Die himmlische und irdische Geburt des Herrn

Gottes Sohn, Jesus Christus, ist das Wort und der menschgewordene Erlöser. Zwischen der ewigen Existenz des Wortes Gottes und seinem zeitlichen Erscheinen ist zu unterscheiden. Hier die himmlische Geburt aus dem ewigen Vater, dort seine irdische Geburt aus einer Mutter. Mit einigen Fragen und deren Antworten kann man vielleicht diesem göttlichen Geheimnis näher kommen. Wann ist also die himmlische Geburt geschehen?

Sie ist geschehen, als es noch keine Zeit gab. Sie hält deshalb an sowohl in der Zeit als auch in der Ewigkeit. Im Anfang war das Wort bei Gott, der Anfang aller Anfänge. Es ist die zeitlose Ewigkeit. Diese Wirklichkeit geschieht nicht in einem Nacheinander und im Ablauf von Augenblicken. Dieser Anfang ist der irdische Anfang, jenes „Heute“ im Psalmwort, das ewig ist. Doch wo ist diese himmlische Geburt geschehen?

Sie geschah im Vater und damit ist keine räumliche Kategorie gemeint, kein Vorgang von Ausdehnung, schon gar nicht im menschlichen, biologischen Verständnis des Begriffs Geburt zu verstehen. Die ewige Geburt geschieht in der Wirklichkeit Gottes, diese ist erhaben über Raum und Ausdehnung, über biologische Beschränkungen. Und vom wem geschah diese himmlische Geburt?

Aus dem Vater. Der Vater war das Prinzip der himmlischen Geburt. Der Vater ist der ursprungslose Ursprung des Sohnes, der seinen Ursprung im Vater hat. Der Sohn ist Gott von Gott, Licht von Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, denn das Wesen des Geborenen ist dasselbe, wie des Gebärenden. Gott ist das Prinzip des Hervorgehens des Sohnes aus dem Wesen des Vaters. Wie geschah die himmlische Geburt?

Sie geschah durch Zeugung. Der Sohn ist gezeugt, nicht geschaffen. Der Begriff Zeugung ist eben nicht nach irdischen Vorstellungen zu denken. Die Zeugung soll hier ausdrücken, dass ein wesensgleiches Wesen aus dem Vater hervorgegangen ist. Nicht nur ein Geschöpf, in ganz entfernter Weise ähnlich mit dem Vater. Alle geschlechtlichen Vorstellungen sind hier fernzuhalten. Die Zeugung ist die Basis der Geburt, der himmlischen Geburt, von Gottes Sohn als wahrer Gott. Da ist kein zweiter Gott, sondern derselbe Gott mit gleicher Würde, Majestät und Anbetungswürdigkeit wie der Vater.  

Die himmlische Geburt des präexistenten Gottessohnes ist Voraussetzung der irdischen zu Weihnachten. Und auch hier sind einige Fragen zu stellen, deren Antworten wichtig sind. Wann wurde dieser Gottessohn auf der Erde geboren?

Es war in der Fülle der Zeit. Es ist jene Zeit, die Gott in seiner Vorsehung ausgewählt hat. Die Zeit war „reif“, alles lief zuvor auf diesen Zeitpunkt hin, alles entfaltete sich ab diesem Zeitpunkt. Ohne Zweifel war dieser Zeitpunkt aber auch in der Geschichte der Menschheit verankert. Die Geburt war in der Amtszeit des römischen Kaisers Augustus, der eine wohlbekannte historische Person ist.

Wo wurde der Gottessohn geboren? In Betlehem. Und weil es zwei Orte dieses Namens in Palästina gibt, erfahren wir, dass es Bethlehem im Stamme Juda war. Die Geburtsstätte von Jesus Christus wird genau bezeichnet und die Christen hielten sie durch die Zeit heilig. Justin der Märtyrer erzählt uns 155 von ihr, der römische Kaiser Hadrian (117-138) kannte sie, baute er doch, in der Absicht sie und ihr Gedächtnis zu zerstören, einen Tempel des Gottes Adonis darüber. Doch gerade dadurch bewahrte er sie im Gedächtnis der Christen, weshalb Kaiser Konstantin, jener römische Kaiser, der das Christentum aus ihren Katakomben befreite, eine Basilika über die Geburtsgrotte errichten ließ.

