Spurensuche: Gaza

Der Gazastreifen liegt im südlichen Palästina am Mittelmeer und hat eine Länge von 40 Kilometer und eine Breite von 10 Kilometer. Er wird von etwa 1,8 Millionen arabischer Palästinenser bewohnt, die Hälfte davon Jugendliche. Er ist damit eine der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt. Zwei Drittel der Bevölkerung sind Flüchtlinge und ihre Nachkommen, die in den Kriegen von 1948 und 1963 ihre Heimat verlassen mussten. Sie sind auf acht Flüchtlingslager verteilt.

Eine hohe Besiedlungsdichte und das israelische Embargo machen den Gazastreifen zu einem unruhigen Gebiet. Der israelisch-palästinensische Konflikt erschwert die Lebensbedingungen, insbesondere seit die Hamas die Herrschaft in Gaza übernommen hat. Die meisten Menschen verfügen über weniger als zwei Dollar pro Tag, 80% sind auf humanitäre Hilfe internationaler Organisationen angewiesen. Es herrschen Armut und Arbeitslosigkeit, es mangelt an medizinischer Versorgung und es fehlt Trinkwasser. Christen bilden eine Minderheit von etwa 1300 Personen (davon 130 Katholiken) und obwohl sie das gleiche Schicksal mit ihren muslimischen Mitbürgern teilen, werden sie oft wegen ihres Glaubens als Kollaborateure des Westens beschuldigt, benachteiligt und verfolgt. Weiterlesen

Christusorte: Die Grabeskirche in Jerusalem

Am 13. Juni 313 wurde das „Mailänder Edikt“ verkündet, welches das Christentum als „religio licita“ einstufte, als erlaubte Religion, gleichberechtigt neben anderen Religionen. Diese Religionsfreiheit sollte ein Garant für das Wohlergehen des Staates sein, so jedenfalls hofften die römischen Kaiser Licinius und Konstantin. Auch für das Hl. Land war das Mailänder Edikt von Bedeutung, Palästina ist Teil des römischen Weltreichs. Hier wurden Christen bisher vom Staat verfolgt, viele Märtyrer gingen aus dieser Verfolgung hervor. Kaiser Diokletian wütete Anfang des 4. Jahrhunderts besonders grausam gegen Christen auf palästinensischen Boden. Jedoch unterstand das Hl. Land 313 noch nicht Konstantin, sondern seinem Mitkaiser Licinius, der im Osten des Reiches regierte. Als er mit Konstantin in Konflikt geriet, begann Licinius wieder mit Verfolgung und Unterdrückung von Christen. So wurden um das Jahr 320 vierzig christliche Soldaten der Legio Fulminata getötet, weil sie sich den Opfern an heidnischen Gottheiten verweigerten. Weiterlesen

Sind Araber die Söhne Ismaels?

Muslimische Araber betrachten sich als Nachkommen Ismaels, dem erstgeborenen Sohn Abrahams im Alten Testament. Doch diese Gleichsetzung Ismaeliter – Araber war nicht von Anfang an gegeben. In der biblischen Überlieferung ist Ismael nicht von zentraler Bedeutung. Er steht in Konkurrenz zum zweitgeborenen Sohn Isaak, dem Sohn der Verheißung. Diese Konkurrenz erhielt in der nachbiblischen Tradition und besonders in der heutigen Zeit seine Brisanz, weil man damit das Verhältnis der Brudervölker Israeliten und Araber sowie der Schwesternreligionen Judaismus und Islam erklären oder entschuldigen will.

Die Geschichte der Ismaeliten lässt sich jedoch nicht auf den einfachen Nenner reduzieren, sie seien die heutigen Araber. In den biblischen und antiken Texten findet sich nichts, was dafür sprechen würde. Es ist bereits schwierig den Lebensraum der Ismaeliten zu lokalisieren, einzig klar ist, dass sie außerhalb des Siedlungsgebiets Israels lebten. Man erhält Hinweise auf Orte und Gegenden südwestlich, östlich und südöstlich Israels. Etwas erhellender wird die Lokalisierung, wenn man die Siedlungsgeschichte und die Geografie der Ismaeliten in verschiedene Phasen unterteilt. Weiterlesen

Christusorte – Nazareth

In Betlehem wurde Jesus geboren, aber seine Heimat war Nazareth. Sein Beiname „der Nazarener“ kann auf seine Herkunft und Heimat hinweisen. Als Erwachsener ist Jesus nicht mehr nach Betlehem zurückgekehrt. Nazareth war damals allerdings nur ein kleiner, unbedeutender Ort in Galiläa und wohl nicht sehr anerkannt, wie der Ausspruch von Nathanael in Joh 1:46 bezeugt: „Aus Nazareth? Kann von dort etwas Gutes kommen?“

