Die hebräische Mischna

Die hebräische Mischna

Der Talmud, eine mehrbändige Sammlung der nachbiblischen religiösen Gesetzgebung der Juden, besteht aus zwei Textsammlungen: Der hebräische Mischna und der aramäische Gemara. Die Gemara enthält die Diskussionen und Erklärungen der späteren jüdischen Gelehrten der Mischna, den Amoräern. Der Talmud löst die Tora als Gegenstand traditionellen jüdischen Lernens ab, ganz nach dem Weisheitsspruch: „Die Schrift ist endlich, aber die Auslegung ist unendlich“. Für Christen ist jedoch die Mischna interessant, weil sie neben der Sammlung religiöser Texte auch wertvolle Informationen über Leben und Glauben des jüdischen Volkes zur Zeit Jesu und der frühen Kirche beinhaltet.

In Bezug auf die Mischna sind die Soferim die ältesten Traditionsvermittler. Der sofer (Schreiber, Plural soferim) ist im AT ursprünglich ein schriftkundiger Beamter, ein Gelehrter und Kenner des Gesetzes. In der hellenistischen Zeit wandte sich ein Teil der höheren Priesterschaft der griechischen Kultur zu und Traditionen wurden vernachlässigt. Die Soferim stellten sich dabei dieser Entwicklung entgegen. Sie wurden zu den Hütern der Tora und lösten die Priester ab, womit sie sich folgerichtig auch zu Lehrern des Volkes etablierten und das religiöse Leben kontrollierten. Während der Zeit des NT war diese Entwicklung schon abgeschlossen. Hier werden die Führer des Volkes bereits als grammateis (Schriftgelehrte) bezeichnet, es entspricht dem hebräischen soferim. Flavius Josephus nennt sie „Ausleger des Gesetzes“ (Ant XVII 6.2; XVIII 3.5). In der Mischna jedoch wird der Ausdruck sofer nur für Gelehrte und Autoritäten der früheren Zeit benützt.
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Die Geschichte der Maiandacht

Die Geschichte der Maiandacht

Die Maiandacht ist eine verhältnismäßig junge Frömmigkeitsübung, die in ihrer Form vor allen von Frauen gerne besucht wurde. Maiandachten waren zuerst einfache Flurgebete, die um das Gedeihen der Feldfrüchte baten. Erste Hinweise, dass in die Maiandacht eine marianische Intention einfloss, gibt es jedoch schon im Mittelalter. Heinrich Seuse, Mystiker und seliger Dominikanermönch aus dem 13. Jahrhundert, soll in Konstanz am Bodensee allein eine erste Maiandacht gehalten haben, in der er Maria ehrte. Dabei nahm er den Brauch des Maibaumaufstellens zum Anlass und setzte für Maria gleichsam einen geistigen Maibaum, den er mit Gebeten und Liedern zierte. Zudem sammelte er die ersten Blumen des Feldes, band sie zu einem Kranz und schmückte damit ein Bildnis der Gottesmutter. Weiterlesen

Spurensuche – Der Abendmahlsaal

In Mk 14:12-15 lesen wir: Am ersten Tag der Ungesäuerten Brote, da man das Paschalamm schlachtete, sagten seine Jünger zu ihm: »Wo willst du, daß wir hingehen und für dich das Essen des Paschamahles bereiten?« Er schickte zwei seiner Jünger weg und sagte zu ihnen: «Geht in die Stadt und es wird euch einer begegnen, der einen Wasserkrug trägt; dem folgt, und wo er hineingeht, da sagt zu dem Herrn des Hauses: Der Meister läßt sagen: Wo ist meine Herberge, darin ich das Pascha esse mit meinen Jüngern? Er wird euch ein großes Obergemach zeigen, das, mit Polstern versehen, bereitsteht. Dort bereitet es für uns!« Über die Lage dieses Hauses sprechen die Evangelien nicht zu uns. Dies kann aber auch dafür sprechen, dass dieses Haus in der Zeit der Evangelisten allen bekannt war. Ebenso muss Jesus dem Besitzer des Saales bekannt gewesen sein, dahin weist die Selbstverständlichkeit der Anfrage. Wir erfahren also nur die Tatsache, dass der Abendmahlsaal ein Raum im Obergeschoss war, was auf eine begüterte Familie als Besitzer hinweist.

Auch nach Jesu Tod kann es nur dieses Obergemach gewesen sein, wo sich die Jünger „am Abend des ersten Tages der Woche“ versammelten und wo Thomas seine Finger in die Seite des Herrn legen durfte. Der Evangelist Lukas lokalisiert wie selbstverständlich in seiner Apostelgeschichte das feste Zuhause der Apostel nach der Himmelfahrt des Herrn im Obergemach (Apg 1:12-14). So wird dieses Obergemach zum Ort des Letzten Abendmahls sowie zum Versammlungsort der Christen in Jerusalem, die erste Urkirche. Letztlich geschah hier auch das Pfingstereignis, als sich der Hl. Geist mit Feuerzungen auf die Versammelten niederließ. Weiterlesen