Romano Guardini: Die Klarheit in der religiösen Erfahrung 

Romano Guardini: Die Klarheit in der religiösen Erfahrung 

O Gott, Du trägst alles Seiende über dem Abgrund des Nichts und durchströmst es mit Deiner Macht, so daß es ist, und sich regt, und lebt. Und allen Dingen hast Du einen Funken Deiner Klarheit eingegeben, denn nur von Dir, dem Vater des Lichtes, haben sie ihre Wahrheit und ihren Wert.

Alles ist von Deinem Hauch durchwaltet und von Deinem Geheimnis erfüllt. Jedes Ding weist den Geist des Menschen über sich hinaus zu einem Höheren, als es selbst ist, und läßt sein Herz eine Mächtigkeit ahnen, die nicht aus seinem Eigenen kommt.

Daraus entstehen überall unter den Völkern und im einzelnen Menschen die Bilder und Gedanken vom Göttlichen. Sie enthalten oft einen tiefen Sinn, der das Herz berührt und Heil verheißt, aber auch Verworrenes und Böses, das in die Irre führt.

So bitte ich Dich, öffne mein Herz dem Geheimnis, das sich überall bezeugt; behüte es aber auch vor der Verführung, die von ihm ausgehen kann. Mache mein Gewissen sicher, daß es allezeit das Gute gut nenne, und das Böse bös. Erleuchte meinen Geist, daß er zu unterscheiden vermöge, was zu Dir, dem wahrhaft Heiligen, hinführt, und was von Dir wegführt in Irre und Trug.

Amen.

Romano Guardini: Theologische Gebete; AD1944

Der Heilsplan Gottes für uns Menschen

Jesu Botschaft richtet sich an alle Menschen; der Menschheit als Ganzem und an jedem einzelnen. Die Heilsgeschichte Gottes für die Menschheit wurde von einem einzigen Volk, einzelnen Menschen abhängig gemacht. Das Heil haftet nicht an der Ebene der Natur, nicht an einer bestimmten, idealen Person, sondern im Raum und nach Art der Geschichte. Das Heil wird durch die Geschichte begründet. Diese geschieht in Entscheidungen, in den Handlungen einzelner, welche für die Existenz der Gesamtheit und der Folgezeit bestimmend sein wird. Die Tat eines einzelnen kann in der allgemeinen Geschichte zum Anfang oder zur Wende des Geschehens für viele oder alle werden.
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Ethik ohne Lohn? Ein Denkfehler der Postmoderne

Die Ethik der Postmoderne ordnet das Lohnmotiv in eine niedere sittliche Stufe ein; eine fortgeschrittene, gar eine christliche Gesinnung kann damit nichts mehr anfangen. Irgendwie stimmt diese Behauptung ja auch. Etwas zu tun, um ein Ziel zu erreichen, lässt mich in den notwendigen Zusammenhang von Zweck und Mittel treten. Diese praktische Notwendigkeit bindet mich. Etwas zu tun, weil es recht ist, hebt diesen Zusammenhang auf, es ist kein Zweck und kein Mittel mehr vorhanden, nur mehr der sittliche Sinn, die Erfüllung der Pflicht. Nun bin ich nur mehr meinem Gewissen in Freiheit gebunden. Einen Zweck kann man auch unfrei erfüllen, den Sinn nicht. Diese Freiheit hat etwas Großes, Großmütiges, das sich durch den Hinweis auf einen Lohn erniedrigt fühlt. Etwas Gutes zu tun, soll seinen Sinn in sich selbst besitzen, nichts darf mehr hinzutreten, schon gar nicht ein Lohngedanke. Etwas abfällig wählt die Neuzeit für einen solchen Menschen den Begriff „Gutmensch“. Weiterlesen

Das widersprüchliche Menschenbild der Postmoderne

Das widersprüchliche Menschenbild der Postmoderne

Gott ruft den Menschen an, begründet ihn somit im Sein, dadurch wird der Mensch erst Person. Nur von hierher kann der Mensch verstanden werden, sobald man es anderswoher versucht, verfehlt man ihn. Dann gebraucht man noch das Wort „Mensch“, aber seine Wirklichkeit ist nicht mehr vorhanden. In der Neuzeit zeigt sich etwas Eigentümliches: Viele Menschen, die geistig Maß und Ton bestimmen, lösen sich von Gott ab. Sie erklären sich für autonom, für fähig und befugt sich selbst das Gesetz des Lebens zu geben. In dieser Haltung wird der Mensch als absolut gesetzt. Alle Eigenschaften Gottes nimmt der Mensch nun an sich, verlegt sie in sich hinein. Er sei nun reif und fähig zu entscheiden, was gut und böse, was gewollt werden soll und was nicht gewollt werden darf. Daneben läuft noch eine andere Linie: es wird gesagt, der Mensch sei ein Lebewesen wie alle sonst. Seine Geistigkeit geht aus dem Biologischen hervor, und dieses aus der Materie. Der Mensch sei ein höher entwickeltes Tier, er löst sich in die stumme Stofflichkeit auf.

