Christusorte: der Ölberg

In der Apostelgeschichte 1:4-12 wird die Himmelfahrt Christi nach seiner Auferstehung von den Toten am Ölberg verortet. Auf dessen Gipfel gab es schon in alttestamtlicher Zeit ein Heiligtum (2Sam 15:30,32). Es handelte sich um ein Höhenheiligtum, eine der Kulthöhlen, die von den Propheten scharf kritisiert wurden.

Es war die vornehme Römerin Poimenia, die um das Jahr 378 auf dem südlichen Ölberggipfel (808 m ü.d.M.) die erste Kirche erbaute. Im Apsismosaik der Kirche Santa Pudenziana zu Rom, erbaut um 390, wird das Heiligtum auf dem Ölberg abgebildet: Es handelte sich um einen Bau, der in der Mitte zum Himmel offen war. Dies sollte die Worte des Engels veranschaulichen: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor“ (Apg 1:11).

Die Kreuzfahrer bauten die unter muslimischer Herrschaft zerstörte Kirche wieder auf und hielten sich an dieses Vorbild. In der Mitte eines Achtecks wurde eine kleine Mittelkapelle errichtet, die heute noch zu sehen ist. Die darüber liegende Kuppel der Kirche war ebenso offen. 1187 übernahmen die Muslime das Heiligtum als Moschee, schlossen die Kuppel und siedelten daneben im früheren Augustinerkloster Derwische an.

Ein abgegrenztes kleines Viereck in der Kapelle soll den Ort der Fußabdrücke Jesu bei seiner Himmelfahrt anzeigen. Die Verehrung des Ortes wird bereits 403 in einem Brief des Paulinus von Nola erwähnt. Allerdings handelte es sich dabei um Fußabdrücke in Rasen und Sand, „der einzig grüne Fleck in der ganze Basilika“, wie er schreibt und dazu einen Psalmvers erwähnt: „Wir beten an, wo seine Füße standen“ (Ps 132:7). Die Erbauerin Poimenia hatte demnach einen klar definierten Ort vor Augen, der auch danach nicht überbaut wurde. Es war das Gegenstück auf der Erde zum offenen Himmel bei der Kuppel. Das Prophetenwort „Seine Füße werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der im Osten gegenüber von Jerusalem liegt“ (Sach 14:4) wird hier in Erinnerung gerufen.

Der hl. Ignatius von Loyola war von diesem Fußabdruck bei seinen drei Besuchen der heiligen Stätte besonders betroffen. Beim dritten Mal ganz alleine, um sich die Lage der Füße Jesu seine letzten Spuren auf Erden, genau einprägen zu können. Dabei „erkaufte“ er sich den Zugang zur Moschee von den muslimischen Wächtern mit einer Schere und einem Taschenmesser. Den sich vor Ort befindlichen Franziskanern war dies gar nicht recht, denn sie waren für den Schutz der Pilger zuständig und diesen konnten sie bei solchen Alleingängen nicht gewährleisten. Zwar zeigt man noch im Salvatorkloster die Zelle, in der die Franziskaner angeblich daraufhin den hl. Ignatius einsperrten, jedoch ist dies nicht historisch, denn das Kloster erwarben sie erst vier Jahrzehnte später. Ignatius selbst berichtet davon, dass ihn der Guardian der Franziskaner zur sofortigen Abreise drängte.

Die christlichen Kirchen konnten sich von den Muslimen das Recht sichern, an Christi Himmelfahrt hier auf dem Ölberg ihre Gottesdienste feiern zu dürfen. Je nach dem Ostertermin eventuell gemeinsam und nach dem Status quo. Der Festtag wird von den Mönchsgemeinden mit feierlichen Stundengebet, Prozession und Hochamt begangen. Dies geschieht in Zelten, die Ringe an den Wänden dienen zur Befestigung der Zeltbahnen.

Der Franziskaner Virgilio Corbo stellte in den 1960er Jahren bei archäologischen Untersuchungen an der Westseite am Boden Strukturen fest. Sie könnten zu jenem Männerkloster gehören, das 438 Melania die Jüngere der Poimeniakirche anfügte. Die Ausgrabung zeigte auch, dass der natürliche Boden nicht so eben war, wie es heute den Anschein hat. Er begann erst in 8 Meter Tiefe. Die heutige Umfassungsmauer stammt an der Nord- und Südseite von der Kreuzfahrerkirche, der Rest wurde erst in späterer Zeit errichtet.

S.D.G.

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