Aus der Vorurteilsforschung

Aus der Vorurteilsforschung

Die erste bedeutsame Thematisierung des Vorurteilsproblems findet sich in einer vom englischen Empiristen Francis Bacon im Jahre 1620 unter dem Titel „Novum Organum“ veröffentlichten Aphorismen-Sammlung. Bacon erläutert in Aphorismus 38, dass der Mensch nur mit Mühe die Wahrheit erkennen kann (aber es ist möglich). Hinderlich dafür sind die Trugbilder und Vorurteile, die Bacon als Idole betitelt und ebenso falsche Begriffe. Er unterscheidet vier interessante und durchaus modern anmutende Arten von Idolen:

  1. die Idole des Stammes, die in der Gattung des Menschen begründet sind, der nun einmal nie die ganze Wahrheit kennen kann;
  2. die Idole der „Höhle“, die individuell bei jedem vorhanden sind, denn jeder hat – so Bacon – eine Höhle oder eine spezifische Grotte, „welche das Licht der Natur bricht und verdirbt“;
  3. die Idole des Marktes als Folge des engen Beieinanderseins der Menschen, als Folge der Gemeinschaft und als Folge des Verkehrs mit anderen Menschen;
  4. die Idole des Theaters. Denn auf der großen Bühne geistiger Selbstdarstellung wurden „Philosophien erfunden, wurden für wahr unterstellt und sind in den Geist des Menschen eingedrungen. Philosophische Lehrmeinungen, Sekten, Prinzipien sowie Lehrsätze von Wissenschaften haben durch Tradition, Leichtgläubigkeit und Nachlässigkeit Geltung erlangt. Der menschliche Verstand muss vor ihnen auf der Hut sein.“

Die moderne Vorurteilsforschung findet ähnliche Gliederungen und Ursachen:

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Im Denken wird man Mensch

Es gibt schon seit geraumer Zeit und ohne irgendwelche „Energiefelder“ zu bemühen, die Ansicht, dass das moralische Temperament (melancholisch, phlegmatisch, sanguistisch, philosophisch) jene Ideenreihe Kraft verleiht, die den Charakter bildet. Dabei gibt es eine herrschende Idee. Eine Ideenreihe ist ein Gedanke, eine Aussage, ein Gegenstand der/die Beachtung erhält, weil er/sie das Vergnügen/Missvergnügen (damit sind nicht allein sinnliche Erfahrungen gemeint) fördert oder hindert. Jede von außen zukommende Wahrheit trifft auf diese Ideenreihe und wird somit „entwahrheitet“, denn sie hat sich in die Anschauung der Begriffe einzufügen, die der Mensch sich bereits bildete. Jedes neue Ding wird in diese Ideenreihe eingefügt und festigt sie. Deshalb kann man etwa jungen Menschen besser neue Ansichten vermitteln, als älteren. Deshalb kann für jemand etwas eine Ehre sein, für den anderen nicht, obwohl es objektiv dasselbe Ding ist. Weiterlesen

Jesus sagt: Ökumene muss sein!

Jesus sagt: Ökumene muss sein!

Es gibt einen gemeinsamen Nenner unter Christen: jener, von dem sie ihren Namen erhielten, dem Gesalbten und Messias Jesus Christus. Er ist es, der ihnen aufgetragen hat eins zu sein. Dieser göttliche Auftrag trifft jedoch auf die menschliche Schwachheit. Eine davon, die luziferische, ist der Stolz.

Seit Luther scheinen Protestanten daraus und aus dem Stachel, nur die zweiten zu sein und endlos gespalten, was wiederum zu kompensierende Minderwertigkeit einflüstert, ihre Arroganz herzuleiten, als die nun besseren Christen keine Einheit mehr wollen zu müssen. Die lateinische und orthodoxe Kirche wiederum leitet ihre Arroganz gegenüber Protestanten davon ab, die ersten gewesen zu sein, ihre Tradition bis zu den Aposteln zurückverfolgen zu können, daher keiner Korrektur zu bedürfen und Einheit nur zu den „Bedingungen“ der West- und Ostkirche. Weiterlesen

Basics: Warum und wie Vergebung?

Die einfachste Antwort auf das Warum lautet: Weil es Beziehungen aufrecht erhält. Als Christ ersehne ich mir eine gute Beziehung zu Gott, meinen Nächsten und zu mir selbst. Gelingt mir dies nicht ausreichend, dann verändert dies zwar nicht meine Position Christ zu sein, aber meine Beziehungen. Wer sich in der Ehe streitet, ist ja in dieser Zeit plötzlich nicht mehr verheiratet, aber die Beziehung zum Partner ist gestört. Da sich also meine Position als Christ nicht ändert, ist es mir darum möglich, all die Gnaden anzunehmen, die Jesus mir gerade in der Vergebung schenken will. Er ist die Kraft in mir, er ist die Liebe in mir, er verbrennt den Stolz in mir, weil auch er der Vergebende ist. Jedoch, wenn es nur so einfach wäre. „Du weißt ja nicht, was der mir alles angetan hat! Und dem soll ich vergeben?“ So denkt man manchmal und das ist zutiefst menschlich.

Wenn aber der Herr die Vergebung als Pflicht eines Christen verkündet, dann muss sie wichtig sein, dann muss sie mir zum Guten gereichen, dann muss sie mich dem Herrn näher bringen und damit seinem Reich Gottes der Liebe in Frieden und Freiheit. Deshalb ist das Ausmaß der Vergebung gewaltig, wie der Herr sie uns in Mt 5:43-46 aufträgt: Sie hat keine Grenzen! „Ihr habt gehört, dass gesagt wurde: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde [, tut Gutes denen, die euch hassen,] und betet für sie, die euch verfolgen [und verleumden], auf dass ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“. Weiterlesen