Bernhard von Clairvaux – Der erste Mystiker des Abendlands

Der Zisterziensermönch Bernhard von Clairvaux lebte von 1090 bis 1153 und gilt als der Vater der abendländischen Mystik. Der Aufstieg hin zu Gott gelingt für ihn in mehreren Schritten und Einsichten.

  1. Nicht der Verstand und die Vernunft, sondern die Demut ist Ausgangspunkt, um Gott erkennen zu können. Nur die Demut kann das Ich zum Schweigen bringen. Das Ich ist es nämlich, das Vorstellungen von Gott produziert, so dass Gott nicht wirken kann. Die Demut ist es jedoch, in der das Du Gottes hörbar wird. In der Philosophie spricht der Mensch mit Gott, in der Mystik spricht Gott zum Menschen.
  1. Die Erkenntnis der Wahrheit ist an die Liebe zu Gott gebunden. Nur die Liebe öffnet durch die Hingabe an Gott die Augen. So kann es zu einer inneren vertrauten, persönlichen Begegnung mit Gott kommen, Gott kann den Menschen im Herzen erfassen. Er ist ein Du, kein Es, er ist erfahrbar. Es folgt die Ekstase, die Verbindung mit Gott.
  1. Die Ekstase bedeutet das Heraustreten der Seele aus dem Menschen zur geistigen Vereinigung mit Gott. Sie ist geheimnisvoll, eben mystisch, denn Gott allein besucht, erfasst, entzündet die Seele. Keine Technik ermöglicht den Aufstieg hin zu Gott, es gilt sich einzig für Gott bereit zu halten, damit er herab kommt. Der Mensch ist dafür geschaffen nach dem Absoluten zu streben. Nur dort erlangt er Erfüllung, nicht im Endlichen. Die Begegnung mit Gott hebt Raum und Zeit auf.

Der hl. Bernhard hält demnach als Fazit folgende Voraussetzungen fest, um in eine Vereinigung mit Gott genommen zu werden, damit die Begegnung mit dem Du Gottes erfolgt:

  1. Demut
  2. Schweigen
  3. Liebe
  4. Hingabe

 

der emmauspilger

S.D.G.

Steckbrief: Der hl. Bonaventura

Der Heilige wurde 1217 geboren und absolvierte ein Studium an der Sorbonne in Paris. Er trat dem Franziskanerorden bei und wurde Theologieprofessor in Paris. Später wählte man ihn zum General seines Ordens und er erlangte die Kardinalswürde. Er nahm am 2. Konzil von Lyon teil, starb aber gleich zu Anfang im Jahr 1274.

In seiner Einschätzung der Philosophie betrachtet Bonaventura die menschliche Erkenntnis wegen des Sündenfalls als unzulänglich, weshalb der Mensch niemals die letzten Wahrheiten erfassen kann. Seine kritische Haltung zur Philosophie begründet er auch damit, dass sie oft zu Hochmut führt. Die Philosophie kann ihre Aufgabe nur erfüllen, wenn sie sich der Theologie unterordnet und alle Aussagen von Gott her betrachtet. Die letzten Wahrheiten können nur von Gott kommen, womit die Philosophie zur Dienerin der Theologie wird. Ohne diese Unterordnung wird sie sonst zur Ideologie.

Der hl. Bonaventura versuchte die Erkenntnisfrage zu beantworten. Er nennt zwei Bereiche: Weiterlesen

Steckbrief: Dionysius Areopagita – Kirchenvater der Mystik

Der Hl. Paulus bekehrt in Athen Dionysius, einen Beisitzer des Areopags (Apg 17:34), dem Tagungsort des Hohen Rats. Laut Eusebius von Cäsarea wurde Dionysius später der erste Bischof von Athen (Hist. Eccl. 3,4). Im frühen 6. Jahrhundert benützt ein unbekannter christlicher Autor das Pseudonym Dionysius Areopagita. Er deutet den Neuplatonismus christlich um, lehnt sich dabei an die Werke von Proklos an und prägt mit seinem Gottesbild die christliche Mystik der nachfolgenden Jahrhunderte.

Für Dionysius ist Gott der „ganz jenseitige“, jenseits aller menschlichen Erkennbarkeit. Als der Eine und Vollkommene ist Gott jenseits allen Seins, das niemals erreicht wird. Gott selbst ist der Gute, der Seiende und ewig lebende, den man nicht endgültig erfassen kann, obwohl er Ursache, Anfang und Leben alles Seins ist. Eine Gotteserkenntnis kann nur durch Analogien geschehen, welche die Ursache von allem, jedoch nicht das Wesen dahinter erfasst. Man kann Attribute erkennen, was Gott nicht ist: beispielsweise endlich, in Raum und Zeit. Diese theologia negativa ist nur ein Versuch das Unsagbare auszusprechen. Was Gott ist (theologia positiva), kann nur von der biblischen Offenbarung Gottes ausgehen. So ist Gott größer als alles menschliche Bemühen. Weiterlesen