Ehe und Kirche

In Eph 5:30-32 setzt Paulus das Verhältnis von Mann und Frau sowie Christus und der Kirche in Beziehung. Er nennt es ein Geheimnis. Es ist auch etwas weitaus konkreteres gemeint: Die Vereinigung zwischen Gott und Mensch in der hl. Eucharistie. Wir lesen: „Denn Glieder sind wir seines Leibes [,von seinem Fleisch und von seinem Gebein]. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und die zwei werden zu einem Fleisch (Gen 2:24). Dieses Geheimnis ist groß; ich deute es im Hinblick auf Christus und die Kirche.“

Wie soll das nun gehen – „ein Fleisch sein“ in einer Kirchengemeinde?
Wie kann man dies konkret in Ehe und Kirche im Alltag leben? Bleibt es dort auch ein „Geheimnis“?

Ich will hier nur einen Gedanken nachgehen, beginnend mit diesem Vers (Mt 27:35): „Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleider, indem sie das Los warfen.“

Hier war im wahrsten Sinn des Wortes mit Jesus die nackte Wahrheit am Kreuz. Nach dem Sündenfall erkannten Adam und Eva ihre Nacktheit und bedeckten sich. Sie wollten sich keine Blöße geben, sie begannen ihr wahres Wesen zu verbergen, indem sie die Wahrheit dem anderen vorenthalten. Am Kreuz gehen bedingungslose Liebe für den anderen und zur Wahrheit in Jesus Christus zusammen. Nur wer bedingungslos liebt, kann in der und die Wahrheit vollständig lieben.

In Ehe und Gemeindeleben darf demnach die Furcht vor Blöße nicht die Liebe zur Wahrheit verdecken. Die Wahrheit zielt auf die geistige Einheit. Die Wahrheit nimmt ihr Maß an Gottes Wort, an Jesus Christus, so wie es im Hebräerbrief steht (Hebr 4:12-13): „Denn lebendig ist das Wort Gottes, wirksam und schärfer als jedes doppelt geschliffene Schwert; es dringt durch bis zur Trennung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark, und ist Richter über Gedanken und Regungen des Herzens. Nichts Geschaffenes ist verborgen vor ihm, alles liegt nackt und offen vor den Augen dessen, vor dem wir Rede und Antwort schulden.“

In Ehe und Kirche schult und bewegt das Wort das Gewissen, prägt die Herzenshaltung. Da Jesus Christus im Mitchristen, im Mitmenschen ebenso lebt, sind wir diesem Christus im anderen Rechenschaft schuldig. Befolgen wir denn das Wort, Gott zu lieben und den Nächsten wie uns selbst?

Und dann das Wort vom „einem Fleisch“. Es zielt auf die handelnde Liebe. Die Herzenshaltung in der Wahrheit muss im Handeln offenbar werden, selbst wenn man sich dadurch eine „Blöße“ gibt, vor dem Ehepartner oder einem Gemeindemitglied. Hier ist Versöhnung und Versöhnungsbereitschaft gemeint, aber auch direkte Hilfe, indem man „speist, bekleidet, zu trinken und Unterkunft gibt und befreit“ (Mt 25:34-40).

Es ist doch bezeichnend, dass Mann und Frau „in der Vereinigung des Fleisches“ nackt sind. In der Kulmination der fleischlichen Liebe muss sich die wahre Herzenshaltung zeigen. Deshalb würde hier ein Zurückhalten von Liebe ein Zurückhalten von Wahrheit bedeuten. Konkret: Bin ich so mit dem anderen verbunden, dass mir Treue leicht fällt, Verbindlichkeit und vor allen die Bereitschaft mit ihm Verantwortung zu tragen (vielleicht in einem Ergebnis dieses göttlichen Mitschöpfungsakts: eine neue Seele, ein Kind)? Gehe ich nicht nur körperlich im Ehepartner auf, sondern auch geistig, mit Herz und Verstand? Für das Leben in der Kirchengemeinde bedeutet dies: Einheit in Liebe und Handeln, Treue, gemeinsame Verantwortung für Mission und Mitarbeit an Gottes Willen nach Rettung und Heiligung aller Menschen.

Bei all dem, darf man in Ehe und Kirche eines nicht vergessen: „Ein Fleisch sein“ hat Gott mit Freude und Befriedigung verbunden, mit Erfüllung von Sehnsucht und dem Wunsch nach Geborgenheit. Gott hat Sex erfunden und will ihn in Wahrheit und Liebe. In der Kirche bedeutet dies: Christsein und Gemeindeleben darf Freude bereiten, Befriedigung, Friede, Erfüllung von Sehnsucht und dem Wunsch nach Geborgenheit.
Gott will keine verbitterten, streitsüchtigen, freudlosen, sich grämende sowie von Gesetzlichkeit eingeengte und verängstigte Christen, er will erlöste und darum freudige, versöhnungsbereite Kinder, weil er uns in seinem Sohn immer zuerst liebt.

 

S.D.G.

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