Christusorte: Der Berg Tabor

Christusorte: Der Berg Tabor

War der Berg Tabor der Ort der Verklärung, die in den Evangelien (Mt 17:1-9; Mk 9:2-10; Lk 9:28-36) beschrieben wurde? Das Ereignis wird dort jedoch ohne konkrete Ortsangabe berichtet. Der Berg Tabor liegt mit einer Höhe von 588 m ca. 8 km Luftlinie südöstlich von Nazareth und zeigt in seiner isolierten Lage weit sichtbar seine markante Form. In Neuhebräisch und im AT wird der Berg har tavor genannt, die Araber nennen ihn Dschebel et-Tur, was einfach „der Berg“ bedeutet. Der Name scheint aus dem Phönizischen zu stammen und bezeichnet eine semitische Gottheit, die bei den Griechen als Zeus Atabyros bekannt ist. In der Septuaginta nennt man den Berg Itaburion, was sich wohl daher ableitet. Die aramäische Übersetzung des AT, die Targumim, nennt den Tabor einfach „hoher Berg“ (tor ram). Weiterlesen

Die Apotheke der Franziskaner in Jerusalem

Es war das Jahr 1342, als Papst Clemens VI. die Franziskaner damit beauftragte die Heiligen Stätten im Hl. Land zu betreuen. Doch bereits 1335 entstand in Jerusalem das erste Pilgerhospiz, das Einheimischen und Pilgern Gastfreundschaft und Hilfe anbot. Zunächst funktionierte das Hospiz meist sehr gut, jedoch ab Mitte des 15. Jahrhunderts rissen die Pilgerströme aufgrund muslimischer Repressalien immer wieder ab, so dass das Hospiz bald nicht mehr seine Aufgaben erfüllen konnte. Nun waren die Franziskaner darum bemüht für die Nöte der Bevölkerung eine Lösung zu finden. Ihr Kloster Sankt Salvator besaß eine Apotheke und eine Krankenabteilung, welches in einem Haus untergebracht war, das auch für Pilger offen stand. Jeder Bedürftige konnte sich in der Apotheke mit medizinischen Kräutern versorgen. Die mangelnde medizinische Versorgung der Stadtbewohner, egal welcher Religion er angehörte, glichen die Brüder ebenso aus. Weiterlesen

Christusorte – Der Teenager Jesus im Tempel von Jerusalem

In Lk 2:41-47 erzählt uns der Evangelist Lukas, wie der 12-jährige Jesus während einer Pilgerreise nach Jerusalem im Tempel „unter den Lehrern“ sitzt. Die Eltern von Jesus gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem, um eine jüdische Verpflichtung zu erfüllen. Sie besagt, dass ein Jude dreimal im Jahr, zu pesach, zum Wochenfest (shawout) und zum Laubhüttenfest (sukkot), nach Jerusalem zu pilgern hat. Dies gründet biblisch in den drei Texten von Ex 23:14-17, Ex 34:18-23 und Dtn 16:16-17. Allerdings hatten dieses Gebot nur Juden genau zu befolgen, die im Umkreis einer Tagesreise von Jerusalem wohnten. Wer weiter entfernt wohnte, musste nur einmal im Jahr wallfahren. Juden in der Diaspora genügten dem Gebot, wenn sie mindestens einmal im Leben nach Jerusalem pilgerten. Als Galiläer hatten die Eltern von Jesus einmal im Jahr nach Jerusalem zu wallfahren. Sie wählten dafür das Paschafest. Die Mischna (Chagiga 1,1) informiert über die zur Wallfahrt verpflichteten Personen: Es sind ausschließlich die Männer. Weiterlesen

Christusorte – Betanien

Seit die Schutzmauer steht, welche Israel von den palästinensischen Gebieten trennt, führt der Weg von Jerusalem nach Jericho nicht mehr über den östlichen Abhang des Ölbergs. Die biblische Heimat von Maria, Marta und Lazarus und dessen Grab ist heute nur mehr über lange Umwege und Grenzkontrollen zu erreichen. Weiterlesen

War Jesus Analphabet?

Die Einwohner Nazareths staunten über die Weisheit des Herrn, sagten aber abschätzig von ihm, er sei nur der Sohn des Zimmermanns. Damals war ein Zimmermann nicht das, was er heute ist. Jesus ging bei Josef in die Lehre und hat einfache Handwerkerarbeit erlernt. Dazu gehörte sicherlich auch das Anfertigen von Gebäudeteilen als Baumeister. Die sich gerade im Aufbau befindliche nahe Stadt Sepphoris wird ausreichend Arbeitsaufträge geliefert haben. Sieht man auf den Bildungsstand einfacher Handwerker in Mitteleuropa vor wenigen Generationen, so ist es nicht selbstverständlich, dass Jesus lesen und schreiben konnte. Was sagen die Evangelien darüber aus? Weiterlesen

Christusorte – Nazareth

In Betlehem wurde Jesus geboren, aber seine Heimat war Nazareth. Sein Beiname „der Nazarener“ kann auf seine Herkunft und Heimat hinweisen. Als Erwachsener ist Jesus nicht mehr nach Betlehem zurückgekehrt. Nazareth war damals allerdings nur ein kleiner, unbedeutender Ort in Galiläa und wohl nicht sehr anerkannt, wie der Ausspruch von Nathanael in Joh 1:46 bezeugt: „Aus Nazareth? Kann von dort etwas Gutes kommen?“

