Gog und Magog – Eine kleine Geschichte der Endzeit

In einigen christlichen Gemeinden stehen vor allen die Berechnung oder Auslegung der kommenden Endzeit im Mittelpunkt. Biblische Aussagen, wer etwa Gog und Magog (Ez 38 und 39; Offb 20:8) sind, werden unmittelbar in das politische Geschehen der Jetztzeit übertragen und daraus Voraussagen für die Zukunft getätigt. Diese Art der Bibelauslegung hat eine lange Geschichte und sie funktioniert nicht, seid sie durchgeführt wird. Hier ein paar Beispiele: Weiterlesen

Christusorte – Der Teenager Jesus im Tempel von Jerusalem

In Lk 2:41-47 erzählt uns der Evangelist Lukas, wie der 12-jährige Jesus während einer Pilgerreise nach Jerusalem im Tempel „unter den Lehrern“ sitzt. Die Eltern von Jesus gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem, um eine jüdische Verpflichtung zu erfüllen. Sie besagt, dass ein Jude dreimal im Jahr, zu pesach, zum Wochenfest (shawout) und zum Laubhüttenfest (sukkot), nach Jerusalem zu pilgern hat. Dies gründet biblisch in den drei Texten von Ex 23:14-17, Ex 34:18-23 und Dtn 16:16-17. Allerdings hatten dieses Gebot nur Juden genau zu befolgen, die im Umkreis einer Tagesreise von Jerusalem wohnten. Wer weiter entfernt wohnte, musste nur einmal im Jahr wallfahren. Juden in der Diaspora genügten dem Gebot, wenn sie mindestens einmal im Leben nach Jerusalem pilgerten. Als Galiläer hatten die Eltern von Jesus einmal im Jahr nach Jerusalem zu wallfahren. Sie wählten dafür das Paschafest. Die Mischna (Chagiga 1,1) informiert über die zur Wallfahrt verpflichteten Personen: Es sind ausschließlich die Männer. Weiterlesen

Stoa und Christentum

Um 300 v. Chr. formulierte Zenon von Kition erstmals Grundzüge der sogenannten Stoa. Ihr ist eine kosmologische, ganzheitliche Welterfassung zu eigen, die auf ein waltendes universelles Prinzip zurückgeführt wird. Das Individuum hat ihren Platz in dieser Ordnung zu erkennen, auszufüllen und durch Selbstbeherrschung zu akzeptieren. Gelassenheit und Seelenruhe sollen dabei Weisheit fördern.

Die Wirkung der stoischen Weltanschauung auf die Menschen in hellenistischer und nachhellenistischer Zeit war gewaltig. Philosophie und Religiosität gingen ein unlösliches Band ein. Deshalb war die stoische Weltanschauung gerade unter Heidenchristen Herausforderung und Prägung zugleich, ähneln sich doch einige Aussagen. Die große Zeit der Stoa ging schließlich erst um 300 n. Chr. zu Ende und beeinflusste damit noch Kirchenväter und Kirchenlehrer. Weiterlesen

Spurensuche: Gaza

Der Gazastreifen liegt im südlichen Palästina am Mittelmeer und hat eine Länge von 40 Kilometer und eine Breite von 10 Kilometer. Er wird von etwa 1,8 Millionen arabischer Palästinenser bewohnt, die Hälfte davon Jugendliche. Er ist damit eine der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt. Zwei Drittel der Bevölkerung sind Flüchtlinge und ihre Nachkommen, die in den Kriegen von 1948 und 1963 ihre Heimat verlassen mussten. Sie sind auf acht Flüchtlingslager verteilt.

Eine hohe Besiedlungsdichte und das israelische Embargo machen den Gazastreifen zu einem unruhigen Gebiet. Der israelisch-palästinensische Konflikt erschwert die Lebensbedingungen, insbesondere seit die Hamas die Herrschaft in Gaza übernommen hat. Die meisten Menschen verfügen über weniger als zwei Dollar pro Tag, 80% sind auf humanitäre Hilfe internationaler Organisationen angewiesen. Es herrschen Armut und Arbeitslosigkeit, es mangelt an medizinischer Versorgung und es fehlt Trinkwasser. Christen bilden eine Minderheit von etwa 1300 Personen (davon 130 Katholiken) und obwohl sie das gleiche Schicksal mit ihren muslimischen Mitbürgern teilen, werden sie oft wegen ihres Glaubens als Kollaborateure des Westens beschuldigt, benachteiligt und verfolgt. Weiterlesen

