Stoa und Christentum

Um 300 v. Chr. formulierte Zenon von Kition erstmals Grundzüge der sogenannten Stoa. Ihr ist eine kosmologische, ganzheitliche Welterfassung zu eigen, die auf ein waltendes universelles Prinzip zurückgeführt wird. Das Individuum hat ihren Platz in dieser Ordnung zu erkennen, auszufüllen und durch Selbstbeherrschung zu akzeptieren. Gelassenheit und Seelenruhe sollen dabei Weisheit fördern.

Die Wirkung der stoischen Weltanschauung auf die Menschen in hellenistischer und nachhellenistischer Zeit war gewaltig. Philosophie und Religiosität gingen ein unlösliches Band ein. Deshalb war die stoische Weltanschauung gerade unter Heidenchristen Herausforderung und Prägung zugleich, ähneln sich doch einige Aussagen. Die große Zeit der Stoa ging schließlich erst um 300 n. Chr. zu Ende und beeinflusste damit noch Kirchenväter und Kirchenlehrer. Weiterlesen

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… dass dem Schöpfer nicht sein Geschöpf fehle

Es liegt an uns, dass dem Schöpfer nicht sein Geschöpf fehle, dass dem Ganzen nicht ein Teil fehle, dass dem Ewigen nicht das Vergängliche fehle, wenn er all seine Schafe zählt, es kann seiner Liebe fehlen, es kann seine Hoffnung Lügen strafen.

Charles Péguy, kath. frz. Schriftsteller

 

Im jüdischen Talmud werden die Gedanken des Menschen als erstes und wichtigstes Mittel betrachtet, um zu verhindern, dass dem Schöpfer nicht sein Geschöpf fehle:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Worten.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Der Talmud

Christen und Verbitterung

Eine Betrachtung zum Hebräerbrief.

Eine Verbitterung kann ein Leben lang anhalten. Man wurde verletzt oder glaubt verletzt worden zu sein und trägt diese Verwundung mit sich. Der Mensch kann in eine Opfermentalität verfallen, die ihm das Gefühl gibt ständig unrecht behandelt, ausgenützt, missverstanden und nicht geliebt zu werden. Solch verbitterte Menschen schaden sich und ihre Umwelt, ihre Nächsten. Sie vertragen keine berechtigte Kritik an ihrem Verhalten, werden dadurch sogar in ihrer Verbitterung bestätigt, zumal bald auch Mitmenschen sie meiden. Christen haben in Jesus Christus einen Retter aus dieser Misere, doch auch Christen können trotzdem in ihrer Verbitterung verbleiben.

Paulus zeigte im Hebräerbrief auf, was die Ursachen für diese bleibende Verbitterung sind. Er schreibt in Hebr 2:2-3: „Denn wenn schon das durch Engel verkündete Wort verpflichtend war und jede Übertretung und Missachtung gebührende Vergeltung empfing, wie werden dann wir entrinnen, wenn wir nicht achten auf ein so großes Heil, dessen Verkündigung ihren Anfang nahm durch den Herrn und das von jenen, die sie hörten, beglaubigt wurde für uns?“ Das Verharren in der Verbitterung beginnt bei Christen also mit der Missachtung des Wortes Gottes. Wer den Herrn ignoriert, der ignoriert sein Wort und seinen Wunsch für unsere Heilung und Heiligung. Man zweifelt am Wort des Herrn und seinen Verheißungen, man liest nicht mehr in der Hl. Schrift und lässt sich nicht mehr inspirieren, heiligen. Das Wort von der Umkehr, dem ändern der Perspektiven dringt nicht mehr in den Verstand und von dort in das Herz vor. Und so kann die zweite Stufe der Verbitterung eintreten, vor der Paulus warnt (Hebr 3:12-13): Weiterlesen