Gott wurde Mensch. Ein weihnachtlicher Gedanke.

In Jesus Christus sehen wir, wie er, der Ungeschaffene, in die Welt, das von ihm Geschaffene, hineinreicht. Wir blicken wie auf ein Schilfrohr, wenn es aus dem Wasser hinausreicht und an der Grenzlinie zwischen Luft und Wasser ein Bruch entsteht, der uns das Schilfrohr unter Wasser geknickt erkennen lässt. Oder liegt der Knick über dem Wasser? Ein Dimensionswechsel. Die Immanenz Gottes bleibt uns als Geschöpfe immer ein verborgenes Geheimnis, aber wir erkennen durch unsere wesenseigene Sehnsucht hin zum Sein, zu Gott, als sein Ebenbild etwas vom Wesen Gottes, das durch den Herrn sichtbar wurde. Das Schilfrohr bleibt ein gerades ganzes, auch wenn wir es geknickt sehen oder gar abgeschnitten, weil es im verschmutzten Wasser so erscheint, das durch unsere sündhaft verunreinigten Bemühungen erst so trüb wurde.

Dieser Bruch, so finde ich, wird uns hier von Jesus und im Verhalten des Petrus eindringlich erklärt (Joh 13: 1,3,5-8,12-14 HSK): Weiterlesen

Die Pilgerin Egeria im Hl. Land

Im Mailänder Edikt vom 13. Juni 313 gab Kaiser Konstantin den Menschen seines Machtbereichs das Recht auf freie Religionsausübung. Es war der Beginn der Reisen von Christen nach Osten in das Hl. Land, um die Orte des Lebens von Jesus Christus zu sehen. Die Pilgerin Egeria gehörte zu diesen ersten Reisenden. Im Jahre 1884 wurde ihr Reisebericht in einem Kloster in Arezzo entdeckt. Das bis dahin unbekannte lateinische Itinerar beschreibt die Pilgerfahrt einer frommen, vielleicht adeligen Dame und/oder Klosterschwester aus dem 4. Jahrhundert nach Palästina und Konstantinopel. In dem unvollständig erhaltenen Dokument erfährt man nicht den Namen dieser Pilgerin, allerdings stellt Valerius von Bierzo 395 in einem Brief den Mut einer Pilgerin mit Namen Egeria oder Aetheria heraus, deren Schilderung auffallend mit dem aufgefundenen Itinerarium übereinstimmt, weshalb man beide Berichte als von derselben Person verfasst betrachtete.

Jerusalem war das eigentliche Ziel von Egeria und hier beschreibt sie die Gottesdienste und erzählt von liturgischen Bräuchen, die ihr fremd waren. Ihre Neugier galt mehr den geistigen Dingen, als der weltlichen Kultur. Deshalb gerät sie bei der Prachtentfaltung der Gottesdienste in Jerusalem und dem Kirchenschmuck ins Schwärmen, ohne aber allgemein die Betonung der Äußerlichkeiten zu übertreiben. Besonders angetan war sie von den liturgischen Zeremonien, die unter Cyril (gestorben 386) gefeiert wurden. Weiterlesen

Die Milchgrotte in Betlehem

Südlich vom Zentralplatz in Betlehem aus tritt man in einen kleinen Vorhof und vor eine barockisierte Fassade einer Kirche des Jahres 1935. Sie ist über der Milchgrotte, arabisch Magharet es Sitti Mariam, am Rande eines Ostabhangs gebaut. Hier soll sich die Gottesmutter vor den Gerichtsdienern des Herodes in Sicherheit gebracht haben, wie eine Legende aus dem 6. Jahrhundert erzählt. Diese wurde bald mit Details aus dem Matthäusevangelium ausgeschmückt. So soll hier der Ort gewesen sein, wo Joseph vom Engel im nächtlichen Traum von der Gefahr erfahren hat, die dem göttlichen Kind drohte, und den Auftrag erhalten haben nach Ägypten zu fliehen. Joseph drängte die gerade stillende Maria zur Eile und dabei fielen ein paar Tropfen ihrer Muttermilch auf den Boden. Sogleich färbte dieser sich vom üblichen rot des hiesigen Gesteins in strahlendes weiß. Der Felsen nahm nun heilende Eigenschaften an und vermochte jeden Müttern Milch zu geben, die ihr Kind nicht stillen konnten. Dieser Volksglaube wurde 850 vom Pilger Perdicca aus Ephesus bezeugt. Weiterlesen

Christusorte – Betlehem

Betlehem - Geburtsgrotte

Betlehem – Geburtsgrotte

Gerade zur advent- und weihnachtlichen Festzeit rückt Betlehem regelmäßig in das Blickfeld auch gottferner Menschen. Die Krippe des Herrn stand in Betlehem. Aber ist Betlehem überhaupt der Geburtsort Jesu? Diese Frage stellen sich besonders liberale Theologen und Bibelwissenschaftler. Sie betrachten die biblische Erzählung im Matthäus- und Lukasevangelium über Geburt und Kindheit Jesu als „theologische“ und keineswegs als „historische“ Aussage. Jesus war nach ihrer Meinung ein Nazarener, also in Nazareth geboren. Was spricht für und was gegen diese Aussage?

Zuvor muss bedacht werden, dass es sich hier nicht um eine Glaubenswahrheit, sondern um eine historische Frage handelt. Das Glaubensbekenntnis stellt nur fest: „Geboren aus der Jungfrau Maria“. Historische Fragen lassen sich mit Gründen und Gegengründen abwägen, oftmals kommt man dennoch zu keinem endgültigen, absoluten Ergebnis. Diese verbleibenden Fragezeichen verunsichern den frommen Pilger im Hl. Land jedoch nicht. Weiterlesen