Gnade und Werke

Die Gnade darf nicht gegen die Werke und das Wollen dazu ausgespielt werden. Im Gegenteil: Man muss sie aufeinander beziehen und es ist natürlich die richtige Reihenfolge zu beachten. Die Gnade setzt die Natur (den Willen des Menschen) voraus. Doch von der Natur als Natur (Geschöpf) führt kein Weg zur Gnade, ein Geschenk kann man sich nicht selbst und eigenmächtig nehmen, wohl aber von der Gnade zur Natur. Denn nicht die Früchte machen den Baum gut, sondern ein guter Baum bringt gute Früchte.

Gottes Liebe verurteilt den Menschen nicht zur Passivität, sondern sie ermöglicht aus Gnade gerade eine gewisse Mitwirkung des Menschen. Der Mensch darf Verantwortung übernehmen und das nur, weil er entscheiden kann. Der Mensch ist aufgerufen die Gnade anzunehmen. Hier wird diese Verschränkung, der Bezug aufeinander von eigenem Willen, Werke und Gnade eindrücklich beschrieben (Phil 2:12-13 MNT): Weiterlesen

Stoa und Christentum

Um 300 v. Chr. formulierte Zenon von Kition erstmals Grundzüge der sogenannten Stoa. Ihr ist eine kosmologische, ganzheitliche Welterfassung zu eigen, die auf ein waltendes universelles Prinzip zurückgeführt wird. Das Individuum hat ihren Platz in dieser Ordnung zu erkennen, auszufüllen und durch Selbstbeherrschung zu akzeptieren. Gelassenheit und Seelenruhe sollen dabei Weisheit fördern.

Die Wirkung der stoischen Weltanschauung auf die Menschen in hellenistischer und nachhellenistischer Zeit war gewaltig. Philosophie und Religiosität gingen ein unlösliches Band ein. Deshalb war die stoische Weltanschauung gerade unter Heidenchristen Herausforderung und Prägung zugleich, ähneln sich doch einige Aussagen. Die große Zeit der Stoa ging schließlich erst um 300 n. Chr. zu Ende und beeinflusste damit noch Kirchenväter und Kirchenlehrer. Weiterlesen

Gott ist treu!

Auf die Treue Gottes können wir uns verlassen, denn er wird uns Gerechtigkeit schenken, weil er die Liebe ist. Man kann auch meinen, dass es die eigene Treue ist, die unsere Errettung bewirkt, um das Reich Gottes zu erben. Aber ist dies denn nicht schon wieder ein Akt der Selbsterlösung, wenn ich mich durch meine Treue Errettung verspreche? Betrachten wir einen Text in Gen 15:9-12;17-18, der einen ganz anderen Blickwinkel ermöglicht: Weiterlesen

Basics: Warum muss Gott dreieinig sein?

Es gibt viele Verse in der Hl. Schrift, die das Wesen Gottes in seiner Dreieinigkeit, Vater-Sohn-Heiliger Geist, aufscheinen lassen. Es gibt jedoch ebenso aus der Hl. Schrift ableitbare Gründe, die der Mensch erkennen kann, weil ihm Gott Verstand, Vernunft und damit die Fähigkeit logisch zu denken als Ebenbildlichkeit geschenkt hat. Denn gerade die Vernunft und die Freiheit sind in Gott immanent und werden zur Erklärung der Welt. So kann man erkennen, dass ohne Dreieinigkeit Gott folgendes nicht sein könnte:

  1. Dem Wesen nach Vater. Denn wo keine Sohnschaft durch Jesus Christus, da keine Vaterschaft durch Gottvater, womit wir auch keine Erben und Kinder Gottes sein könnten.
  2. Dem Wesen nach Liebe. Denn wo kein Gegenüber, kein Du, kann auch keine Liebe sein.
  3. Der Erlöser seiner Geschöpfe von der Sünde. Denn kein Geschöpf, kein Mensch kann sich selbst erlösen.

Die Hl. Schrift jedoch spricht von Gott als Vater, von Jesus Christus als Gottes Sohn, von Gott, der die Liebe ist und vom Herrn, der die Welt freiwillig durch sein Kreuz erlöste und dann den Hl. Geist sandte. Nirgends in der Hl. Schrift taucht das Wort Dreieinigkeit auf, jedoch wird das Wort Gottes erst näher verständlich, wenn man die Dreieinigkeit erkennt. Denn das Verständnis der Hl. Schrift gelingt nur, wenn man sie in dem Geist liest, in dem sie geschrieben wurde – im Hl. Geist. Und dieser ist eine Person des dreieinigen Gottes.