Beide widersprüchlichen Antworten laufen zur selben Zeit nebenher und heben sich gegenseitig auf. Beide widersprüchlichen Antworten kommen aus derselben Wurzel und zeigen auf, wie sich der Mensch heute missversteht, wenn er sein Auf-hin zu Gott verlässt, welches sein Wesen begründet. Eine Antwort sagt: mein Geist ist der absolute Geist, ich bin in meinem Kern mit Gott identisch. Der gleiche Mensch gibt die zweite Antwort: es gibt überhaupt keinen Geist, was man Geist nennt ist das Erzeugnis des Gehirns, eine höhere Gliederung dessen, was der tote Stoff ist. Weiterlesen

Sich selbst annehmen und lieben

Sich selbst annehmen und lieben

Ich bin Ich, nicht vom Wesen, sondern bin mir „gegeben“. Ich habe mich also empfangen (von Gott).

Überhaupt gegeben – Nicht als Menschen einfachhin, sondern als diesen Menschen: diesem Volk zugehörig, dieser Zeit, von diesem Typus und diesen Anlagen. Bis zu jenen letzten Bestimmtheiten, die es überhaupt nur einmal gibt, nämlich in mir; jener letzten Eigenart, die macht, dass ich in allem, was ich tue, mich selbst wiedererkenne, und die sich in meinem Namen ausdrückt.

Ich soll sein wollen, der ich bin; wirklich ich sein wollen, und nur ich. Ich soll mich in mein Selbst stellen, wie es ist, und die Aufgabe übernehmen, die mir dadurch in der Welt zugewiesen wird. Weiterlesen

Den Sabbat richtig halten

Gott hatte seine Schöpfung zuvor auf den Menschen und für den Menschen vorbereitet. Erst am letzten Schöpfungstag schuf er den Menschen, damit er von Anbeginn an Luft zum atmen, Nahrung und Licht erhält, alles was er zum Leben braucht. Es war alles sehr gut und Gott konnte nun ruhen. Gott entsandte den Menschen ebenfalls in diese Ruhe, denn alles, was er nötig hatte, wurde ihm gegeben, war schon vorhanden. Der Sabbat sollte den Israeliten ein Zeichen sein: Gott ist ihr Versorger.

Ausdrücklich wies Gott die Israeliten bei ihrer Wüstenwanderung darauf hin, dass er ihnen das göttliche Brot, das Manna, das Leben auch am 7. Tag, dem Sabbat geben wird. In Ex 16:29 lesen wir: „Seht doch, daß der Herr euch den Sabbat gegeben hat; darum gibt er euch am sechsten Tag Brot für zwei Tage! Bleibe also ein jeder daheim, niemand verlasse am siebten Tag seine Wohnstätte!“ Doch die Menschen wollen nicht daran glauben, damals wie heute ziehen sie aus, um doch selbst zu sammeln, zu arbeiten für ihr geistiges und leibliches Brot, auch am Sonntag. Weiterlesen

Was ist im Leben absolut sicher?

Was ist im Leben absolut sicher?

Und zwar so sicher, dass man damit leben und sterben kann, dass alles im Dasein, im Leben dahinein verankert werden kann? Menschen können es nicht sein, selbst die besten und liebsten, das lehrt uns das Leben. Auch die Wissenschaft, die Philosophie, die Kunst oder überhaupt alles aus Menschenkraft können es nicht sein. Zu sehr ist in diesen Bereichen Wandel und Veränderung. Die Natur kann es nicht sein, sie ist voll tiefen Trug, weder die Zeit noch das Schicksal oder der Tod, denn er ist nur dunkler Übergang ins hoffnungsvolle Licht. Nicht einmal nur Gottvater, denn sein Zorn ist ja gerade über unsere Sünde erwacht und somit auch bis dahin nicht die Liebe Gottvaters. Was ist also absolut sicher, so dass es uns trägt? Weiterlesen