Aus der Vorurteilsforschung

Aus der Vorurteilsforschung

Die erste bedeutsame Thematisierung des Vorurteilsproblems findet sich in einer vom englischen Empiristen Francis Bacon im Jahre 1620 unter dem Titel „Novum Organum“ veröffentlichten Aphorismen-Sammlung. Bacon erläutert in Aphorismus 38, dass der Mensch nur mit Mühe die Wahrheit erkennen kann (aber es ist möglich). Hinderlich dafür sind die Trugbilder und Vorurteile, die Bacon als Idole betitelt und ebenso falsche Begriffe. Er unterscheidet vier interessante und durchaus modern anmutende Arten von Idolen:

  1. die Idole des Stammes, die in der Gattung des Menschen begründet sind, der nun einmal nie die ganze Wahrheit kennen kann;
  2. die Idole der „Höhle“, die individuell bei jedem vorhanden sind, denn jeder hat – so Bacon – eine Höhle oder eine spezifische Grotte, „welche das Licht der Natur bricht und verdirbt“;
  3. die Idole des Marktes als Folge des engen Beieinanderseins der Menschen, als Folge der Gemeinschaft und als Folge des Verkehrs mit anderen Menschen;
  4. die Idole des Theaters. Denn auf der großen Bühne geistiger Selbstdarstellung wurden „Philosophien erfunden, wurden für wahr unterstellt und sind in den Geist des Menschen eingedrungen. Philosophische Lehrmeinungen, Sekten, Prinzipien sowie Lehrsätze von Wissenschaften haben durch Tradition, Leichtgläubigkeit und Nachlässigkeit Geltung erlangt. Der menschliche Verstand muss vor ihnen auf der Hut sein.“

Die moderne Vorurteilsforschung findet ähnliche Gliederungen und Ursachen:

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Christlicher Glaubens-Check: die Ideologie/Philosophie der Partei der Grünen in Deutschland

Wollte der Marxismus die wirtschaftlichen Verhältnisse ändern, zielte die Philosophie der Frankfurter Schule im Neomarxismus darauf, die Kultur zu verändern. Aus einer gesellschaftlichen Revolution sollte auch eine kulturelle Revolution werden und beides kumulierte schließlich in die 68er-Bewegung. Hier sind auch die Grundlagen der Philosophie der grünen oder ökologischen Bewegung ab den 1970er Jahren zu suchen.

Kalter Krieg und sichtbare Schäden der Natur stellten das Wirken der kapitalistisch-technokratischen Machthaber in Frage und es entstanden eine Friedensbewegung und der Wunsch nach einer neuen Gesellschaft, die einen besseren Umgang mit der Natur forderte. Die grüne Philosophie wird zu einem Konglomerat von Gedanken des Neomarxismus, Gender, Feminismus, Pazifismus sowie Lehren fernöstlicher Philosophien und Naturreligionen, des Pantheismus, der Romantik und Esoterik. Wenige christliche Ansätze kommen dabei kaum zur Geltung. Diese Vielfalt an Grundlagen macht es schwer die einzelnen bestimmenden Weltanschauungen führender Persönlichkeiten innerhalb der grünen Politik zu identifizieren. Doch lassen sich aus den Aussagen führender Vordenker und dem Parteiprogramm der Grünen einige Schwerpunkte erkennen:

Es wird eine radikale Kritik an der westlichen Zivilisation geäußert und sie grundsätzlich abgelehnt. Deren Sichtweise über das Geschlecht, die Natur, den Menschen, die Moral wird als falsch interpretiert. Die Stellung der Volksgruppen zur sogenannten 3. Welt, dem Krieg, die Einstellung zur Religion, der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Natur, der Ernährung und der Medizin wird abgelehnt. Diese umfassende Auseinandersetzung mit den Problemen der Welt macht die grüne Philosophie deshalb sehr aktuell und attraktiv.

Tragen wir zunächst im Einzelnen die wichtigsten Kritikpunkte dieser Philosophie an der westlichen Zivilisation zusammen:
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Nur Liebe nimmt Liebe wahr

„Wo der Anspruch Jesu, der Anspruch der unbedingten Liebe nicht anerkannt wird, da muss er missverstanden werden: als Ausdruck einer persönlichen Anmaßung, als Ausdruck des Machtstrebens, als Ausdruck ebenjenes Geistes, der der Geist der Ankläger selbst ist. Quis cognoscit spiritum nisi ipse spiritus? – “Wer erkennt den Geist, wenn nicht der Geist selbst?” Nur Liebe nimmt Liebe als das wahr, was sie ist. Die in sich selbst verkrümmte Selbstbehauptung kann überall nur wieder Selbstbehauptung wahrnehmen und ist blind für das Göttliche, für die Liebe.“

aus Robert Spaemann: Meditation eines Christen. Über die Psalmen 1-51, S. 274; Stuttgart 2014