S.D.G.

Pfingsten: Katholisch sein im Hl. Geist

Das Christentum ist wahrlich sensationell und faszinierend. Es lobt und preist einen Gott, der einen Namen hat: Elohim, Jahwe, Zebaoth. Es lobt und preist einen Gott, der eine Person ist, ein Du, ein Ich, ein Wir. Diese göttliche Person ist so ehrerbietungswürdig, dass die Juden seinen Namen nicht aussprechen. Sie nennen ihn und schreiben deshalb bewusst falsch. Diese göttliche Person ist geistig zwar letztlich unfassbar, aber dennoch anfassbar (1. Joh 1:1). Dieser unfassbar große Gott ist fassbar geboren in diese Welt hinein als Mensch.

Dieser große Gott ist der Vater aller Menschen, seine Gebote gelten für alle Menschen. Er offenbart sich dem Menschen aus seiner Dreifaltigkeit heraus. Diese Dreifaltigkeit ist die Einheit des Füreinander, wie Hans Urs von Balthasar sie ausdrückt. In ihr ist der Vater die schenkende Liebe, das Ich. Er ist die hingebende Liebe, die Essenz der Liebe, Gott ist deshalb Liebe. Der Sohn ist die empfangende Liebe, das Du. Er ist die dankende Liebe, die Essenz der Liebe, Gott ist deshalb Liebe. Der Hl. Geist ist die ausführende, die handelnde Liebe, das Wir. Er ist die verbindende, vereinigende Liebe, die Essenz der Liebe, Gott ist deshalb Liebe. In der Dreifaltigkeit wird durch ihre göttlichen Personen Beziehung gelebt, mitgeteilt. Gott ist Beziehung und will Beziehung – zu seiner Schöpfung und zu den Menschen. In Jesus Christus erniedrigte er sich hinab zum Menschen, reicht seine Hand. Weiterlesen

Protestanten und Katholiken: Die Rechtfertigungslehre

Zwischen der Kirche und den evangelischen Gemeinschaften ist immer noch ungeklärt, wie die Mitwirkung des Menschen an seiner Erlösung zu verstehen ist. Luther sieht den Menschen durch die Erbsünde von Grund auf verdorben und somit nicht mehr fähig offen das Evangelium anzunehmen, für die katholische Kirche verblieb im Menschen nach dem Sündenfall ein Funken der Sehnsucht nach Gott. Deshalb hat er auch die Möglichkeit einen kleinen Schritt auf Gott zuzugehen. Gott und Mensch können demnach zusammenwirken, damit der Mensch erlöst wird. Gott würdigt auf diese Weise den Menschen. Nach Luther kann der Mensch dazu jedoch nichts beitragen. Augustinus fasste die katholische Rechtfertigungslehre folgendermaßen zusammen: „Gott, der uns ohne uns erschaffen hat, wollte uns nicht ohne uns erlösen“.
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Steckbrief: Dionysius Areopagita – Kirchenvater der Mystik

Der Hl. Paulus bekehrt in Athen Dionysius, einen Beisitzer des Areopags (Apg 17:34), dem Tagungsort des Hohen Rats. Laut Eusebius von Cäsarea wurde Dionysius später der erste Bischof von Athen (Hist. Eccl. 3,4). Im frühen 6. Jahrhundert benützt ein unbekannter christlicher Autor das Pseudonym Dionysius Areopagita. Er deutet den Neuplatonismus christlich um, lehnt sich dabei an die Werke von Proklos an und prägt mit seinem Gottesbild die christliche Mystik der nachfolgenden Jahrhunderte.

Für Dionysius ist Gott der „ganz jenseitige“, jenseits aller menschlichen Erkennbarkeit. Als der Eine und Vollkommene ist Gott jenseits allen Seins, das niemals erreicht wird. Gott selbst ist der Gute, der Seiende und ewig lebende, den man nicht endgültig erfassen kann, obwohl er Ursache, Anfang und Leben alles Seins ist. Eine Gotteserkenntnis kann nur durch Analogien geschehen, welche die Ursache von allem, jedoch nicht das Wesen dahinter erfasst. Man kann Attribute erkennen, was Gott nicht ist: beispielsweise endlich, in Raum und Zeit. Diese theologia negativa ist nur ein Versuch das Unsagbare auszusprechen. Was Gott ist (theologia positiva), kann nur von der biblischen Offenbarung Gottes ausgehen. So ist Gott größer als alles menschliche Bemühen. Weiterlesen