Maria mit kostbaren Nardenöl (Joh 12:1-8) fand hier statt. An diese Geschehnisse erinnern heute die Lazaruskirche der Franziskaner und das sich in muslimischen Besitz befindliche Lazarusgrab in unmittelbarer Nähe. Von dieser Kirche schreibt schon Eusebius: „Bis jetzt wird noch die Stelle des Lazarus gezeigt …“.   Weiterlesen

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Das Abendmahl bei den Protestanten

Man muss sich erst wieder bewusst werden, dass zwischen den Reformierten (die Nachfolger von Zwingli und Calvin) und den Lutheranern ein Unterschied in der Haltung zum Abendmahl besteht. Bei den Reformierten ist es ein Gedächtnismahl, bei dem Christus nicht anders anwesend ist, als überall sonst im Leben. Sowohl die Aussagen Jesu als auch seine Handlungen sind dabei nur symbolisch zu verstehen. Bei dem Nachvollzug dieser Symbole gedenkt der Gläubige an das Leiden und Sterben des Herrn, bekundet seine Bereitschaft zur Nachfolge und empfängt dadurch Segen. Der Ungläubige hingegen bekommt nur einen Schluck Wein und eine Oblate.

Bei den Lutheranern jedoch ist Christus während der Kommunion in Brot und Wein sehr wohl leibhaftig gegenwärtig in der Realpräsenz. Dies gilt ebenso für die Ungläubigen, denen es aber nicht zum Heil, aber zum Gericht gereicht. Der katholische Begriff der Transsubstantiation, der Wesensverwandlung, wird jedoch von den Lutheranern abgelehnt. Sie sprechen von der Konsubstantiation, d. h. Brot und Wein verwandeln sich nicht in Leib und Blut Christi, sondern die leibliche Gegenwart Christi tritt auf geheimnisvolle Weise zur natürlichen Gestalt der Elemente hinzu. Diese Gegenwart endet mit der Kommunion. Alle Reste von Brot und Wein sind somit wieder gewöhnliches Brot und gewöhnlicher Wein. Diese Lehre stammt allerdings nicht von Luther selbst, er hatte noch den Glauben an die bleibende Gegenwart Christi. Erst seine Nachfolger gaben diesen Glauben auf.  Weiterlesen

Die Früchte des Hl. Messopfers

Der katholische Schriftsteller und Kapuzinerpater Martin von Cochem (1634-1712) fasste unter anderem in seinem Werk „Erklärung des Heiligen Meßopfers: ein Unterrichts- und Betrachtungsbuch für die Gläubigen der Kirche Gottes“ zahlreiche Gnaden und Wohltaten Gottes zusammen, die unsichtbar für den Menschen bei einer Heiligen Messe geschehen. Hier ein kleiner Auszug davon:

Der himmlische Vater hat seinen Sohn in die Welt gesandt, damit er ihm die Ehre gebe, die Adam und alle Sünder ihm verweigert hatten. Auch deines Heiles wegen sandte er seinen Sohn in die Welt und lässt ihn noch täglich auf den Altären gegenwärtig werden.

Zu deinem Heile verwandelt der Heilige Geist Brot und Wein in den wahren Leib und in das wahre Blut Jesu Christi. Weiterlesen

Als Christ das Leben genießen oder nicht?

Ich lese in der Hl. Schrift: „Liebt nicht die Welt und nicht, was in der Welt ist! Liebt eines die Welt, ist die Liebe des Vaters nicht in ihm“ (1Joh 2:15). Oder in Jak 4:4: „Ihr ehebrecherisch Gesinnten, wißt ihr nicht, daß die Liebe zur Welt Feindin Gottes ist? Wer also ein Freund der Welt sein will, macht sich zum Feinde Gottes.“ Da stellt sich mir die Frage: Ist es denn Sünde, das Leben zu genießen? Ist es falsch das Leben zu genießen? Muss ich mich erst von der Welt absondern, um heilig zu werden? Viele Christen leben so und betrachten jene Christen, die sich mehr dem Leben, der Welt öffnen bestenfalls als laue Christen, denn sie halten „Freundschaft mit der Welt“.

