Die Auferstehung des Herrn – eine historisch-kritische Betrachtung

Die Auferstehung des Herrn – eine historisch-kritische Betrachtung

Die Auferstehung des Herrn wird von manchen Bibelinterpretationen als oftmals rein psychogene Projektion der damaligen Menschen gedeutet. Dabei wird übersehen, dass die Texte eben gerade nicht aussagen, dass in den Seelen der enttäuschten Jünger ein Glaube an die Auferstehung entsteht und dieser dann Visionen hervorbringt, sondern dass erst die Erscheinung des Auferstandenen den Glauben an seine Auferstehung hervorbrachte. Eine rein psychogene Projektion bedarf bestimmter Voraussetzungen und Verständnisvorgaben. Wer also damals die Gewissheit erlangte, Jesus sei auferstanden, musste in irgendeiner Form mit einer Auferstehung rechnen können.

Die Jünger kannten in ihrem jüdischen Denken nur einen Platz der Auferstehung von den Toten: am Ende der Geschichte, am Ende der Welt, wenn Gott sie aus den Gräbern holt. Doch dies war nicht im vollen Umfang geschehen und die Welt war immer noch die alte. Aber dennoch predigen die Apostel von der Auferstehung Jesu, denn sie gehen aufgrund ihrer eigenen Auferstehungserfahrung des Herrn davon aus, dass die Neugestaltung der Dinge, der Welt bereits begonnen hat. Rein religionsgeschichtlich ist die Entstehung einer solchen Auffassung aus einer lediglich nur psychogenen Projektion äußerst unwahrscheinlich und wäre einzigartig. Das wirft auch einen völlig anderen Blick auf die Interpretationen der Naherwartung in der Hl. Schrift.
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