Stoa und Christentum

Um 300 v. Chr. formulierte Zenon von Kition erstmals Grundzüge der sogenannten Stoa. Ihr ist eine kosmologische, ganzheitliche Welterfassung zu eigen, die auf ein waltendes universelles Prinzip zurückgeführt wird. Das Individuum hat ihren Platz in dieser Ordnung zu erkennen, auszufüllen und durch Selbstbeherrschung zu akzeptieren. Gelassenheit und Seelenruhe sollen dabei Weisheit fördern.

Die Wirkung der stoischen Weltanschauung auf die Menschen in hellenistischer und nachhellenistischer Zeit war gewaltig. Philosophie und Religiosität gingen ein unlösliches Band ein. Deshalb war die stoische Weltanschauung gerade unter Heidenchristen Herausforderung und Prägung zugleich, ähneln sich doch einige Aussagen. Die große Zeit der Stoa ging schließlich erst um 300 n. Chr. zu Ende und beeinflusste damit noch Kirchenväter und Kirchenlehrer. Weiterlesen

Pico della Mirandola: Über die Würde des Menschen

Pico della Mirandola: Über die Würde des Menschen

Renaissance und Humanismus wurden lange Zeit als antichristliche Erscheinungen betrachtet. Eine solche Auffassung entstand, weil die Theologie des Humanismus in der Forschung fast verschämt behandelt worden ist und nur wenige glänzende Namen des christlichen Humanismus überlieferte. Pico della Mirandola (1463-1494) ist einer der zu wenig beachteten Vertreter dieses christlichen Humanismus, obwohl er doch als „Novalis der Renaissance“ gilt. Seine anziehende Persönlichkeit war fein gebildet, weitherzig und bei aller Begeisterung für das Schöne und Wahre doch fromm und demütig. Er war ein Gelehrter, der durch die Tiefe der Gedanken und praktischen Lebensweisheiten dem modernen Menschen viel zu geben hat. Gerade in der Anfangszeit der Aufklärung ließ er die Hoffnung keimen, dass Humanismus aus dem Christentum schöpfend einen fruchtbaren Weg zu Gott darstellt. Weiterlesen

Grundaussagen und Traditionsschichten der Tora

Die ersten 11 Kapitel der Genesis sind keine historischen sowie naturwissenschaftliche Berichte oder Reportagen, sondern viel mehr, nämlich theologische Grundaussagen, die sich auch im rabbinischen Schriftverständnis finden.
Die christlichen Grundaussagen sind in groben Zügen: Weiterlesen

Sich selbst annehmen und lieben

Sich selbst annehmen und lieben

Ich bin Ich, nicht vom Wesen, sondern bin mir „gegeben“. Ich habe mich also empfangen (von Gott).

Überhaupt gegeben – Nicht als Menschen einfachhin, sondern als diesen Menschen: diesem Volk zugehörig, dieser Zeit, von diesem Typus und diesen Anlagen. Bis zu jenen letzten Bestimmtheiten, die es überhaupt nur einmal gibt, nämlich in mir; jener letzten Eigenart, die macht, dass ich in allem, was ich tue, mich selbst wiedererkenne, und die sich in meinem Namen ausdrückt.

Ich soll sein wollen, der ich bin; wirklich ich sein wollen, und nur ich. Ich soll mich in mein Selbst stellen, wie es ist, und die Aufgabe übernehmen, die mir dadurch in der Welt zugewiesen wird. Weiterlesen

Von der Heilsgewissheit

Eine Schriftbetrachtung.
Ein Christ muss sich seines Heils gewiss sein, erlöst sein, um Gottes Freude und Frieden in sich genießen zu können und den Herrn für alle Welt zu bezeugen. Niemand ist fromm mit ständigen Zweifel, denn der Zweifel ist die Nahrung des Teufels für uns. Doch was ist das Heil überhaupt? In 1Joh 5,10-12 wird es erklärt: „Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat dieses Zeugnis in sich. Wer Gott nicht glaubt, der hat ihn zum Lügner gemacht, weil er nicht an das Zeugnis glaubte, mit dem Gott Zeugnis gab von seinem Sohne. Und dies ist das Zeugnis, daß uns Gott ewiges Leben gab, und dieses Leben ist in seinem Sohne. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn nicht hat, der hat das Leben nicht“.

Das Heil ist also das ewige Leben und nicht ein komfortables und angenehmes Leben auf der Erde. Dieses Heil hängt von 2 Dingen ab:
1. Von dem, was Gott getan hat
2. Von dem, wie wir darauf reagieren
Siehe Joh 3,16: „Denn so sehr liebte Gott die Welt, daß er seinen eingeborenen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern ewiges Leben habe“.

