Stoa und Christentum

Um 300 v. Chr. formulierte Zenon von Kition erstmals Grundzüge der sogenannten Stoa. Ihr ist eine kosmologische, ganzheitliche Welterfassung zu eigen, die auf ein waltendes universelles Prinzip zurückgeführt wird. Das Individuum hat ihren Platz in dieser Ordnung zu erkennen, auszufüllen und durch Selbstbeherrschung zu akzeptieren. Gelassenheit und Seelenruhe sollen dabei Weisheit fördern.

Die Wirkung der stoischen Weltanschauung auf die Menschen in hellenistischer und nachhellenistischer Zeit war gewaltig. Philosophie und Religiosität gingen ein unlösliches Band ein. Deshalb war die stoische Weltanschauung gerade unter Heidenchristen Herausforderung und Prägung zugleich, ähneln sich doch einige Aussagen. Die große Zeit der Stoa ging schließlich erst um 300 n. Chr. zu Ende und beeinflusste damit noch Kirchenväter und Kirchenlehrer. Weiterlesen

Amoris laetitia und das Gesetz der Gradualität

Betrachten wir eine Ideologie als Bestreben, die Logik einer Idee aufrecht zu halten, die keinen Bezug zur Realität besitzt. Gerne wird heute die Kirche als ideologisch bezeichnet, weil sie sich anscheinend der Realität, eigentlich ist damit der Zeitgeist gemeint, nicht zu stellen vermag. Für die Gegner der Kirche ist es deshalb wichtig, die Wahrnehmung der Menschen auf die Realität zu verändern, sie zu bestimmen. Dabei geht es auch um die Deutungshoheit über Definitionen. Hinsichtlich des Familienbegriffs wird darum eine pansexualisierte Kultur vermittelt, welche angeblich die Wirklichkeit abbildet. Aber ist es tatsächlich Wirklichkeit, dass

  • Sex nichts mit der Zeugung von Kindern zu tun hat?
  • zwei Männer, zwei Frauen, ebenso mehrere Männer und mehrere Frauen, auch gemischt, „heiraten“ können, weil die Grundlage einer Ehe allein die gegenseitige Zuneigung ist?
  • jeder, der sich wünscht ein Kind zu haben auch das Recht auf ein Kind hat, weil Wünsche als Grundlage der Rechte angesehen werden?

Die Kirche jedoch vermittelt, dass sich Sexualität auf die Zeugung hin ordnet, damit der Mensch in der Berufung zur Liebe über sich hinausgehen kann, weshalb auch nur zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts tatsächlich Heirat möglich machen. Liebe wird nicht einer menschlich schwankenden Gefühlswelt unterstellt, sondern der Tatsache, dass man zuerst geliebt ist – von Gott. Somit kann sich die Liebe, indem sie sich ihrem Ursprung zuwendet, über die Eigenliebe empor entwickeln. Ebenso lehrt die Kirche, dass die höchste Frucht der ehelichen Liebe zwar das Kind ist, es aber Geschenk bleibt und kein Recht ist, denn als Person kann sich deren Sein nicht auf die Funktion einer Wunscherfüllung anderer beschränken. Weiterlesen