Christusorte – Nazareth

In Betlehem wurde Jesus geboren, aber seine Heimat war Nazareth. Sein Beiname „der Nazarener“ kann auf seine Herkunft und Heimat hinweisen. Als Erwachsener ist Jesus nicht mehr nach Betlehem zurückgekehrt. Nazareth war damals allerdings nur ein kleiner, unbedeutender Ort in Galiläa und wohl nicht sehr anerkannt, wie der Ausspruch von Nathanael in Joh 1:46 bezeugt: „Aus Nazareth? Kann von dort etwas Gutes kommen?“

Im Alten Testament erfährt man nichts über Nazareth. Auch der jüdische Schriftsteller Josephus Flavius erwähnt es nicht. Aus den synoptischen Evangelien jedoch werden uns zwei Dinge überliefert: Der Ort hatte eine Synagoge, die Jesus am Sabbat besuchte, um aus der Jesaia-Rolle vorzulesen, die sich auf seine Sendung bezog (Lk 4:16-17). Der Standort einer Synagoge in Nazareth lässt dann doch einen etwas größeren Ort vermuten. Und weiter wird überliefert, dass am Rand der Stadt ein Bergabhang lag, über den das zornige Volk Jesus nach seiner Rede hinabstürzen wollte (Lk 4:28-30). Weiterlesen

Spurensuche: Das Heiligtum von Johannes dem Täufer in der Wüste

Ain Karem (oder En Kerem) liegt ungefähr acht Kilometer von der Altstadt Jerusalems entfernt. Hierher kommen viele Pilgergruppen, die den Geburtsort von Johannes des Täufers im Dorf und das Heiligtum des Besuchs Mariens bei Elisabeth etwas südlich an einem Berghang besichtigen wollen. Ein weitaus weniger von Pilgern frequentiertes Heiligtum ist „St. Johannes in der Wüste“, arabisch „Ain al Chabis“, übersetzt „die Quelle des Einsiedlers“. Dieser Ort liegt von Ain Karem aus zunächst Richtung Moschav Even Sapir. Dort, am Ende der Hauptstraße, findet man ein Hinweisschild „Franciscan Monastery“.

Dieses Kloster schmiegt sich spektakulär an einem Hang über dem Fluss Sorek. Die beiden Seiten des Tales lassen noch die antiken landwirtschaftlichen Terrassen erkennen. Diese gehen dort, wo keine Bewässerung mehr möglich ist, in Wald über. Im Kloster selbst hört man gleich am Eingang das leise Plätschern eines Brunnens. So mag der Ort eher an eine Oase, als an eine Wüstenei erinnern, in der Johannes der Täufer aufgewachsen ist. Das Lukasevangelium beschreibt folgendes (Lk 3:2): „Das Kind aber wuchs und erstarkte im Geiste. Und es war in der Wüste bis zum Tag, als er vor Israel auftrat“. Die Nähe zum Geburtsort des Johannes, die Abgeschiedenheit, eine Quelle und eine Grotte waren jedoch ausschlaggebend, dass seit Ende des 15. Jahrhunderts hier diese Johannes-Tradition auftritt. Weiterlesen

Steckbrief: Die Franziskaner in Syrien

Höchstwahrscheinlich erreichten die Franziskaner schon um das Jahr 1230 Damaskus, gleich am Anfang ihrer Präsenz im Hl. Land. Der Hl. Franziskus selbst wird dem Sultan von Damaskus Kind Al-Saleh beim historischen Treffen von Damiette begegnet sein. Dieses Treffen fand 1219/1220 bei dessen Bruder statt, Sultan Kamel Al Ayoubi. Damals begann der freundschaftliche und direkte Kontakt des Ordens mit den muslimischen Herrschern.

Der Richter von Damaskus erteilte 1630 dem Orden die Erlaubnis in ihrer Ordenskirche eine Pfarrei zu gründen und die lateinische Liturgie in den Gottesdiensten zu halten. 1668 wird von einem kleinen Konvent am „Bab Touma“, Tor des Thomas, berichtet, den die Brüder mit einer maronitischen Kirche erbauten, in der auch die maronitische Liturgie erlaubt war. Dafür mussten Steuern und Abgaben an den Stadtgouverneur bezahlt werden. Die Sorge der Brüder galt stets der maronitischen Kirche, später erhielten sie den Auftrag für diese zu dienen. Weiterlesen

Steckbrief: Die Franziskaner im Libanon

Papst Benedikt XVI. besuchte vom 14. bis 16.09.2012 den Libanon. Das Land hatte vor dem syrischen Bürgerkrieg 4,5 Millionen Einwohner, dann kamen etwa 1 Million Flüchtlinge hinzu. Der christliche Bevölkerungsanteil beträgt 41% bei absteigender Tendenz. Zum einen, weil Christen während des libanesischen Bürgerkriegs 1975-1990 aus dem Land flohen, zum anderen, weil die Geburtenrate bei den Muslimen höher ist. Christen sind jedoch in der Regierung des Landes stark vertreten und haben keinerlei Nachteile. Das Staatsoberhaupt muss immer ein maronitischer Christ, der Parlamentspräsident ein muslimischer Schiit und der Regierungschef ein muslimischer Sunnit sein. Der Oberbefehlshaber der Armee ist ein griechisch-orthodoxer Christ.

Ein erheblicher Anteil der Kirchengeschichte des Libanon gebührt dem Franziskanerorden. Er wirkte dort bereits seit Mitte des 13. Jahrhunderts in den Konventen von Saida, Tyrus und Tripolis. 1255 fand dort das Kapitel der Kustodie des Hl. Landes statt. Die Geschichte des Apostolates des Ordens begann auf dem Gebiet der Seelsorge für europäische Seeleute, Händler und Diplomaten. Von den zahlreichen Pfarreien verblieben heute Tyrus und Deir Mimas an der israelischen Grenze, die von den Franziskanern betreut werden. Diese Gemeinden bestehen nur mehr aus einigen Familien, meist Emigranten.

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