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Die Liebe ist unser Anteil an Gottes Licht

Gott gibt dem Menschen Anteil an seinem göttlichen Licht durch die brennende Liebe und zwar auf 5 Arten:

  1. Durch das physische Licht (die Werke der Liebe)
  2. Durch das Licht der Vernunft (die Gedanken der Liebe)
  3. Durch das Licht des Glaubens (das Geschenk der Liebe)
  4. Durch das Licht der Gnade (die restlose Aufopferung aus Liebe)
  5. Durch das Licht der Herrlichkeit in der Hoffnung auf das Reich Gottes (die Vervollkommnung in der Liebe)

Unser Herr Jesus Christus ist das Licht der Welt, der in die Finsternis unserer Sünde kam, und lebt er in uns, sind wir die Lampe, die wir nicht verbergen sollen. In Jesus Christus haben wir Anteil an seiner Liebe im und zum Vater durch den Hl. Geist. Wenn wir in Demut nichts aus uns mitbringen, dann kann uns die barmherzige Vaterliebe umso schneller und gründlicher durchglühen, auf dass wir eins werden mit ihm, mit der Liebe, denn nur gleiches wird sich vereinen.

 

der emmauspilger

S.D.G.

Thomas von Aquin. Über Erkenntnis, Anthropologie, Ethik, Moral und Kunst

Der Dominikanermönch Thomas war in Köln Schüler von Albertus Magnus (siehe meinen Beitrag) und lebte von 1224 bis 1274. Der Mönch galt als schweigsam und war recht beleibt. Sein Charakter wird als gütig, demütig, rein und sensibel beschrieben. Er ist einer der bedeutendsten philosophischen Vertreter der spätmittelalterlichen Scholastik und dennoch sagte er an seinem Lebensende: „Alles, worüber ich nachsann ist Stroh gegenüber der Größe Gottes“. Er entwickelte ein umfassendes und ausgewogenes System des christlichen Lebens und etablierte einen dauernden Maßstab. Alle seine Lehren der Theologie und Philosophie stellt er auf den Boden der Heiligkeit. Hier der erste Teil einer kurzen Zusammenfassung seiner umfangreichen Lehren. Weiterlesen

Mitarbeiterbefragung des Hl. Geistes

Er stellt uns in jedem Augenblick die Frage: Worum geht es im christlichen Leben? Zu was befähigt der Hl. Geist uns, wenn wir mit und in Jesus Christus wahrlich leben? Gleichzeitig rückt er in der Antwort unser Gottesbild zurecht. Prüfen wir uns also und entscheiden wir uns für jeweils eine Antwort: Ist das christliche Leben

  • ein Geben oder ein Antworten?
  • ein Werden oder ein Sollen?
  • eine Umgestaltung oder eine Selbsterziehung?
  • eine Selbstheiligung oder eine Selbsthingabe?
  • eine Nachahmung Christi oder eine Verähnlichung mit Christus?
  • eine Leistung oder eine Mitarbeit?
  • Werke oder Beziehung?
  • eine Freiheit für oder ein Verzicht auf?
  • Tugendhaftigkeit oder Beziehungsfähigkeit?
  • Jesus Christus als Partner oder Jesus Christus als Vorbild?
  • eine Nachfolge Christi oder eine Teilnahme an Jesus Christus
  • eine Verpflichtung oder eine Berufung?
  • die Person Christi oder das Gesetz Gottes?
  • ein handeln oder das Sein?
  • eine Selbstverleugnung oder eine Selbstverwirklichung in Jesus Christus?
  • ein Streben nach Vollkommenheit oder eine Vereinigung mit Jesus Christus?
  • Wachstum oder Selbstvervollkommnung?
  • eine Verwirklichung von Idealen oder eine Verwirklichung einer Berufung?
  • eine Verhaltensänderung oder eine Änderung des Denkens?
  • ein seinsgemäßes Leben oder ein tugendhaftes Leben?
  • eine Teilhabe an der Heiligkeit Jesu oder ein Streben nach Heiligkeit?
  • eine Begegnung mit dem Herrn oder eine Loslösung vom Sein?
  • eine neue Seinsweise oder eine neue Existenzweise?
  • eine Umwandlung oder eine Besserung?
  • eine Umkehr oder Buße tun?
  • ein halten der Gebote Gottes oder ein Leben in Partnerschaft mit Jesus Christus?
  • ein entwickeln von Anlagen oder der Erwerb von Tugenden?

Es gibt viel zu meditieren über diese Fragen und noch mehr über die Antworten. Keine ist sogleich richtig oder falsch, die Entscheidung deckt aber unsere Beziehung zu Gott auf. Der Hl. Geist wird uns die rechten Antworten geben, wenn wir ihn darum bitten und uns führen. Es ist eine Kirchenlehrerin, die hl. Therese von Lisieux, die uns u. a. durch ihr Buch „Selbstbiographie“ leiten kann, eine rechte Gottesliebe aufzubauen.

der emmauspilger

S.D.G.