Nächstenliebe als Mittel zur Toleranz

Wenn Jesus Christus von Nächstenliebe spricht, verkündigt er keine Morallehre, keinen Moralismus. Nächstenliebe beweist sich im konkreten Umgang mit Anderen und so wird Leben wahrhaft, weil es in Gottes Willen. Die Hl. Messe mit ihrer Liturgie und der hl. Eucharistie sind dabei wie eine Blaupause Gottes, die aufzeigt, wie weit verschenkte Liebe geht – bis zur Aufgabe des eigenen Lebens für andere. Die kirchliche Gemeinschaft ist das Laboratorium, in dem eingeübt werden kann, zusammen mit den Geschwistern im Glauben stufenweise die Vollkommenheit dieser göttlichen Liebe, die Heiligkeit zu erlangen.

Jesus lebte Gegensätze, welche viele seiner Zeit und auch noch heute irritieren. Er verdammte die Sünde, verkehrte jedoch mit dem Sünder. Er ließ kein Jota des Gesetzes außer acht, öffnete es jedoch dahingehend, dass es die Menschen befreien kann von ihren Zwängen. Zu seinen Aposteln machte er Glaubensfanatiker, Zweifler, Jähzornige, Ruhmsüchtige und Hochmütige. Jesus hatte keine Furcht vor Andersartigen, er sah darin für seine Jüngerschaft eine Bereicherung. Toleranz ist für Jesus keine Duldung, sondern aktives Interesse am Andersdenkenden.

Wenn profundes Halbwissen und Gottesbilder, geprägt von individuellen Werten, auf die Realität treffen, entstehen Irritationen, Ärger und Vorurteile, welche fortan die Wahrnehmung der Welt verzerren. Jesus lehrt in der Vollmacht der Liebe im Hl. Geist. Sein Wort in der Hl. Schrift soll den Menschen nicht nur Wissen, sondern auch eine Haltung erwerben lassen, um dadurch zu lernen, eigene Vorurteile einzusehen und den Willen Gottes, der erst wahres Leben schenkt, besser zu erkennen. Der Mensch soll sich öffnen, den Hl. Geist und damit die göttliche Liebe selbst in sich einzulassen, damit diese Liebe die unvollkommene menschliche Liebe verändert.

Die Liebe, wie unser Herr und Gott Jesus sie lebt und lehrt, ist keine Morallehre, die man anwendet, um zu gefallen, es ist die ganze Person, der ganze Mensch, der sie aus einer Haltung heraus vollbringt. Denn so lebte und liebte auch der Herr. Das Anderssein des Anderen wird nicht als gegen einen gerichtet angesehen, sondern man versteht darunter, dass in der Vielfalt der Erscheinungen, Ideen und Glaubensmanifestationen der Reichtum des Lebens begründet ist. Allein Gott ist dabei der Richter, so dass man zwar Falsches erkennen soll, es aber auch dazu da ist, den eigenen Standpunkt hin zum Wahren zu finden und zu überprüfen.

Ethisch recht zu handeln gelingt nur, wenn der Mensch sich einer Transzendenz öffnet, in der die Existenz einen Sinn und ein Ziel erhält. Ansonsten läuft man Gefahr, doch nur moralisch oder gar einzig nach menschlichen Bedürfnissen zu handeln. Diese Transzendenz kann nur über dem Menschen hinausreichen und man kommt nicht umhin, dabei Gott wenigstens als Sinnsymbol anzuerkennen. Gerade ein Zeitgeist, der den Menschen weg von seiner Natur und Identität, hin zu selbstbezogenen Ich-Modellen führt, verliert seine Sinnhaftigkeit und fragmentiert sowie verkürzt das Menschsein.

Als Christ wird dieses Symbol zur Person und in Jesus Christus erkannt, zu der nun Beziehung möglich, ja lebensnotwendig wird. Aus etwas abstraktem wird persönliches, mit all der Verantwortung und Treue, welche die Liebe in einer Beziehung bewirkt, aber auch dem Vertrauen, der Stärke und die Schönheit, welche der göttliche Liebhaber verschenkt, um das zu vollenden, was das Wenige, das der Mensch einbringen kann, niemals vermag.

S.D.G.

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