Von wem wurde dieser Gottessohn geboren? Wir wissen es: aus der Jungfrau Maria. Aus ihr hat der Gottessohn seine Menschennatur angenommen. Auch Maria ist eine geschichtliche Persönlichkeit, ihre Heimat war Nazareth, sie hatte Elisabeth als Verwandte, ihre Base. Die Christen konnten Maria niemals mehr vergessen, alle Geschlechter werden sie seligpreisen, wie sie selbst vorhersagte. Und wie wurde diese irdische Geburt des Gottessohnes in Maria bewerkstelligt?

Auch davon wissen wir aus dem Evangelium: Der Hl. Geist kam über Maria. Die Empfängnis des Gottessohnes in Mariens Schoß ist ein Wunder der göttlichen Allmacht. Was sonst das männliche Prinzip bewirkt, hat Gott jenseits aller geschlechtlichen Vorstellungen bewirkt. Der Hl. Geist ist die immerfort fließende Liebe zweier Liebenden, dem Vater und dem Sohn im Himmel, der selbst göttliche Person ist. Die Jungfrauengeburt durch Maria unterscheidet sich dadurch von den anderen Geburten von Gottessöhnen in den Mythen. Dort nähert sich Gott in Gestalt eines Stieres, eines Einhorns oder ähnlichem einer Jungfrau und führt einen Zeugungsakt durch. Bei Maria war es aber die Kraft des Allerhöchsten, die sie überschattete und das Heilige zeugte. Mythen sind ungeschichtlich, die Geburt des Gottessohnes aus der Jungfrau Maria ist geschichtlich.

Als was wurde der Gottessohn geboren? Als Mensch, sagt uns das Evangelium, im Äußeren erfunden wie ein Mensch. Der Gottessohn hat seine göttliche Natur verborgen und hat menschliche Natur angenommen. Er war voller und ganzer Mensch mit einer einzigen Ausnahme: Seine Daseinskraft, die Bestandskraft dieses Menschen ist der Logos selbst, das Wort Gottes. Deshalb ist der Mensch Jesus ohne Sünde. Das Ich dieses Menschen ist das Wort Gottes. In Jesus Christus vereinigen sich die zwei Naturen des göttlichen, die er nicht verloren hat, und der menschlichen, die er angenommen hat. Der Gottessohn blieb, der er war, und nahm an, was er noch nicht hatte. Der Reiche wurde um unseretwillen arm, damit wir durch seine Armut reich werden. Nur als Gott konnte er uns erlösen, aber nur als Mensch diese Erlösung durch Leid bewirken.

In Mythen werden Gottessöhne geboren, um das Werden und das Vergehen in der Natur zu veranschaulichen. Es ist ein ständiges „Stirb und werde“. Der menschgewordene Gottessohn hingegen steht als von Gott gestaltete Geschichte vor uns. In dieser Geschichte will Gott unser Heil wirken. So gibt es keinen anderen Ort des Heils als Betlehem und die Kirche, die der dort geborene Gottessohn gestiftet hat, keinen anderen Namen, als den des Herrn, in dem uns das Heil geworden ist aus der Jungfrau Maria. Jesus Christus ist unsere Hoffnung, unser Frieden, unsere Versöhnung.

In Betlehem gingen nicht nur die Hirten in die Knie, auch jeder Christ wird es tun, sonst ist alles Reden über Gott nur Gerede. In der Futterkrippe lag dort derselbe, der Spiralnebel lenkt und jede einzelne Zelle und jedes Haar unseres Körpers kennt. Dieser hilflose menschliche Säugling war der Lenker der Geschichte, der Herr der Gestirne, unser Heiland und Retter. Allein durch ihn lieben wir, weil er uns zuerst geliebt hat.

S.D.G

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