Christliche Mystiker und die Gottesliebe

Es ist Bernhard von Clairvaux, der in seinem Buch „Über die Gottesliebe“ erkennt: Sie ist die Reaktion des Menschen auf Gott. Der Grund Gott zu lieben ist Gott selbst. Das Maß der Liebe ist, ohne Maß zu lieben. Die Vernunft und das natürliche Gerechtigkeitsgefühl drängen den Menschen, sich dem hinzugeben, von dem er sich ganz empfangen hat. So schreibt er: „Bei seinem ersten Werke gab er mir mich; bei seinem zweiten sich selbst. Und da er sich gab, gab er mich mir zurück. Gegeben also und zurückgegeben, schulde ich mich für mich und schulde mich doppelt. Was aber werde ich Gott vergelten für ihn selbst? Denn wenn ich mich auch tausendmal schenken könnte, was bin ich vor Gott?“
Weiterlesen

Bernhard von Clairvaux: Die 12 Sterne der Jungfrau

Bernhard von Clairvaux: Die 12 Sterne der Jungfrau

Zum Sonntag in der Oktav von Marias Aufnahme in den Himmel hat der hl. Bernhard eine Ansprache verfasst (7), die heute ebenso zur Meditation über die hl. Maria anregen kann. Er nannte sie „Gekrönt mit 12 Sternen“ und sieht darin 12 Gnaden Gottes für Maria:

„Auf ihrem Haupt trägt sie eine Krone mit zwölf Sternen“ (Offb 12:1). Wahrhaftig, ihr Haupt ist wert, mit Sternen gekrönt zu sein. Es leuchtet ja weit heller als die Sterne und könnte eher sie schmücken als umgekehrt. Warum sollten nicht Sterne sie krönen, die von der Sonne umkleidet ist? Wie Rosenblüten in den Frühlingstagen, wie die Lilien an den Wasserbächen, so zieren sie die Sterne. Die Linke des Bräutigams ruht unter ihrem Haupt, und seine Rechte umfasst sie. Wer könnte jene Edelsteine schätzen, wer die Sterne nennen, aus denen Marias Königsdiadem gefügt ist? Es geht über Menschenkraft, den Sinn dieser Krone zu deuten und ihr Gefüge zu erklären. Ich bin mir bewusst, wie klein ich bin, und hüte mich davor, die verborgenen Geheimnisse Gottes ergründen zu wollen; dennoch glaube ich sagen zu können, dass diese zwölf Sterne für die zwölf Gnaden stehen, die Maria vorbehalten sind. Denn Maria besitzt Vorzüge des Himmels, Vorzüge des Leibes und Vorzüge des Herzens. Und wenn man diese Dreizahl mit vier multipliziert, so erhalten wir vielleicht jene zwölf Sterne, durch die das Diadem unserer Königin alle Sterne überstrahlt. Weiterlesen

Bernhard von Clairvaux – Der erste Mystiker des Abendlands

Der Zisterziensermönch Bernhard von Clairvaux lebte von 1090 bis 1153 und gilt als der Vater der abendländischen Mystik. Der Aufstieg hin zu Gott gelingt für ihn in mehreren Schritten und Einsichten.

  1. Nicht der Verstand und die Vernunft, sondern die Demut ist Ausgangspunkt, um Gott erkennen zu können. Nur die Demut kann das Ich zum Schweigen bringen. Das Ich ist es nämlich, das Vorstellungen von Gott produziert, so dass Gott nicht wirken kann. Die Demut ist es jedoch, in der das Du Gottes hörbar wird. In der Philosophie spricht der Mensch mit Gott, in der Mystik spricht Gott zum Menschen.
  1. Die Erkenntnis der Wahrheit ist an die Liebe zu Gott gebunden. Nur die Liebe öffnet durch die Hingabe an Gott die Augen. So kann es zu einer inneren vertrauten, persönlichen Begegnung mit Gott kommen, Gott kann den Menschen im Herzen erfassen. Er ist ein Du, kein Es, er ist erfahrbar. Es folgt die Ekstase, die Verbindung mit Gott.
  1. Die Ekstase bedeutet das Heraustreten der Seele aus dem Menschen zur geistigen Vereinigung mit Gott. Sie ist geheimnisvoll, eben mystisch, denn Gott allein besucht, erfasst, entzündet die Seele. Keine Technik ermöglicht den Aufstieg hin zu Gott, es gilt sich einzig für Gott bereit zu halten, damit er herab kommt. Der Mensch ist dafür geschaffen nach dem Absoluten zu streben. Nur dort erlangt er Erfüllung, nicht im Endlichen. Die Begegnung mit Gott hebt Raum und Zeit auf.

