Thomas von Aquin. Über Recht und Staat

Der vorangegangene Beitrag behandelte die Lehren von Thomas von Aquin über Erkenntnis, Anthropologie, Ethik, Moral und Kunst. Der Dominikanermönch, der von 1224 bis 1274 lebte, machte sich ebenso Gedanken über das Recht und den Staat.

Thomas stellt die Frage: Was ist die Grundlage des Rechts?

Er kommt dabei zu der Überzeugung, dass es das Naturrecht ist. Dieses kommt von der Natur des Menschen. Der Mensch hat Sehnsucht nach Leben, Selbsterhaltung, Selbstentfaltung. Er strebt nach Partnerschaft, Familie, Wissen, Wahrheit und wahrer Information. Er hat ein Recht auf Bildung, Gemeinschaft und Gesellschaft.

Er fährt nun in seinen Fragestellungen fort: Wie müssen dann die menschlichen und staatlichen Gesetze beschaffen sein? Weiterlesen

Bernhard von Clairvaux – Der erste Mystiker des Abendlands

Der Zisterziensermönch Bernhard von Clairvaux lebte von 1090 bis 1153 und gilt als der Vater der abendländischen Mystik. Der Aufstieg hin zu Gott gelingt für ihn in mehreren Schritten und Einsichten.

  1. Nicht der Verstand und die Vernunft, sondern die Demut ist Ausgangspunkt, um Gott erkennen zu können. Nur die Demut kann das Ich zum Schweigen bringen. Das Ich ist es nämlich, das Vorstellungen von Gott produziert, so dass Gott nicht wirken kann. Die Demut ist es jedoch, in der das Du Gottes hörbar wird. In der Philosophie spricht der Mensch mit Gott, in der Mystik spricht Gott zum Menschen.
  1. Die Erkenntnis der Wahrheit ist an die Liebe zu Gott gebunden. Nur die Liebe öffnet durch die Hingabe an Gott die Augen. So kann es zu einer inneren vertrauten, persönlichen Begegnung mit Gott kommen, Gott kann den Menschen im Herzen erfassen. Er ist ein Du, kein Es, er ist erfahrbar. Es folgt die Ekstase, die Verbindung mit Gott.
  1. Die Ekstase bedeutet das Heraustreten der Seele aus dem Menschen zur geistigen Vereinigung mit Gott. Sie ist geheimnisvoll, eben mystisch, denn Gott allein besucht, erfasst, entzündet die Seele. Keine Technik ermöglicht den Aufstieg hin zu Gott, es gilt sich einzig für Gott bereit zu halten, damit er herab kommt. Der Mensch ist dafür geschaffen nach dem Absoluten zu streben. Nur dort erlangt er Erfüllung, nicht im Endlichen. Die Begegnung mit Gott hebt Raum und Zeit auf.

Der hl. Bernhard hält demnach als Fazit folgende Voraussetzungen fest, um in eine Vereinigung mit Gott genommen zu werden, damit die Begegnung mit dem Du Gottes erfolgt:

  1. Demut
  2. Schweigen
  3. Liebe
  4. Hingabe

 

der emmauspilger

S.D.G.

Christi Himmelfahrt – und jetzt? Vom dreifachen Advent

Mit der Geburt des Herrn Jesus Christus, seiner Menschwerdung, erfahren wir das Heil. Diese Erfahrung ist nicht etwas, was sich in der Vergangenheit zugetragen, es ist eine Erfahrung des „Heute“, der Gegenwart, des neuen Augenblicks. Das Kommen des Herrn kennen wir in zweifacher Form: Als erstes in der Ankunft in Demut, als kleines Kind in der Krippe, welches unser Retter ist, der in Schwachheit verschied und durch seine lebendige Himmelfahrt als Auferstandener siegte sowie als zweites in der Wiederkunft des Königs und Richters Jesus Christus in Herrlichkeit am Ende aller Zeiten. Und in der Zeit dazwischen? Sind wir Christen nach der Himmelfahrt des Herrn denn verlassen, nur auf „stand-by“? Bernhard von Clairvaux spricht hier von einer weiteren Ankunft Jesu. Er nennt sie den „mittleren Advent“, es ist die „Gottesgeburt im Menschen“.

Dieses mittlere Kommen des Herrn, der „mittlere Advent“, ist keine Erfindung des hl. Bernhard. Es wird bestätigt durch Jesu Wort in Joh 14:23: „Jesus antwortete ihm: »Wenn einer mich liebt, wird er mein Wort bewahren, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen …“. Es ist eine wunderbare Verheißung: der Vater und der Sohn nehmen im „heute“ in uns Menschen Wohnung, weil wir die göttliche Liebe in uns tragen, eine Liebe, die uns zuvor geschenkt ist. Weiterlesen