Christusorte: Die Grabeskirche in Jerusalem

Am 13. Juni 313 wurde das „Mailänder Edikt“ verkündet, welches das Christentum als „religio licita“ einstufte, als erlaubte Religion, gleichberechtigt neben anderen Religionen. Diese Religionsfreiheit sollte ein Garant für das Wohlergehen des Staates sein, so jedenfalls hofften die römischen Kaiser Licinius und Konstantin. Auch für das Hl. Land war das Mailänder Edikt von Bedeutung, Palästina ist Teil des römischen Weltreichs. Hier wurden Christen bisher vom Staat verfolgt, viele Märtyrer gingen aus dieser Verfolgung hervor. Kaiser Diokletian wütete Anfang des 4. Jahrhunderts besonders grausam gegen Christen auf palästinensischen Boden. Jedoch unterstand das Hl. Land 313 noch nicht Konstantin, sondern seinem Mitkaiser Licinius, der im Osten des Reiches regierte. Als er mit Konstantin in Konflikt geriet, begann Licinius wieder mit Verfolgung und Unterdrückung von Christen. So wurden um das Jahr 320 vierzig christliche Soldaten der Legio Fulminata getötet, weil sie sich den Opfern an heidnischen Gottheiten verweigerten. Weiterlesen

Die hebräische Mischna

Die hebräische Mischna

Der Talmud, eine mehrbändige Sammlung der nachbiblischen religiösen Gesetzgebung der Juden, besteht aus zwei Textsammlungen: Der hebräische Mischna und der aramäische Gemara. Die Gemara enthält die Diskussionen und Erklärungen der späteren jüdischen Gelehrten der Mischna, den Amoräern. Der Talmud löst die Tora als Gegenstand traditionellen jüdischen Lernens ab, ganz nach dem Weisheitsspruch: „Die Schrift ist endlich, aber die Auslegung ist unendlich“. Für Christen ist jedoch die Mischna interessant, weil sie neben der Sammlung religiöser Texte auch wertvolle Informationen über Leben und Glauben des jüdischen Volkes zur Zeit Jesu und der frühen Kirche beinhaltet.

In Bezug auf die Mischna sind die Soferim die ältesten Traditionsvermittler. Der sofer (Schreiber, Plural soferim) ist im AT ursprünglich ein schriftkundiger Beamter, ein Gelehrter und Kenner des Gesetzes. In der hellenistischen Zeit wandte sich ein Teil der höheren Priesterschaft der griechischen Kultur zu und Traditionen wurden vernachlässigt. Die Soferim stellten sich dabei dieser Entwicklung entgegen. Sie wurden zu den Hütern der Tora und lösten die Priester ab, womit sie sich folgerichtig auch zu Lehrern des Volkes etablierten und das religiöse Leben kontrollierten. Während der Zeit des NT war diese Entwicklung schon abgeschlossen. Hier werden die Führer des Volkes bereits als grammateis (Schriftgelehrte) bezeichnet, es entspricht dem hebräischen soferim. Flavius Josephus nennt sie „Ausleger des Gesetzes“ (Ant XVII 6.2; XVIII 3.5). In der Mischna jedoch wird der Ausdruck sofer nur für Gelehrte und Autoritäten der früheren Zeit benützt.
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Christusorte: Sepphoris

Ganz in der Nähe von Nazareth, dem Wohnort von Jesus, liegt Sepphoris im Unterland von Galiläa, am Rande des Beit-Netofa-Tals. In der Hl. Schrift findet sich die Stadt nicht, doch könnte sie eine große Rolle während der „verborgenen Jahre“ Jesu gespielt haben. Sepphoris lag damals an zwei wichtigen Verkehrswegen: an der Via Maris, eine nach Nordosten laufende Verbindung, und an der Straße zwischen dem See Gennesaret und der Hafenstadt Ptolemais (Akko) am Mittelmeer. Schon der Talmud rühmt das Umland der Stadt als sehr fruchtbar. Auf Hebräisch heißt die Stadt „tzippori“, d. h. „Vogel“, weil sie auf einen Berg liegt, wie ein Vogel auf einen Ast sitzt. Die griechische Form des Namens lautet Sepphoris, die vor allen der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus benützt. Weiterlesen

Spurensuche – Der Abendmahlsaal

In Mk 14:12-15 lesen wir: Am ersten Tag der Ungesäuerten Brote, da man das Paschalamm schlachtete, sagten seine Jünger zu ihm: »Wo willst du, daß wir hingehen und für dich das Essen des Paschamahles bereiten?« Er schickte zwei seiner Jünger weg und sagte zu ihnen: «Geht in die Stadt und es wird euch einer begegnen, der einen Wasserkrug trägt; dem folgt, und wo er hineingeht, da sagt zu dem Herrn des Hauses: Der Meister läßt sagen: Wo ist meine Herberge, darin ich das Pascha esse mit meinen Jüngern? Er wird euch ein großes Obergemach zeigen, das, mit Polstern versehen, bereitsteht. Dort bereitet es für uns!« Über die Lage dieses Hauses sprechen die Evangelien nicht zu uns. Dies kann aber auch dafür sprechen, dass dieses Haus in der Zeit der Evangelisten allen bekannt war. Ebenso muss Jesus dem Besitzer des Saales bekannt gewesen sein, dahin weist die Selbstverständlichkeit der Anfrage. Wir erfahren also nur die Tatsache, dass der Abendmahlsaal ein Raum im Obergeschoss war, was auf eine begüterte Familie als Besitzer hinweist.

