Ein Leben als Beeinflusser

Heute kann man die Gesellschaft in zwei Klassen teilen: Influencer und Follower. Das Marketing hat das Potential erkannt, dass der homo consumens, der konsumberauschte Mensch, Selbstdarsteller braucht, die auf den Social-Media-Kanälen die Aufmerksamkeit ihrer Anhängerschaft auf sich ziehen. Der alte amerikanische Traum erfährt in der postalphabetischen Jugend ein Update: vom Youtuber zum Millionär.

Narzissten als Vorbilder sind in einer narzisstischen Welt gefragter denn je, heute kann man berühmt und reich werden, wenn man sein Privatleben authentisch und identifikationsstiftend öffentlich macht. Vorbei sind die langweiligen Sitcoms der 1990er und Nullerjahre, als Schauspieler das Seelenleben ihrer Zuschauer entblößten, nun übernimmt man selbst die Inszenierung.

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Wie lebt der Mensch am Ende des 21. Jahrhunderts?

Es ist noch nicht lange her, als das Smartphone begann das Leben der Menschheit grundlegend zu ändern, durch ein „outsourcing“ des Gehirns. Ob die Erfindung des Rades ähnlich plötzlich und umwälzend war? Jedenfalls beginnt nun eine virtuelle Welt mit der Wirklichkeit zu konkurrieren und vermengt sich mit ihr. Welche Trends und Möglichkeiten werden daraus entstehen, wie und mit welchen Wertvorstellungen wird der Mensch des ausgehenden 21. Jahrhunderts leben? Hier meine 5 Megatrends:

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Selfie-Journalismus

In einem Artikel eines Nachrichtenmagazins las ich kürzlich einen mit Adjektiven überladenen Bericht, der mehr wie ein Krimiauszug wirkte, als eine seriöse Nachricht. Null Information, nur eine Wolke romanhafter Atmosphäre, die den Rechtsextremisten, um den es ging, was aber in diesem Zusammenhang egal ist, umhüllte. Und mitten drin ein wackerer und tapferer Detektiv: der Verfasser des Artikels.

Zunehmend erkenne ich, dass journalistische Berichte wie Fiktionen verfasst werden und Romane immer öfter persönliche Erfahrungsberichte sind. Hier ist ein Doppeltrend zu beobachten, wenn sowohl journalistische Berichterstattung als auch imaginäre Charaktere an Glaubwürdigkeit verlieren. Stattdessen stellt sich der Verfasser in den Mittelpunkt. Nun werden nicht mehr Fakten von Kriegsschauplätzen berichtet, sondern man erfährt, wie sich der Reporter gerade fühlt, wie er bei Recherchen durch dunkle Korridore wandert oder welche Meinung sein Jüngster vor dem Fernseher am Abend zu Hause zu diesen oder jenen Thema hatte. Dort, wo früher in einer Reportage stand: „Es ist kalt“, erfährt man nun vom Journalisten: „Ich friere“.
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