Ethik – Moral – Recht

Der englische Philosoph und Vordenker der Aufklärung John Locke (1632-1704) stellt die Notwendigkeit der Unterscheidung zwischen Ding- und Werteeigenschaft fest. Gut und schlecht sind Werteausdrücke, Objekt menschlicher Affektzustände. Der eigentliche Handlungstrieb ist das Unbehagen, nicht die Lusterwartung. Dieses Unbehagen kann körperlich, aber auch geistig sein. Es entsteht Gier nach Ehre, Reichtum, Macht, etc. Ob etwas gut, schlecht ist, entscheidet der Bezug auf eine Regel, mit der eine Handlung übereinstimmt oder nicht. Hier ist die Scham wichtig, die Korrektur in der Gesellschaft durch deren Moral. Wille und Begehren können verschiedene Richtungen ausweisen. Das wertende Ego muss mit dem wertenden Alter Ego rechnen und dem wertenden Dritten, dem Nächsten.

Nach Locke soll Moralität und Sittenlehre in ihrer Wechselbeziehung nicht im Individuum, sondern in der Gemeinschaft gestiftet werden. Für ihn gibt es:

  1. Ein naturrechtliches göttliches Gesetz bezogen auf den Dekalog
  2. Das bürgerliche Gesetz von der Gesetzgebung bis zur Rechtsprechung
  3. Das Gesetz gesellschaftlicher Anerkennung als Instanz moralisch freiwilliger Selbstregulation des Verhaltens

Daraus folgen nun die Maßstäbe, ob eine Handlung moralisch redlich ist. Die drei Gesetze treffen sich in einem übergeordneten Kriterium: Erhaltung der Gesellschaft versus Auflösung aller Bande der Gemeinschaft. Wer postuliert, dass Tugend und Wert nicht angeboren sind, kann Wohlwollen, Generosität nur aus einem Prozess der Gemeinschaftsbildung und Reproduktion hervorgehen lassen, der durch Gewährung und Entzug von Anerkennung, Wertschätzung und Achtung reguliert.

Der amerikanische Politikphilosoph John Rawls (1921-2002) („Gerechtigkeit als Fairneß“) fügt hinzu, dass zwischen einer demokratisch-politischen Gesellschaft und der Idee  einer Gemeinschaft wie Kirche, Vereinigungen, Verbände unterschieden werden muss. Eine Gesellschaft ist keine Gemeinschaft. Die Wertsphäre einer Gemeinschaft und deren Ziele müssen mit der politischen Gesellschaft weitgehend übereinstimmen. Ist dies nicht oder nur in Teilbereichen der Fall, so kann sich entweder die moralische Wertsphäre der Gesellschaft von der Ethik entfernt haben oder die der Gemeinschaft. Deshalb können auch Gesetze einer Gesellschaft, die unethisch sind, von einer Gemeinschaft abgelehnt werden. Ebenso kann eine Gesellschaft unmoralische oder gar unethische Regularien einer Gemeinschaft durch ethisch und moralisch fundierte Gesetze verhindern.

Daraus folgt, dass

RECHT ein Teilaspekt von MORAL und MORAL ein Teilaspekt von ETHIK ist. Ein Recht, das ethische und moralische Werte nicht fördert, fördert auch nicht die Gesellschaft. Recht muss in der moralischen Wertsphäre einer Gesellschaft verankert sein, die wiederum im ethischen Bewusstsein des Menschen entsteht.
ETHIK = globales Bewusstsein = Beziehungen
MORAL = kulturelles oder subkulturelles Bewusstsein = Gruppenschutz
RECHT = nationales / territoriales Bewusstsein = Reglementierung

Das Ganze hängt davon ab, als WER man überleben möchte: als Individuum, als Gruppe oder Organisation, als Menschheit samt Natur (z. B. die „Schöpfung“). Gerade in der Ethik findet man darum die Wahrheit.

Deshalb entstehen immer Probleme, wenn Menschen sich zum Maßstab von Ethik und damit Wahrheit deklarieren. Dies wurde gerade in der Zeit der Aufklärung durchaus erkannt, führte jedoch ohne Anerkennung einer Instanz (Feststellung 1 bei Locke), die höher als der Mensch ist, entweder zu autoritären Formen oder in der Postmoderne zum Relativismus, der gewissermaßen resignierend keine Wahrheit anerkennen kann und damit Ethik zu Moralismus herabstuft, der niederen menschlichen Interessen folgen muss.

Wenn man vom Gewissen des Menschen spricht, dann wurde ursprünglich damit jenes menschliche Organ gemeint, welches das naturrechtliche übergeordnete Gesetz erkennen kann und so die Gemeinschaft ethisch fruchtbar gestalten. Später, durch das Fehlen eines übergeordneten Bezugs, musste sich das Gewissen auf einen menschlich fehlerhaften Maßstab zurückziehen und läuft dadurch Gefahr, sich dem Ego unterordnen zu müssen.

Ethisches Verhalten mag zwar in Religionen eingeübt werden, ist aber grundsätzlich in jedem Menschen angelegt. Es kann sich in ihm dann besonders entfalten, wenn er Selbsterkenntnis besitzt. Eine Erkenntnis, die darum weiß, dass er nicht der Maßstab ist, aber fähig, einen Maßstab zu finden. Dieser Maßstab wird immer Mäßigung und altruistisches Verhalten als Erkennungsmerkmale besitzen, weil der Mensch in Beziehungen angelegt ist.

Humanismus und Nächstenliebe sind die Folgen ethischen Verhaltens. Sie wissen um die Menschenwürde und im christlichen Kontext auch darum, woher sie geschenkt. Hier führt sie zu Gotteserkenntnis, die wiederum die Selbsterkenntnis fördert und damit das Gewissen schärft.

S.D.G.

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