Dagegen sprechen jedoch andere Aussagen der Hl. Schrift, so etwa in 1Tim 4:4: „Denn alles, was Gott geschaffen, ist gut, und nichts ist verwerflich, wenn es unter Danksagung genommen wird;“. Gerade Paulus spricht zu Timotheus, dass Enthaltung an sich keine Tugend ist: „Trinke nicht längerhin Wasser, sondern nimm etwas Wein wegen deines Magens und deiner häufigen Erkrankungen!“ (1Tim 5:23). Paulus mahnt sogar in 1Tim 6:17 an, dass ein Christ reichlich mit und durch Gott die Welt genießen kann: „Den Reichen in dieser Welt schärfe ein, nicht hochmütig zu sein und ihre Hoffnung nicht auf den trügerischen Reichtum zu setzen, sondern auf Gott, der uns alles reichlich gewährt zum Genug“. Was nun? Darf ich jetzt als Christ mein Leben genießen oder nicht? Weiterlesen

Der Klosterort Bet Jamal

Meine Rubrik „Spurensuche“ im Hl. Land führt uns an den Fuß der judäischen Bergkette zum 30 km von Jerusalem entfernt liegenden christlichen Ort Bet Jamal. Dort befindet sich 377 m ü. M. das Landgut der Salesianer auf einem Bergrücken. Der Konvent mit angeschlossenem landwirtschaftlichem Betrieb wurde 1868 gegründet. Später kam auch noch eine landwirtschaftliche Schule hinzu, die bis in die Achtzigerjahre Bestand hatte. Am Eingang des Geländes ist ein Geschäft, welches das einheimische Olivenöl und die verschiedenen Weine aus Cremisan, ein Weinbaubetrieb der Salesianer in der Nähe von Betlehem, angeboten werden. Neben den landwirtschaftlichen Tätigkeiten und der Berufsausbildung Jugendlicher kümmern sich die Salesianerbrüder auch um die Aufzeichnung von Wetterdaten in einer 1919 eingerichteten meteorologischen Station, die erste des jetzigen Staates Israel. Weiterlesen

Spurensuche: Das Heiligtum von Johannes dem Täufer in der Wüste

Ain Karem (oder En Kerem) liegt ungefähr acht Kilometer von der Altstadt Jerusalems entfernt. Hierher kommen viele Pilgergruppen, die den Geburtsort von Johannes des Täufers im Dorf und das Heiligtum des Besuchs Mariens bei Elisabeth etwas südlich an einem Berghang besichtigen wollen. Ein weitaus weniger von Pilgern frequentiertes Heiligtum ist „St. Johannes in der Wüste“, arabisch „Ain al Chabis“, übersetzt „die Quelle des Einsiedlers“. Dieser Ort liegt von Ain Karem aus zunächst Richtung Moschav Even Sapir. Dort, am Ende der Hauptstraße, findet man ein Hinweisschild „Franciscan Monastery“.

Dieses Kloster schmiegt sich spektakulär an einem Hang über dem Fluss Sorek. Die beiden Seiten des Tales lassen noch die antiken landwirtschaftlichen Terrassen erkennen. Diese gehen dort, wo keine Bewässerung mehr möglich ist, in Wald über. Im Kloster selbst hört man gleich am Eingang das leise Plätschern eines Brunnens. So mag der Ort eher an eine Oase, als an eine Wüstenei erinnern, in der Johannes der Täufer aufgewachsen ist. Das Lukasevangelium beschreibt folgendes (Lk 3:2): „Das Kind aber wuchs und erstarkte im Geiste. Und es war in der Wüste bis zum Tag, als er vor Israel auftrat“. Die Nähe zum Geburtsort des Johannes, die Abgeschiedenheit, eine Quelle und eine Grotte waren jedoch ausschlaggebend, dass seit Ende des 15. Jahrhunderts hier diese Johannes-Tradition auftritt. Weiterlesen