Der islamische Wallfahrtsort Nebi Musa

An der Straße von Jerusalem Richtung Totes Meer weist ein Schild kurz vor der Abbiegung nach Jericho auf Nebi Musa hin. Nach ein paar hundert Metern trifft man mitten in der judäischen Wüste auf eine prächtige Karawanserei. Grüne und weiße Kuppeln bekrönen sie, ein ausgedehntes Friedhofsgelände umgibt sie. „Nebi“ oder auch „Nabi“ bedeutet im Arabischen „Prophet“ und „Musa“ ist der Name für Moses. Der große Komplex ist fast quadratisch und in der Mitte befindet sich eine Moschee. Davon etwas abgesondert erblickt man einen sechs Meter langen und zwei Meter hohen Kenotaph. Im Hof der Karawanserei sind Zisternen, Toiletten und Waschräume, wichtig für moslemische Gläubige. Die rings um die Moschee angeordneten zweistöckigen Gebäude sind Pilgerunterkünfte, die einfachen Räume sind offen, mit Steinbänken als Betten versehen und bieten Kühlung in der heißen Wüstenluft. Weiterlesen

Die Pilgerin Egeria im Hl. Land

Im Mailänder Edikt vom 13. Juni 313 gab Kaiser Konstantin den Menschen seines Machtbereichs das Recht auf freie Religionsausübung. Es war der Beginn der Reisen von Christen nach Osten in das Hl. Land, um die Orte des Lebens von Jesus Christus zu sehen. Die Pilgerin Egeria gehörte zu diesen ersten Reisenden. Im Jahre 1884 wurde ihr Reisebericht in einem Kloster in Arezzo entdeckt. Das bis dahin unbekannte lateinische Itinerar beschreibt die Pilgerfahrt einer frommen, vielleicht adeligen Dame und/oder Klosterschwester aus dem 4. Jahrhundert nach Palästina und Konstantinopel. In dem unvollständig erhaltenen Dokument erfährt man nicht den Namen dieser Pilgerin, allerdings stellt Valerius von Bierzo 395 in einem Brief den Mut einer Pilgerin mit Namen Egeria oder Aetheria heraus, deren Schilderung auffallend mit dem aufgefundenen Itinerarium übereinstimmt, weshalb man beide Berichte als von derselben Person verfasst betrachtete.

Jerusalem war das eigentliche Ziel von Egeria und hier beschreibt sie die Gottesdienste und erzählt von liturgischen Bräuchen, die ihr fremd waren. Ihre Neugier galt mehr den geistigen Dingen, als der weltlichen Kultur. Deshalb gerät sie bei der Prachtentfaltung der Gottesdienste in Jerusalem und dem Kirchenschmuck ins Schwärmen, ohne aber allgemein die Betonung der Äußerlichkeiten zu übertreiben. Besonders angetan war sie von den liturgischen Zeremonien, die unter Cyril (gestorben 386) gefeiert wurden. Weiterlesen