Im Alten Testament erfährt man nichts über Nazareth. Auch der jüdische Schriftsteller Josephus Flavius erwähnt es nicht. Aus den synoptischen Evangelien jedoch werden uns zwei Dinge überliefert: Der Ort hatte eine Synagoge, die Jesus am Sabbat besuchte, um aus der Jesaia-Rolle vorzulesen, die sich auf seine Sendung bezog (Lk 4:16-17). Der Standort einer Synagoge in Nazareth lässt dann doch einen etwas größeren Ort vermuten. Und weiter wird überliefert, dass am Rand der Stadt ein Bergabhang lag, über den das zornige Volk Jesus nach seiner Rede hinabstürzen wollte (Lk 4:28-30). Weiterlesen

Christusorte: Sepphoris

Ganz in der Nähe von Nazareth, dem Wohnort von Jesus, liegt Sepphoris im Unterland von Galiläa, am Rande des Beit-Netofa-Tals. In der Hl. Schrift findet sich die Stadt nicht, doch könnte sie eine große Rolle während der „verborgenen Jahre“ Jesu gespielt haben. Sepphoris lag damals an zwei wichtigen Verkehrswegen: an der Via Maris, eine nach Nordosten laufende Verbindung, und an der Straße zwischen dem See Gennesaret und der Hafenstadt Ptolemais (Akko) am Mittelmeer. Schon der Talmud rühmt das Umland der Stadt als sehr fruchtbar. Auf Hebräisch heißt die Stadt „tzippori“, d. h. „Vogel“, weil sie auf einen Berg liegt, wie ein Vogel auf einen Ast sitzt. Die griechische Form des Namens lautet Sepphoris, die vor allen der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus benützt. Weiterlesen

Eine „neue“ palästinensische Heilige: Marie Alphonsine Danil Ghattas

Papst Franziskus hat am 17. Mai 2015 vier Ordensfrauen heiliggesprochen. Zwei von ihnen stammten aus Palästina: Die Ordensgründerin sowie Mystikerin Marie Alphonsine Danil Ghattas und Mariam Baouardy (über sie berichtete ich bereits ausführlich). Die über 2000 Pilger aus dem hl. Land zu der Feierlichkeit bezeugen die große Bedeutung dieser Palästinenserinnen für die Christen dort. Selbst der muslimische Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas nahm am Gottesdienst auf dem Petersplatz in Rom teil. In einer Privataudienz forderte Papst Franziskus Mahmut Abbas auf: „Sei Du ein Friedensengel“ und schenkte ihm eine Medaille, auf der ein Friedensengel abgebildet ist.

Marie Alphonsine Danil Ghattas wurde am 4. Oktober 1843 im christlichen Viertel der Altstadt von Jerusalem geboren. Ihre Eltern waren Palästinenser. Marie besuchte in Jerusalem die katholische Schule, die von den „Schwestern des Hl. Joseph von der Erscheinung“ gegründet wurde. Es zeigte sich schnell ihre große Intelligenz und sie galt als eine der besten Schülerinnen. Noch in jungen Jahren trat sie als erste Schwester mit arabischer Muttersprache in den katholischen Orden der Schwestern des Hl. Josephs ein. Im Jahr 1860 legte sie in der Grabeskirche in Jerusalem ihr Ordensgelübde ab. Weiterlesen

Kleine Vita von Mariam Baouardy, die hl. Mirjam von Abellin. 2/3

Mirjam war Laienschwester, weil sie weder lesen noch schreiben konnte und in Abellin oder Alexandria keine Schule besuchte. Am 20. Juli 1869 feierte die Klostergemeinschaft das Fest des Hl. Elias, der eigentliche Patron des Karmeliterordens. Die kleine Araberin verehrte den großen Propheten sehr und nannte sich gerne dessen „kleine Landsmännin“, denn Mar Elia wurde schon in ihrem Heimatdorf Ibellin umfangreich gefeiert. Als die Mitschwestern eine Statue des Propheten an seinem Festtag in das Refektorium brachten, klatsche Sr. Mirjam in die Hände und rief: „Vater Elias, Vater Elias“ und fiel in Ekstase. Die Oberin verlangte nach einiger Zeit wieder Gehorsam und befehligte ihr in den Speisesaal zurückzukehren, was sie auch tat. Der Vorfall war für sie allerdings sehr peinlich. Weiterlesen

Kleine Vita von Mariam Baouardy, die hl. Mirjam von Abellin. 1/3

Die palästinensische Heilige, „die kleine Araberin“, wie sie oft liebevoll genannt wird, wurde in Galiläa geboren, in der Ortschaft Abellin (Iblin/Cheffa-Amar). Das Dorf liegt auf derselben Hügelkette wie Nazareth (25 km entfernt). Von Abellin aus kann man auf das Karmelgebiet und bis zum Mittelmeer blicken. Am 26. August ist ihr Heiligenfest, weshalb ich bis dahin eine kleine Vita von ihr in drei Teile veröffentliche.

Die Familie Baouardy stammte aus dem Libanon. Mirjam’s Vater Georg wuchs bereits in Horfesch bei Akko, also in Galiläa auf. Er heiratete seine Frau Mirjam und beide waren arabische Christen, die dem melkitischen Ritus (griechisch-katholisch und mit Rom uniert) angehörten. Georg war Handwerker und Pulvermüller, seine Frau Mirjam eine vorbildliche Gattin und Mutter, beider Frömmigkeit war schlicht und tief. Zwölf Knaben hatte Mirjam bereits das Leben geschenkt, aber alle starben unmittelbar nach der Geburt. Ihre Sehnsucht nach einem Kind ließ das Ehepaar nach Betlehem pilgern, um vor der Krippe des Herrn um ein Kind zu bitten. Dafür wollten sie es als Dankbarkeit Maria weihen und ihm ihren Namen geben. Die Bitte wurde erhört und am 5. Januar 1846 kam Mirjam auf die Welt. Sie wurde zehn Tage darauf in der Georgskirche von Abellin getauft und gleich gefirmt, wie der orientalische Ritus es vorsah. Weiterlesen