Der hl. Bernhard hält demnach als Fazit folgende Voraussetzungen fest, um in eine Vereinigung mit Gott genommen zu werden, damit die Begegnung mit dem Du Gottes erfolgt:

  1. Demut
  2. Schweigen
  3. Liebe
  4. Hingabe

 

der emmauspilger

S.D.G.

Christi Himmelfahrt – und jetzt? Vom dreifachen Advent

Mit der Geburt des Herrn Jesus Christus, seiner Menschwerdung, erfahren wir das Heil. Diese Erfahrung ist nicht etwas, was sich in der Vergangenheit zugetragen, es ist eine Erfahrung des „Heute“, der Gegenwart, des neuen Augenblicks. Das Kommen des Herrn kennen wir in zweifacher Form: Als erstes in der Ankunft in Demut, als kleines Kind in der Krippe, welches unser Retter ist, der in Schwachheit verschied und durch seine lebendige Himmelfahrt als Auferstandener siegte sowie als zweites in der Wiederkunft des Königs und Richters Jesus Christus in Herrlichkeit am Ende aller Zeiten. Und in der Zeit dazwischen? Sind wir Christen nach der Himmelfahrt des Herrn denn verlassen, nur auf „stand-by“? Bernhard von Clairvaux spricht hier von einer weiteren Ankunft Jesu. Er nennt sie den „mittleren Advent“, es ist die „Gottesgeburt im Menschen“.

Dieses mittlere Kommen des Herrn, der „mittlere Advent“, ist keine Erfindung des hl. Bernhard. Es wird bestätigt durch Jesu Wort in Joh 14:23: „Jesus antwortete ihm: »Wenn einer mich liebt, wird er mein Wort bewahren, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen …“. Es ist eine wunderbare Verheißung: der Vater und der Sohn nehmen im „heute“ in uns Menschen Wohnung, weil wir die göttliche Liebe in uns tragen, eine Liebe, die uns zuvor geschenkt ist. Weiterlesen

Ignatius von Loyola: Wie der Feind Seelen verändern will

Der Feind achtet sehr darauf, ob eine Seele grob oder fein ist. Und ist sie fein, so besorgt er, sie je mehr ins Äußerste zu verfeinern, um sie je mehr zu verwirren und zugrunde zu richten. Wenn er zum Beispiel sieht, dass eine Seele keine tödlichen oder lässlichen Sünden in sich einlässt, noch irgend einen Schein überlegter Sünde, dann besorgt der Feind, wenn er nicht zuwege bringt, sie in etwas fallen zu lassen, was Sünde scheint, sie [wenigstens] eine Sünde sich einbilden zu lassen, dort, wo keine ist; wie etwa bei einen Wort oder einem geringsten Gedanken. Ist die Seele grob, so besorgt der Feind, sie je mehr zu vergröbern; er wird zum Beispiel, wenn sie vorher kein Wesen aus lässlichen Sünden machte, darauf bedacht sein, dass sie aus Todsünden wenig Aufheben macht, und, wenn sie zuvor noch einige Scheu besaß, dass sie nachher sich viel weniger oder gar nichts mehr daraus macht.

Weiterlesen

Steckbrief: Anselm von Canterbury

Anselm von Canterbury wurde um 1033 in Aosta geboren und starb 1109 in Canterbury. Er gilt als Begründer und Vater der Scholastik, eine wissenschaftliche Denkweise und Methode der Beweisführung durch theoretische Erwägungen. Anselm befasste sich besonders mit dem Verhältnis von Vernunft und Glaube. Dabei formulierte er den berühmten Lehrsatz: Credo ut intelligam (ich glaube, damit ich erkennen kann).

Demnach fordert Anselm, dass man Glaube als Quelle der Wahrheit ernst nehmen soll. Er wirkt dort weiter, wo die Vernunft nicht erkennen kann. So etwa die Berufung in die ewige Gemeinschaft mit Gott, den Gott der Liebe oder Gott in Jesus Christus als Erlöser, Retter und Tröster. Nur wer glaubt, kann das tiefere Verständnis vom Menschen und von Gott erhalten. Weiterlesen