Ist das Reich Gottes wirklich mitten unter uns?

Ist das Reich Gottes wirklich mitten unter uns?

Ein paar Gedanken zu Lk 17:20-21 (ELB):

„Und als er von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte;
auch wird man nicht sagen: Siehe hier! Oder: Siehe dort! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.

Die überlieferten griechischen Worte der Übersetzung „mitten unter euch“ lauten: entos hymon.
Die traditionelle Übersetzung besagt nach Gregor von Nanzianz, Thomas von Aquin, Nikolaus von Lyra oder auch Luther („das reych Gottis ist ynnwendig ynn euch“), dass hier eine moralische, verinnerlichete und individualistische Auslegung angebracht ist. Das Reich Gottes ist also in unseren Herzen, in unseren Seelen vom Hl. Geist eingepflanzt.

Allerdings verwendet Lukas für den Ausdruck „mitten unter jemand sein“ sonst ganz andere Worte. So schreibt er über den Zwölfjährigen Jesus im Tempel, dass ihn seine Eltern „en mésō“ der Lehrer fanden (Lk 2:46). Der Ausdruck „entos“ wird von ihm hier nicht verwendet. Weiterlesen

Luther: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“

Luther: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“

Eigentlich eines seltsame Frage, die der Reformator Martin Luther hier stellt. Was ist, wenn Gott bereits und immer schon gnädig ist und es allein an mir liegt, ihn zu „bekommen“? Luther war ohne Zweifel ein großer Gottsucher mit allergrößter Ernsthaftigkeit. Er begann seine Suche immer wieder von seinem Gottesbild aus, das jedoch missgestaltet war. Denn es verkennt den gütigen Vater, den uns sein Sohn Jesus Christus verbindlich geoffenbart hat. Luther hatte zeitlebens eine große Furcht vor dem zornigen Gott. Es begann schon während der Gewitterangst 1505, die Luther ins Kloster trieb, und 1534 deutete er als Lehrer den Psalm 90 immer noch: „Mitten in dem Leben sind wir vom Tod umfangen“. Eine tiefe Düsternis des Gemüts liegt in diesen Worten. Dem Tod kann niemand entfliehen und die eigene Verderbtheit bleibt stets vor Augen. Dies erfüllt mit lähmendem Grauen und Luther muss nach Glaubensaussagen suchen, die wenigstens ihm persönlich den Weg zum Heil ebnen. Und so stellt er jene Frage, die zum Grundimpuls seiner Existenz wurde: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Weiterlesen

Jesus sagt: Ökumene muss sein!

Jesus sagt: Ökumene muss sein!

Es gibt einen gemeinsamen Nenner unter Christen: jener, von dem sie ihren Namen erhielten, dem Gesalbten und Messias Jesus Christus. Er ist es, der ihnen aufgetragen hat eins zu sein. Dieser göttliche Auftrag trifft jedoch auf die menschliche Schwachheit. Eine davon, die luziferische, ist der Stolz.

Seit Luther scheinen Protestanten daraus und aus dem Stachel, nur die zweiten zu sein und endlos gespalten, was wiederum zu kompensierende Minderwertigkeit einflüstert, ihre Arroganz herzuleiten, als die nun besseren Christen keine Einheit mehr wollen zu müssen. Die lateinische und orthodoxe Kirche wiederum leitet ihre Arroganz gegenüber Protestanten davon ab, die ersten gewesen zu sein, ihre Tradition bis zu den Aposteln zurückverfolgen zu können, daher keiner Korrektur zu bedürfen und Einheit nur zu den „Bedingungen“ der West- und Ostkirche. Weiterlesen

Martin Luther und der unfreie Wille

Die Theologie von Martin Luther stellt die These vom unfreien Willen des Menschen auf. Damit wird ihm jeglicher Einfluss auf sein Wirken und Werden, auf sein „Schicksal“ genommen. Dies steht im Gegensatz zur katholischen Lehre der Kirche, die dem Menschen den freien Willen und Verantwortlichkeit zuspricht. Sie geht davon aus, wenn Gott den Menschen als sein Abbild schuf, dann auch als liebesfähiges Wesen. Nun muss ihm auch der freie Wille zugeordnet sein, denn ohne Freiheit und ohne Willensentscheidung ist die Liebe in Form der Hingabe an das Du unmöglich. Ob nun der Wille des Menschen als frei oder unfrei betrachtet wird, hat entscheidende Auswirkungen auf das Gottesbild. Die Unterschiede der Betrachtungsweisen sollen hier einmal gegenüber gestellt werden: Weiterlesen

Glaube vs. Philosophie

„So kommt der Glaube aus dem Hören; was aber gehört wird, kommt durch das Wort Christi.“ (Rö 10:17, GB). Paulus zeigt damit auf, dass allein das Bibellesen, der Buchstabe des Wortes, nicht zum Glauben und damit zum Heil führt. Das „sola scriptura“ Luthers ist in seiner Verkürzung deshalb eine Sackgasse, die in die unzähligen Spaltungen im Protestantismus führt. In dem Paulus nicht davon spricht, der Glaube käme vom Lesen, wird der grundsätzliche Unterschied zwischen Glauben und bloßer Philosophie offenbar. Der Glaube indes kann durchaus in seinem Innern die philosophische Wahrheitssuche in Bewegung setzen. Das Hören des Wortes Christi bedeutet nicht das Lesen des Wortes, sondern das innere Bewegen desselben im Herzen, wie es Maria tat. Das Wort ist Jesus Christus selbst, Person, wahrer Mensch und wahrer Gott. Somit wird das Hören des Wortes zum hinhören auf eine Person, Jesus Christus, und damit Gott. Der Glaube ist somit kein Nachdenken, wie die Philosophie.