Auch nach Jesu Tod kann es nur dieses Obergemach gewesen sein, wo sich die Jünger „am Abend des ersten Tages der Woche“ versammelten und wo Thomas seine Finger in die Seite des Herrn legen durfte. Der Evangelist Lukas lokalisiert wie selbstverständlich in seiner Apostelgeschichte das feste Zuhause der Apostel nach der Himmelfahrt des Herrn im Obergemach (Apg 1:12-14). So wird dieses Obergemach zum Ort des Letzten Abendmahls sowie zum Versammlungsort der Christen in Jerusalem, die erste Urkirche. Letztlich geschah hier auch das Pfingstereignis, als sich der Hl. Geist mit Feuerzungen auf die Versammelten niederließ. Weiterlesen

Welche Sprache(n) spricht Jesus?

Alle Quellen, die über Jesus berichten, sind in griechisch verfasst, müssen deshalb ursprünglich aber nicht in griechisch geschrieben worden sein. Nur wenige Worte Jesu sind im originalen Wortlaut erhalten. So „Abba“ oder „Eli, Eli, lema sabachtani“. Das Hl. Land war zur Zeit Jesu mehrsprachig (siehe Inschrift des Pilatus an Jesu Kreuz). Man sprach aramäisch, hebräisch, griechisch und lateinisch. Die meisten Bewohner sprachen tatsächlich mehrere Sprachen, wenn auch unterschiedlich gut und in verschiedenen Situationen. Es gab verschiedene Bevölkerungsgruppen und Religionen und diese ethnischen und religiösen Unterschiede spiegelten sich auch in der Sprache wider. Der bedeutende Teil der Bevölkerung waren Juden, aber auch jene waren sprachlich nicht einheitlich. Das Hl. Land gehörte damals zum Römischen Reich, die Sprache der herrschenden Klasse, der Verwaltung, war die der Osthälfte des Römischen Reiches: griechisch. Lateinisch war die Sprache des Zentrums, Rom, die vor allem im zentralisierten Militär wichtig war. Als Unruheherd hatte in der Provinz Palästina das Militär und damit Latein einen höheren Stellenwert. Welche Sprache(n) spricht Jesus also? Hier ein kleiner Überblick und vielleicht eine Antwort auf diese Frage:

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Qumran und die Essener

Die Funde von Qumran wecken immer wieder das Interesse der Öffentlichkeit. Dabei konzentrieren sich die Diskussionen meist auf die archäologischen Entdeckungen und die Ruinen, auf die in der Nähe gefundenen Schriftrollen sowie auf die jüdische Gruppierung der Essener. In Hypothesen werden alle drei Punkte zusammengefasst, die besagen, dass in Qumran eine Mönchsgemeinschaft lebte, die in Höhlen eine Sammlung von Schriftrollen einlagerten. Diese Gemeinschaft sind die Essener. Doch in diesen hergebrachten Theorien gibt es Ungereimtheiten, nicht alle Fragen werden beantwortet.

Die Ruinen von Qumran wurden im 19. Jahrhundert bekannt. Zunächst wenig beachtet, änderte sich dies mit dem Fund der Schriftrollen 1947. Nun erst folgten umfangreiche Ausgrabungen, nach denen man die Geschichte von Qumran in etwa einordnen konnte. So reichen erste Spuren einer Befestigungsanlage in das 8. Jahrhundert vor Christus zurück, die etwa 200 Jahre genutzt wurde. Sehr viel später fand eine Wiederbesiedelung statt, zunächst als befestigte Wegstation unter Johannes Hyrkanus I. (134-104 v. Chr.), dann unter seinem Nachfolger Alexander Jannai als nun unbefestigte, aber erweiterte Siedlung. 31 v. Chr. wurde diese bei einem Erdbeben zerstört und der Ort blieb 30 Jahre unbewohnt. Um Christi Geburt wurde Qumran wieder aufgebaut. Den Bewohnern war dabei Schutz und Abschottung sehr wichtig. Römische Truppen zerstörten diese Ansiedlung dann 68 n. Chr. und nutzten sie nur noch wenige Jahre als kleine Garnison. Weiterlesen