Im Alten Testament erfährt man nichts über Nazareth. Auch der jüdische Schriftsteller Josephus Flavius erwähnt es nicht. Aus den synoptischen Evangelien jedoch werden uns zwei Dinge überliefert: Der Ort hatte eine Synagoge, die Jesus am Sabbat besuchte, um aus der Jesaia-Rolle vorzulesen, die sich auf seine Sendung bezog (Lk 4:16-17). Der Standort einer Synagoge in Nazareth lässt dann doch einen etwas größeren Ort vermuten. Und weiter wird überliefert, dass am Rand der Stadt ein Bergabhang lag, über den das zornige Volk Jesus nach seiner Rede hinabstürzen wollte (Lk 4:28-30). Weiterlesen

Spurensuche – Der Abendmahlsaal

In Mk 14:12-15 lesen wir: Am ersten Tag der Ungesäuerten Brote, da man das Paschalamm schlachtete, sagten seine Jünger zu ihm: »Wo willst du, daß wir hingehen und für dich das Essen des Paschamahles bereiten?« Er schickte zwei seiner Jünger weg und sagte zu ihnen: «Geht in die Stadt und es wird euch einer begegnen, der einen Wasserkrug trägt; dem folgt, und wo er hineingeht, da sagt zu dem Herrn des Hauses: Der Meister läßt sagen: Wo ist meine Herberge, darin ich das Pascha esse mit meinen Jüngern? Er wird euch ein großes Obergemach zeigen, das, mit Polstern versehen, bereitsteht. Dort bereitet es für uns!« Über die Lage dieses Hauses sprechen die Evangelien nicht zu uns. Dies kann aber auch dafür sprechen, dass dieses Haus in der Zeit der Evangelisten allen bekannt war. Ebenso muss Jesus dem Besitzer des Saales bekannt gewesen sein, dahin weist die Selbstverständlichkeit der Anfrage. Wir erfahren also nur die Tatsache, dass der Abendmahlsaal ein Raum im Obergeschoss war, was auf eine begüterte Familie als Besitzer hinweist.

Auch nach Jesu Tod kann es nur dieses Obergemach gewesen sein, wo sich die Jünger „am Abend des ersten Tages der Woche“ versammelten und wo Thomas seine Finger in die Seite des Herrn legen durfte. Der Evangelist Lukas lokalisiert wie selbstverständlich in seiner Apostelgeschichte das feste Zuhause der Apostel nach der Himmelfahrt des Herrn im Obergemach (Apg 1:12-14). So wird dieses Obergemach zum Ort des Letzten Abendmahls sowie zum Versammlungsort der Christen in Jerusalem, die erste Urkirche. Letztlich geschah hier auch das Pfingstereignis, als sich der Hl. Geist mit Feuerzungen auf die Versammelten niederließ. Weiterlesen

Welche Sprache(n) spricht Jesus?

Alle Quellen, die über Jesus berichten, sind in griechisch verfasst, müssen deshalb ursprünglich aber nicht in griechisch geschrieben worden sein. Nur wenige Worte Jesu sind im originalen Wortlaut erhalten. So „Abba“ oder „Eli, Eli, lema sabachtani“. Das Hl. Land war zur Zeit Jesu mehrsprachig (siehe Inschrift des Pilatus an Jesu Kreuz). Man sprach aramäisch, hebräisch, griechisch und lateinisch. Die meisten Bewohner sprachen tatsächlich mehrere Sprachen, wenn auch unterschiedlich gut und in verschiedenen Situationen. Es gab verschiedene Bevölkerungsgruppen und Religionen und diese ethnischen und religiösen Unterschiede spiegelten sich auch in der Sprache wider. Der bedeutende Teil der Bevölkerung waren Juden, aber auch jene waren sprachlich nicht einheitlich. Das Hl. Land gehörte damals zum Römischen Reich, die Sprache der herrschenden Klasse, der Verwaltung, war die der Osthälfte des Römischen Reiches: griechisch. Lateinisch war die Sprache des Zentrums, Rom, die vor allem im zentralisierten Militär wichtig war. Als Unruheherd hatte in der Provinz Palästina das Militär und damit Latein einen höheren Stellenwert. Welche Sprache(n) spricht Jesus also? Hier ein kleiner Überblick und vielleicht eine Antwort auf diese Frage:

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Spurensuche: Konstantinische Bauwerke im Hl. Land

Betlehem – Die Geburtskirche
Die Geburtskirche in Betlehem wurde zwar von Kaiser Konstantin geplant, als Miterbauerinnen werden jedoch zwei Frauen genannt: Helena, die Mutter des Kaisers, und Eutropia, seine Schwiegermutter. Eusebius berichtet über die Innenausstattung der Kirche nur, dass sie mit reichen Weihegeschenken und kostbarem Schmuck versehen war.
Heute zeigt sich die Geburtskirche nicht mehr in jener Gestalt, die ihr Konstantin und Helena durch ihre Architekten gaben. Kaiser Justinian (500-550) unterzog sie bedeutenden Veränderungen. Archäologische Untersuchungen lassen jedoch den ehemaligen konstantinischen Plan erahnen. So entdeckt man bei einem Besuch der Grabeskirche noch die Mosaike der konstantinischen Fußböden. Weiterlesen