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Gog und Magog – Eine kleine Geschichte der Endzeit

In einigen christlichen Gemeinden stehen vor allen die Berechnung oder Auslegung der kommenden Endzeit im Mittelpunkt. Biblische Aussagen, wer etwa Gog und Magog (Ez 38 und 39; Offb 20:8) sind, werden unmittelbar in das politische Geschehen der Jetztzeit übertragen und daraus Voraussagen für die Zukunft getätigt. Diese Art der Bibelauslegung hat eine lange Geschichte und sie funktioniert nicht, seid sie durchgeführt wird. Hier ein paar Beispiele: Weiterlesen

Stoa und Christentum

Um 300 v. Chr. formulierte Zenon von Kition erstmals Grundzüge der sogenannten Stoa. Ihr ist eine kosmologische, ganzheitliche Welterfassung zu eigen, die auf ein waltendes universelles Prinzip zurückgeführt wird. Das Individuum hat ihren Platz in dieser Ordnung zu erkennen, auszufüllen und durch Selbstbeherrschung zu akzeptieren. Gelassenheit und Seelenruhe sollen dabei Weisheit fördern.

Die Wirkung der stoischen Weltanschauung auf die Menschen in hellenistischer und nachhellenistischer Zeit war gewaltig. Philosophie und Religiosität gingen ein unlösliches Band ein. Deshalb war die stoische Weltanschauung gerade unter Heidenchristen Herausforderung und Prägung zugleich, ähneln sich doch einige Aussagen. Die große Zeit der Stoa ging schließlich erst um 300 n. Chr. zu Ende und beeinflusste damit noch Kirchenväter und Kirchenlehrer. Weiterlesen

Protestanten und die letzten Dinge

Dieser Beitrag gehört zu einer kleinen Serie über den Protestantismus im Vergleich zur katholischen Kirche. Weitere Beiträge finden sich hier , hier , hier , hier und hier

Protestanten kennen ein immerwährendes Thema: Das nahe Weltende. Bereits Luther rechnete mit der bald bevorstehenden Wiederkunft des Herrn und hielt den Papst deswegen für den vorhergesagten „Antichristen“ der letzten Tage. Auch der Ansturm der Türken auf das christliche Abendland deutete Luther als endzeitliches Strafgericht. Der führende Denker des aufkommenden Pietismus und Vorreiter der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Hl. Schrift Johann Albrecht Bengel (1687 – 1752) errechnete aus der Bibel das Jahr 1836 als Zeitpunkt der Wiederkunft Christi. Immer wieder gab es seither Gruppen, welche aufgrund solcher Berechnungen neue Gemeinschaften gründeten, so z. B. die Adventisten 1844, die neuapostolische Gemeinschaft oder die Zeugen Jehovas, die letztmals 1975 die Schlacht um Harmagedon vorhersagten. Trotz der Fehlberechnungen gelang es diesen Gruppen ihre Anhänger an sich zu binden.

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Protestanten und die Beichte

Die Beichte war bei den Reformatoren umstritten, weil es für sie zwar einen Auftrag Christi gab, aber keine Materie. Denn als Sakrament erkannten sie nur an, was im Neuen Testament auf Befehl Jesu zu wiederholen ist und ein materielles Zeichen und ein deutendes Wort vorhanden. So kann nach diesem Verständnis allein Taufe und Eucharistie Sakrament sein, denn nur hier spricht Jesus: „Tut dies“. Dennoch galt die Beichte in der ersten Zeit der Reformation bei machen lutherischen Theologen, z. B. Melanchthon, als Sakrament und blieb es bis in das 18. Jahrhundert, wo es vor dem Empfang des Abendmahls vorgeschrieben war. Während der „Aufklärung“ verlor sich die Beichte im Protestantismus völlig. Außer in einigen kleinen Gruppen, gibt es sie nicht mehr. Das Sakrament wurde vergessen, aber nicht abgeschafft. Weiterlesen

Das Abendmahl bei den Protestanten

Man muss sich erst wieder bewusst werden, dass zwischen den Reformierten (die Nachfolger von Zwingli und Calvin) und den Lutheranern ein Unterschied in der Haltung zum Abendmahl besteht. Bei den Reformierten ist es ein Gedächtnismahl, bei dem Christus nicht anders anwesend ist, als überall sonst im Leben. Sowohl die Aussagen Jesu als auch seine Handlungen sind dabei nur symbolisch zu verstehen. Bei dem Nachvollzug dieser Symbole gedenkt der Gläubige an das Leiden und Sterben des Herrn, bekundet seine Bereitschaft zur Nachfolge und empfängt dadurch Segen. Der Ungläubige hingegen bekommt nur einen Schluck Wein und eine Oblate.

Bei den Lutheranern jedoch ist Christus während der Kommunion in Brot und Wein sehr wohl leibhaftig gegenwärtig in der Realpräsenz. Dies gilt ebenso für die Ungläubigen, denen es aber nicht zum Heil, aber zum Gericht gereicht. Der katholische Begriff der Transsubstantiation, der Wesensverwandlung, wird jedoch von den Lutheranern abgelehnt. Sie sprechen von der Konsubstantiation, d. h. Brot und Wein verwandeln sich nicht in Leib und Blut Christi, sondern die leibliche Gegenwart Christi tritt auf geheimnisvolle Weise zur natürlichen Gestalt der Elemente hinzu. Diese Gegenwart endet mit der Kommunion. Alle Reste von Brot und Wein sind somit wieder gewöhnliches Brot und gewöhnlicher Wein. Diese Lehre stammt allerdings nicht von Luther selbst, er hatte noch den Glauben an die bleibende Gegenwart Christi. Erst seine Nachfolger gaben diesen Glauben auf.  Weiterlesen